Dortmund

Die Türen stehen offen

Schon Abraham war die Gastfreundschaft wichtig, der Jüdischen Gemeinde und Rabbiner Baruch Babaev erst recht. Foto: DEKT

Rabbiner Baruch Babaev freut sich über den evangelischen Kirchentag, der dieser Tage in Dortmund stattfindet. Unter dem Motto »Was für ein Vertrauen« werden bis zum Sonntag rund 250.000 Besucher bei den über 2000 Veranstaltungen in der Ruhrgebietsstadt erwartet.

»Wir waren«, sagt Dortmunds Rabbiner Baruch Babaev, »von Anfang an bei den Planungen mit dabei.« Interreligiöser Dialog ist den evangelischen Kirchen wichtig. Der Kirchentag soll daher keine Veranstaltung nur für Protestanten sein, sondern Vertretern aller Religionen und Konfessionen offenstehen.

Gemeindemitglieder helfen auch mit Schlafplätzen für Gäste des Kirchentags aus.

»Ich freue mich, dass wir den Kirchentag bei uns in Dortmund haben«, sagt Baruch Babaev. »Und auch sein Motto ›Was für ein Vertrauen‹ finde ich sehr gut. Wir als jüdische Gemeinde zeigen, dass wir Vertrauen haben.« So rief die Dortmunder Gemeinde ihre Mitglieder dazu auf, Kirchentagsbesuchern Schlafplätze zur Verfügung zu stellen. »Wenn man jemanden in seine Wohnung lässt, hat das viel mit Vertrauen zu tun. Aber Vertrauen gehörte immer zum Judentum. Schon Abraham war die Gastfreundschaft wichtig.«

Wie viele Gemeindemitglieder dem Aufruf nachgekommen sind, weiß der Rabbiner allerdings nicht. Die Vergabe von Schlafplätzen lief zentral über die evangelische Kirche.

gastfreundschaft Aber nicht nur die Mitglieder, auch die Gemeinde selbst hat ihre Pforten geöffnet. Während des gesamten Kirchentags besteht die Möglichkeit, in ihren Räumen koscher zu essen. »Ein koscheres Restaurant haben wir leider in Dortmund noch nicht. Ich hoffe, dass sich das bald ändert. Aber Juden, die den Kirchentag besuchen, können bei uns essen.«

Und wer Lust auf ein koscheres Eis hat, wird ebenfalls in der Nähe der Gemeinde an der Kaiserstraße fündig. Die Eisdiele »Cream 2« bietet seit Neuestem verschiedene koschere Eissorten an – vor allem das Erdbeereis erfreut sich bei den Dortmunder Gemeindemitgliedern großer Beliebtheit.

Die Gemeinde bietet aber auch Veranstaltungen zum Judentum an, die schon vor Beginn des Kirchentags auf große Resonanz gestoßen sind: An den ersten beiden Tagen findet eine Einführung in das jüdische Leben in Dortmund statt, es gibt eine Vorstellung des Synagogengottesdienstes und die Möglichkeit, einen solchen zu besuchen und selbst zu erleben. Ebenfalls an diesem Donnerstag findet eine Führung über den Jüdischen Friedhof statt.

Das »Zentrum Juden und Christen« bietet auf dem Kirchentag mehrere Veranstaltungen an

Zudem bietet das »Zentrum Juden und Christen« auf dem Kirchentag mehrere Veranstaltungen an: Zum Thema »Komplexe Wirklichkeit – Andere Geschichten aus Israel« wird Jaron Engelmayer, Rabbiner aus Karmiel in Israel, sprechen. Die Professorin mit Schwerpunkt jüdisch‐christliche Beziehungen, Kathy Ehrens­perger vom Abraham Geiger Kolleg Potsdam, wird eine Diskussion zum Thema »Jüdisch‐christliche Reaktionen« moderieren.

Es gibt einen Dialog von Studenten über Politik und Religion, und nach einem Impulsvortrag von Heinz Bude zum Thema »Angstrhetorik und Zuversichten« werden Dalia Marx, Rabbinerin aus Jerusalem, und Barbara Meyer, Theologin aus Tel Aviv, ein biblisch‐theologisches Gespräch führen.

Rahmenprogramm Darüber hinaus werden Ausstellungen und Konzerte mit Bezug zum Judentum angeboten. Nicht Teil des offiziellen Kirchentagsprogramms ist eine Veranstaltung am Samstag in der Paul‐Gerhard‐Gemeinde mit dem Titel: »Ist Kritik an der israelischen Politik Antisemitismus?«

Den »Ruhr Nachrichten«, Dortmunds Lokalzeitung, sagte Gemeindepfarrer Volker Kuhlemann, das Thema sei »vermutlich ein zu heißes Eisen« für den Kirchentag und betonte: »Es muss Kritik am Staat Israel möglich sein.« Dass der Kirchentag dafür kein Forum bieten wollte, gehört wohl auch zu den guten Signalen, die von Dortmund ausgehen.

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