Gaza

»Als sei ich weggeworfen worden ...«

Danielle Gilboa Foto: Screenshot

Die Dringlichkeit bringt sie zum Umdenken. Die Eltern der jungen IDF-Soldatin Danielle Gilboa haben die Veröffentlichung eines früheren Propagandavideos der Hamas erlaubt, um auf einen möglichen Geiseldeal aufmerksam zu machen. Die Existenz der Aufnahme wurde bereits im Januar bekannt, jedoch untersagten die Angehörigen damals die Ausstrahlung, um der zynischen Manipulation der Terroristen keinen Raum zu geben.

Danielles Mutter, Orly Gilboa, erklärte am Montagabend im israelischen öffentlich-rechtlichen Sender Kan, dass die Familie jetzt beschlossen habe, die Veröffentlichung des Clips zuzulassen, in der Hoffnung, dass er die Bedeutung der aktuellen Verhandlungen für einen Waffenstillstand und die Befreiung der von der Hamas nach Gaza verschleppten Menschen unterstreiche.

Tochter ist eine der Späherinnen an der Grenze zu Gaza

»Es ist 170 Tage her, dass wir dieses letzte Lebenszeichen von unserem Kind bekamen. Danielle sieht darin stark aus, doch wer weiß, was zwischenzeitlich geschehen ist«, sorgt sie sich. »Ich hoffe so, sie gibt die Hoffnung nicht auf und weiß, dass sie da rauskommen wird.« Gilboa richtet sich auch an die Regierung: »Ich flehe sie an: Zeigen Sie Führungskraft und befürworten Sie einen Deal. Damit ich Daniella bald wieder umarmen kann und alle Geiseln nach Hause kommen.«

Ihre Tochter ist eine der jungen Späherinnen aus der geschundenen Armeebasis Nahal Oz an der Gaza-Grenze, die in dem erschütternden Entführungsvideo der Hamas zu sehen sind. Es wurde im Mai von den Familien an die Öffentlichkeit gegeben.

Zu Beginn des jetzt verbreiteten Clips identifiziert sich die damals erst 19-jährige Danielle als Soldatin aus Petach Tikwa, die am 7. Oktober entführt wurde.

»Ich bin schon 107 Tage in der Gewalt der Hamas. Ich weiß nicht, wann ich nach Hause kann, und ob überhaupt jemals.« Sie fühle sich von der israelischen Regierung im Stich gelassen, erklärt sie und sendet harsche Worte an die Politiker. »Wo waren Sie am 7. Oktober, als ich aus meinem Bett entführt wurde? Wo sind Sie jetzt? Fangen Sie an, Ihre Arbeit zu tun, so wie es nötig ist. Bringen Sie uns lebend nach Hause!«   

»Ich brauche kein Essen, kein Geld, keine Kleidung, nichts – nur, dass Ihr uns lebend nach Hause bringt.«

Danielle gilboa

»Warum muss ich als Soldatin, die 100 Prozent für das Land gab und in schwierigen Konditionen in der Umgebung von Gaza diente, das Gefühl haben, im Stich gelassen und weggeworfen worden zu sein?«, fragt Danielle Gilboa dann. »Ich bin 24 Stunden am Tag unter Beschuss und habe große Angst um mein Leben. Einmal haben mich eure Bomben fast getötet.«

Anschließend bettelt sie darum, nach Hause zurückkehren zu dürfen: »Ich brauche kein Essen, kein Geld, keine Kleidung, nichts – nur, dass Ihr uns lebend nach Hause bringt.« Ihrer Familie sagt der Teenager: »Ich vermisse euch sehr, sehr und liebe euch, Mama, Papa, Noni, Roiko. Ich bitte euch, stark zu sein und alles zu tun, was Ihr könnt, um mich nach Hause zu bringen, solange ich noch lebe.«

Hamas gibt detailliert vor, was Geiseln in Videos sagen

In dem Originalvideo waren auch Doron Steinbrecher aus dem Kibbuz Kfar Aza und Karina Ariev, ebenfalls eine der IDF-Späherinnen, zu sehen. Wie verschiedene freigekommene Geiseln später berichteten, gebe die Hamas detailliert vor, was die Israelis in den Videos zu sagen haben.

In einem besonders grauenvollen Fall wurde bekannt, dass die Terroristen der erst achtjährigen Ella Elyakim befahlen, mehrfach die Kleidung zu wechseln, die sie ihr gaben, bis das Propaganda-Video in ihren Augen »perfekt« genug war, um den größtmöglichen psychologischen Druck auf die Angehörigen, die israelische Öffentlichkeit und Regierung auszuüben.

