Stuttgart

Mit Tora und Laptop

Alana und Oezgueven besuchen die zweite Klasse der jüdischen Grundschule. Foto: Brigitte Jähnigen

Unterricht mit Tora und Laptop, mit dieser Idee war die Jüdische Grundschule Stuttgart 2008 gestartet – und das Konzept ist aufgegangen. 37 Kinder besuchen derzeit drei Klassen an der Ganztagsschule. Mit einer Klassengröße von etwa 15 Schülern ist individuelles Lernen in familiärer Atmosphäre gewährleistet. Mitte Januar lud die Schule zum Tag der offenen Tür.

Füße scharren, Kinder kichern, schauen sich um, wo die Eltern sitzen: Lampenfieber ist angesagt im Saal der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW). Die Publizistin Efstratia Dawood hat eine Dokumentation über die Schule gedreht: Ausschnitte aus dem Alltag einer kleinen Schule, die nicht nur in Trägerschaft der IRGW geführt wird, sondern auch ihre Räume unter dem Dach des Gemeindezentrums hat.

»Die Schule ist fest in die Gemeinde integriert. Wir besuchen zu gegebenen Anlässen die Synagoge, Kinder des Kindergartens besuchen uns. Verköstigt werden wir mit koscherem Essen«, erklärt Religionslehrer Raphael Weisz vor der Kamera. Jüdische Traditionen und Werte würden vermittelt, auch wenn nicht alle Kinder jüdisch sind.

Akzeptanz Alana (8) ist Nichtjüdin und kam in die erste Klasse in ihrem Wohnumfeld. Doch die Kinder in ihrer Schule mobbten das Mädchen. »Die Lehrer haben angeblich nichts bemerkt, sie sagten, Alana würde von der Klasse nicht akzeptiert«, sagt ihre Mutter. Die alleinerziehende Juristin suchte eine neue Schule für ihr Kind – und fand die Jüdische Grundschule. »Die Gebühren sind nicht so hoch wie an anderen Privatschulen, wegen des Ganztagesschulkonzepts muss ich nicht noch eine zusätzliche Betreuung organisieren, und Alana fühlt sich wohl«, sagt sie.

Im Film fragt Elchanan Heymann die Schüler gerade, warum sie im Unterricht Hebräisch lernen und Hebräisch beten, obwohl ja alle in Deutschland leben. »Weil wir eine jüdische Grundschule sind«, antwortet eine Schülerin.

Heymann war nach Landesrabbiner Netanel Wurmser der zweite Schulleiter. Ein Seder wird vorbereitet, Zutaten und Anordnung auf dem Sederteller werden erklärt, später die hart gekochten Eier gepellt. Kichern bei der Filmschau: Eier pellen mit kleinen Händen ist offenbar gar nicht so einfach – und Mazzeknabbern nicht jedermanns Freude. Spielerisch lernen die Schüler den Umgang mit Zahlen am PC, neugierig gehen sie auf Exkursion zur Stuttgarter Ökostation, üben in der Theater-AG ein Piratenstück, lernen Englisch ab Klasse eins.

Unterrichtsfächer Iwrit ist für alle verpflichtendes Unterrichtsfach, doch die Unterrichtsinhalte der allgemeinbildenden Fächer richten sich nach dem für Baden-Württemberg gültigen Lehrplan. Nach herzlichem Beifall und einem Liedvortrag gibt es Schulführungen und Gespräche, ein Buffet mit Gebackenem, Obst und Gemüse.

Auch Oezgueven lernt hier in der zweiten Klasse. »Als seine Einschulung anstand, kamen wir zum Tag der offenen Tür und haben gedacht, das könnte für unseren Sohn eine Alternative zu herkömmlichen Schulen sein«, erzählt seine Mutter. »Liebevoll und fein« findet sie die Atmosphäre an der Jüdischen Grundschule, und dass die Kinder früh Englisch und Hebräisch lernen, sei wichtig. Oezguevens Familie ist jüdisch, stammt aus Istanbul und hat inzwischen drei Kinder. Auch andere Schüler haben mehrere jüngere Geschwister.

Claudia Mehnert (34) hat seit dem vergangenen Sommer die Leitung der Schule von ihrem Vorgänger Elchanan Heymann übernommen und war hier zuvor schon als Lehrerin tätig. Aktionen wie »Schüler der Woche« oder »Klasse der Woche«, die in der filmischen Dokumentation vorgestellt wurden, findet sie »wichtig für die soziale Kompetenz der Schüler«. Nachteile für unruhige oder nicht so anpassungswillige Kinder sieht sie nicht. »Wir schauen schon, dass jeder einmal dran ist«, sagt sie und lächelt. Das ist es vermutlich, was diese kleine Schule so liebenswert macht: Schüler werden als Individuen wahrgenommen, und der gute Wille der Kinder wird durch Auszeichnungen verstärkt.

»Meine Hoffnung ist, dass wir alle gut für die weiterführenden Schulen vorbereiten. Meine ist es, dass wir die Schule dafür räumlich und personell erweitern können«, sagt Mehnert.

Landesrabbiner Netanel Wurmser stimmt ihr zu: »Glückliche Umstände haben dazu beigetragen, dass wir die jüdische Grundschule Stuttgart 2008 eröffnen konnten, eine weiterführende Schule wäre wünschenswert.«

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026