Bayern

Rabbiner-Familie bespuckt und verbal attackiert

Foto: dpa

Eine jüdische Familie ist nach Informationen des ARD-Politmagazins »report München« am Samstag in der bayerischen Landeshauptstadt bespuckt und verbal attackiert worden. Die Tat gegen eine Rabbiner-Familie im Stadtteil Schwabing sei von zwei Personen begangen worden, so das Politmagazin am Dienstag. Die Tat soll sich nach dem Besuch einer Synagoge ereignet haben.

Die Familie sei am Samstag am frühen Nachmittag aus der Synagoge gekommen, als es zunächst von einem bislang unbekannten Mann von der gegenüberliegenden Straßenseite als »Scheiß Juden« beleidigt wurde. Die Familie war äußerlich als jüdisch erkennbar.

VERDÄCHTIGE Eine bislang unbekannte Frau habe aus ihrem Pkw heraus den Vorfall beobachtet und daraufhin einen der beiden 19-Jährigen ebenfalls als »Scheiß Juden« beleidigt. Als sich der junge Mann an die Beifahrerseite begab, um die Frau anzusprechen, wiederholte sie ihre antisemitische Parole und spuckte ihm durch das geöffnete Autofenster ins Gesicht. Anschließend fuhr sie davon. Die Kriminalpolizei ermittelt nun gegen die beiden Tatverdächtigen wegen Volksverhetzung und Beleidigung.

Der Vorfall stehe leider symptomatisch für die schwierige Situation vieler Juden in der heutigen Zeit, betont Charlotte Knobloch.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sagte demnach, der Vorfall sei »leider symptomatisch für die schwierige Situation vieler jüdischer Menschen in der heutigen Zeit«.

Sicherheit im öffentlichen Raum, die eigentlich für alle Bürger selbstverständlich sein sollte, rücke gerade für Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft in immer weitere Ferne, so Knobloch weiter. »Dieses Sicherheitsgefühl muss nun so schnell wie möglich wiederhergestellt werden, damit solche Vorfälle sich nicht wiederholen können.«

POLIZEI Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) zeigte sich entsetzt über den Vorfall und bezeichnete ihn als »Angriff auf die ganze Münchner Stadtgesellschaft«. Er forderte die Bürger auf, bei auffälligem Handeln gegenüber Juden genau hinzuschauen und konsequent zu handeln: »Wir müssen deutlich machen, dass wir das Angehen von Jüdinnen und Juden bei uns nicht dulden.« Im Bedarfsfall seien sofort die Polizei und die Sicherheitsbehörden zu verständigen. Bayern werde Übergriffe auf Juden nicht dulden.

Die evangelische Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler twitterte: »Eine Schande, dass so etwas in unserer Stadt geschieht.« Es gelte, wieder und wieder dagegen aufzustehen »und auch dem Antisemitismus und judenfeindlichen Äußerungen in den eigenen Reihen« entgegenzutreten.

Das American Jewish Committee (AJC) Berlin erklärte: »Erst Berlin, dann München. Innerhalb von zwei Wochen sind in Deutschland zwei Rabbinerfamilien offen angegriffen worden. Erneut zeigt sich, dass Juden in Deutschland nicht in Sicherheit leben können. Wir werden nicht zulassen, dass dieser Zustand als Normalität akzeptiert wird.«

Erst Ende Juli war in Berlin ein Rabbiner in Begleitung eines seiner Kinder von zwei Männern auf Arabisch beschimpft und bespuckt worden. kna/ja/dpa

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