Lesen Sie auch

IDF-Soldaten hatten das Filmmaterial von Ella und ihrer Schwester Dafna in Gaza entdeckt. In dem Video sind die beiden einige Tage, nachdem sie aus dem Haus ihres Vaters im Kibbuz Nahal Oz entführt wurden, zu sehen.

Die kleine Ella spricht in die Kamera der Hamas, die sie aufzeichnet. Man hört sie sagen: »Ich bin Ella Elyakim, die Tochter von Noam, ich bin acht Jahre alt, und ich bitte Bibi [gemeint ist Premierminister Benjamin Netanjahu], uns zu befreien, weil ich eine Geisel der Hamas bin.«

»Ellas Familie bat, das Video mit der Welt zu teilen, um den Terrorismus, die Grausamkeit und die Barbarei der Terroristen aufzudecken.«

idf-sprecher daniel hagari

Kurz bevor die Mädchen am 7. Oktober entführt worden, hatten Terroristen während des Massakers Dafnas und Ellas Vater Noam, seine Lebensgefährtin Dikla und ihren Sohn Tomer ermordet. Beide Mädchen wurden im Rahmen des Abkommens Ende November freigelassen und mit ihrer Mutter vereint.

IDF-Sprecher Daniel Hagari sagte damals: »Das veröffentlichte Video wurde als Werkzeug für den Psychoterror vorbereitet, den die Hamas einzusetzen versucht. Dennoch bat uns Ellas Familie, das Video mit der Welt zu teilen, um den Terrorismus, die Grausamkeit und die Barbarei der Terroristen aufzudecken. Die achtjährige Ella erzählte uns, dass die bewaffneten Hamas-Männer sie gezwungen hätten, das Drehbuch zu lesen, ihre Kleidung zu wechseln und dieses verstörende Video immer wieder neu zu drehen.« Sie hätten ihr auch ein Pflaster auf die Haut geklebt, um zu suggerieren, dass sie »gut behandelt« würde.

Hagari fügte hinzu: »Unser tiefstes Mitgefühl gilt Ella, ihrer Familie und allen Familien der Geiseln, die wünschen, dass die Veröffentlichung dabei hilft, alle Geiseln nach Hause zu bringen.« Genauso hoffen auch Danielles Eltern jetzt, dass das Video ihrer Tochter in der ganzen Welt veröffentlicht wird – und zu ihrer baldigen Freilassung führt.

Terror

Juden für Iran ausgespäht: Spionageprozess beginnt

Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg beginnt der Prozess gegen zwei Männer, die im Auftrag des Irans gezielt Juden und Israel-Freunde für Anschläge ausgespäht haben sollen

 17.06.2026

Diplomatie

Somaliland eröffnet Botschaft in Jerusalem

Es handelt sich bereits um die achte diplomatische Vertretung, die in der israelischen Hauptstadt eröffnet wurde

 17.06.2026

Belarus

Antisemitische Ausfälle aus Minsk

Ein Interview des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko belastet das bilaterale Verhältnis mit Israel

von Alexander Friedman  17.06.2026

TV-Tipp

Das Leben arabischer Transpersonen in Israel

Eine Arte-Dokumentation porträtiert Transpersonen aus Gaza, die im Exil in Tel Aviv den Traum ihrer sexuellen Selbstbestimmung zu verwirklichen versuchen

von Manfred Riepe  17.06.2026

Wonderwerk-Höhle

Forscher finden älteste Spuren gezielter Feuernutzung

Auch die israelische Wissenschaftlerin Liora Kolska Horwitz von der Hebräischen Universität Jerusalem ist an der bahnbrechenden Entdeckung beteiligt

 17.06.2026

Jerusalem

Likud verzichtet auf Wahlkampf mit Trump-Nähe als zentralem Thema

Parteistrategen meinen, dass Benjamin Netanjahus Verbindung zum amerikanischen Präsidenten dem Ministerpräsidenten keinen Vorteil verschaffen würde. Hintergrund ist der neue Iran-Deal

 17.06.2026

Tel Aviv

Israelischer Luftwaffenchef: Geplanter Großangriff auf Iran kurz vor Start gestoppt

Generalmajor Omer Tischler sagt, die Einsatzkräfte seien bereits vollständig für die Mission vorbereitet gewesen

 17.06.2026

Kommentar

Der Judenhass hat Platz genommen

Die neuen RIAS-Zahlen sind alarmierend. Und sie zeigen einmal mehr eindrücklich: Antisemitismus ist kein Minderheitenproblem und ganz sicher nicht nur ein Judenproblem. Er ist ein Demokratieproblem

von Nelly Eliasberg  17.06.2026

Dokumentation

Das Abkommen zwischen den USA und dem Iran im Wortlaut

Der saudische Sender »Al Arabiya English« hat das Memorandum of Understanding zwischen Teheran und Washington veröffentlicht

 17.06.2026