Jewrovision

»Vielleicht klappt es 2019«

»Unsere Jugendarbeit muss professionalisiert werden«: Nora Goldenbogen Foto: Steffen Giersch

Frau Goldenbogen, erstmals findet die
Jewrovision in einem östlichen Bundesland statt, allerdings ohne lokale Beteiligung. Wie wird sich die Jüdische Gemeinde während des Jewrovision-Wochenendes den Teilnehmern präsentieren?

Es werden sicher aufregende Tage. Wir freuen uns, dass dieses Ereignis in Dresden stattfindet, zum ersten Mal überhaupt in Ostdeutschland. Eine Reihe von Kindern und Jugendlichen aus Sachsen nehmen an dem Machane teil und verbringen den Schabbat in der Gemeinschaft. Aus unserer Gemeinde sind etwa ein Dutzend Kinder und Jugendliche dabei. Möglicherweise kommen auch Jugendliche zum Gottesdienst zu uns ins Haus. Außerdem findet am Sonntag hier am Hasenberg die Direktoriumssitzung des Zentralrats der Juden in Deutschland statt.

Woran liegt es, dass keine Gruppe aus einer ostdeutschen Gemeinde bei der Jewrovision auftritt?
Unsere Gemeinden sind durchweg klein. Und das bedeutet, wir haben größere Probleme, ein Kunst- und Kulturprogramm auf die Beine zu stellen. Zum einen haben wir nicht so viele Kinder und Jugendliche in der Altersgruppe von zehn bis 19. In der Dresdner Gemeinde sind es etwa 40. Vor allem aber fehlt es bisher an der kontinuierlichen Jugendarbeit.

Aber aus den übrigen Bundesländern treten auch sehr kleine Gemeinden auf oder tun sich zusammen.
Was ich von der Jewrovision gesehen habe, war sehr professionell. Da können wir derzeit nicht mithalten. Unsere drei sächsischen Gemeinden haben einfach nicht das Geld, eine professionelle Kraft einzustellen. Und ich fände für eine Gruppe nichts trauriger, als ohne gute Vorbereitung zur Jewrovision geschickt zu werden und dann auf dem letzten Platz zu landen.

Wie sieht denn die Jugendarbeit in den sächsischen Gemeinden derzeit aus?
In jeder Gemeinde läuft etwas: In Chemnitz gibt es den jüdischen Kindergarten, in unserer Gemeinde ist zum Beispiel der Kinderchor sehr aktiv. Die Kinder treten oft in der Stadt auf, auch in der Staatsoperette. Es gibt gemeindeübergreifende Aktivitäten wie Machanot oder Ausflüge zu jüdischen Gemeinden nach Sachsen-Anhalt oder Thüringen. Diesen Sommer feiern wir in Dresden ein großes Familienfest für alle jüdischen Gemeinden aus Sachsen. Kurz: Es gibt viele Projekte, aber es fehlt die Konstante.

Wie gut nehmen die jungen Leute die Gemeindeangebote an?
In allen sächsischen Gemeinden gibt es Gruppen, die sehr aktiv sind. Doch an diejenigen heranzukommen, die man nie in der Gemeinde sieht, ist harte Arbeit. Das funktioniert nur über die Eltern, und manche möchten nicht einmal, dass sie einen Brief erhalten, der erkennbar von der Jüdischen Gemeinde kommt. Da gibt es Ängste, auf die wir Rücksicht nehmen müssen. Wir brauchen Eltern, die ihre Kinder ermutigen, die Angebote der Gemeinde zu nutzen. Aber es geht nicht nur darum, dass die Gemeinde etwas bietet, ein großer Anreiz ist auch, Gleichaltrige zu treffen.

Und da fehlt es dann an genügend Partnern?
Ja, wir haben in allen drei sächsischen Gemeinden festgestellt, dass die Jugendarbeit in Wellen verläuft: Mal hat man ein Hoch, aber dann kommen diese jungen Leute in das Alter, wo sie Abitur machen und ein Studium beginnen, und dann sind sie weg, sodass man wieder von Neuem um Nachwuchs werben muss.

Sind Sie auf Landesverbandsebene nicht dennoch traurig, dass die Jewrovision ohne lokale Teilnehmer über die Bühne geht?
Natürlich! Wir sind darüber nicht glücklich. Die Jugendarbeit ist im Landesverband nicht erst seit der Jewrovision ein Thema, aber der Song Contest ist ein Anreiz, neu darüber nachzudenken. Wir brauchen eine professionelle Kraft aus unseren Reihen, die in den drei sächsischen Gemeinden die Jugendarbeit vor allem im Hinblick auf Kunst und Kultur in die Hand nimmt. Ich bin dagegen, dass wir so etwas nur als Projekt betrachten, denn dahinter steckt eine aufwendige Arbeit für mehrere Jahre. Und diese Arbeit muss entsprechend bezahlt werden. Das muss man als Gemeinde und als Landesverband stemmen.

Das heißt, Sie haben schlichtweg zu wenig Geld?
Jugendarbeit ist nicht nur ein schönes und idealistisches Ziel: Man muss in sie investieren. Ich hoffe, dass wir das hinkriegen, damit wir 2019 oder 2020 auch ein sächsisches Jewrovision-Team an den Start schicken können.

Was brauchen Sie darüber hinaus, damit das gelingt?
Das Potenzial bei den Kindern ist vorhanden, es gibt in unseren Reihen viele junge Sänger, Schauspieler und Musiker. Fachliche Unterstützung können wir sicher gebrauchen, obwohl wir bereits Kontakte haben. In der russischsprachigen Gemeinschaft gibt es Vereine, die auf hohem Niveau im Bereich Kunst und Kultur mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Doch in erster Linie brauchen wir finanzielle Unterstützung. Jugendarbeit ist genauso wichtig wie Sozialarbeit, nur gibt es dafür längst nicht so viele Zuwendungen.

Werden Sie selbst am 10. Februar die Jewrovision besuchen?
Ja, ich gehe auf jeden Fall hin, das ist für mich eine Premiere. Und ich hoffe, dass die Show die jungen Leute aus Sachsen so sehr begeistert, dass sie sagen: Wir wollen auch so etwas auf die Beine stellen.

Mit der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Dresden und des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden sprach Karin Vogelsberg.

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026