Anthropologie

55.000 Jahre alter Schädel in Israel gefunden

Nach dem Fund der Manot-Schädelstücke gehen Forscher davon aus, dass sich Neandertaler und moderne Menschen im Gebiet des heutigen Israel erstmals vermischt haben könnten. Foto: Flash 90

Der erste Sex zwischen einem Neandertaler und einem modernen Menschen fand möglicherweise auf dem Gebiet des heutigen Israel statt. Das schließen Anthropologen aus dem Fragment eines 55.000 Jahre alten menschlichen Schädels, das sie im Westen von Galiläa gefunden haben.

Wie die Zeitschrift »Nature« in dieser Woche berichtete, geben die Knochenteile aus der »Manot«-Karsthöhle nach Ansicht der Forscher unter der Leitung des Anthropologen Israel Hershkovitz von der Universität Tel Aviv Aufschluss über ein wichtiges Stück Menschheitsgeschichte: Noch nie zuvor waren menschliche Überreste eines Homo Sapiens aus dieser Zeit außerhalb von Afrika gefunden worden.

Die Schädeldecke des »Manot-Menschen« gleicht nach Meinung der Anthropologen den Schädeln heutiger afrikanischer Menschen, aber auch von Menschen aus der Jungsteinzeit in Europa. In einem Interview sagte Hershkovitz, der Fund sei »das fehlende Bindeglied zwischen afrikanischen und europäischen Bevölkerungen«.

Erbgut Dass der moderne Mensch sich vor Zehntausenden von Jahren von Afrika aus kommend in Europa und Asien verbreitet hat, ist unter Forschern bekannt. Vor etwa 40.000 bis 30.000 Jahren verdrängte der Homo Sapiens den Neandertaler in Europa. Klar war bisher auch, dass sich Homo Sapiens und Neandertaler nicht nur bekämpften – denn etwa ein bis vier Prozent des Erbguts des modernen Menschen stammt vom Neandertaler.

Nach dem Fund der Manot-Schädelstücke gehen Forscher nun davon aus, dass sich Neandertaler und moderne Menschen im Gebiet des heutigen Israel erstmals vermischt haben könnten – und nicht erst später in Europa. Diese Annahme könne man aus der Form der Schädeldecke ableiten, schrieben die Forscher. Die Höhle war bereits 2008 und der Schädel des »Manot-Menschen« 2010 entdeckt worden.

Rundform Genannt wird er »Manot 1«: Sein Schädel gehörte nach Erkenntnis der Forscher einem kleingewachsenen Erwachsenen unbestimmten Geschlechts. Die runde Form ähnele demnach der Form moderner Schädel aus Afrika und Europa, nicht aber der Gestalt anderer Schädel moderner Menschen der Levante. Dies sei ein starker Hinweis darauf, dass Besitzer solcher Schädel zu den ersten Menschen gehört hätten, die Europa besiedelten, glauben die Anthropologen.

Ankara

Türkei ernennt nach vier Jahren wieder Botschafter für Israel

Im Zuge der Wiederannäherung mit Israel hat nun auch die Türkei einen Botschafter für ihre Auslandsvertretung ernannt

 07.10.2022

Politik

Nahöstlicher Realismus

Die Zweistaatenlösung ist wieder in den Schlagzeilen. Aber Experten und Bevölkerung glauben immer weniger an eine Vereinbarung mit den Palästinensern

von Sabine Brandes  07.10.2022

Demonstrationen

Iraner bitten Israelis um Hilfe

Tausende iranische Frauen schreiben der israelischen Sängerin Rita – weltweit wird Solidarität bekundet

von Sabine Brandes  06.10.2022

Politik

Netanjahu wieder aus Krankenhaus entlassen

Oppositionsführer war nach Unwohlsein an Jom Kippur am Mittwoch ins Shaare Zedek Medical Center eingeliefert worden

von Sabine Brandes  06.10.2022

Jom Kippur

Fasten, Fahrräder, Friedensgebete

In Israel steht am höchsten jüdischen Feiertag alles still – die Sicherheitskräfte sind in Alarmbereitschaft

von Sabine Brandes  04.10.2022

Terror

IS-Zelle plante Anschlag auf Schule in Nazareth - wegen Sexualkunde  

Schin Bet: »Die Terrororganisation arbeitet weiter hartnäckig daran, ihre Ideologie unter israelischen Bürgern zu verbreiten»

 02.10.2022

Berlin

Lars Windhorst, Hertha BSC und die Detektei aus Israel

Es wird heftiger. Nun wehrt sich Lars Windhorst und greift auch die neuen Hertha-Bosse an. Es geht um eine Detektei aus Israel, eine Klage, die zurückgezogen wurde - um Geld, Vertrauen und mehr

 02.10.2022

Sport

»Schach ist vielleicht nichts für Frauen«

Nach sexistischen Äußerungen: Schach-Weltverband setzt israelischen Kommentator ab

 30.09.2022

Gesellschaft

Nach 30 Jahren erstmals wieder Kibbuz-Gründung in Israel

Nahe Arad wird erstmals nach über 30 Jahren wieder ein neuer Kibbuz gegründet

 30.09.2022