Jewrovision

Bühnenreif

Jeder Schritt muss sitzen: Im Hubert-Burda-Saal der IKG München wird noch trainiert. Foto: Christian Rudnik

Seit einigen Wochen herrscht eifriger Pendelverkehr zwischen Trier und Saarbrücken. Kids fahren hin und her, denn die beiden Jugendzentren haben sich zusammengetan und werden gemeinsam bei der Jewrovision am Samstag antreten. Sie sind zum ersten Mal dabei. »1000 Wege« lautet ihr Motto. »Die Atmosphäre ist toll, alle sind begeistert dabei«, sagt Elene Moskva, Mitarbeiterin der Gemeinde Saarbrücken. Sie ist auch für das Jugendzentrum zuständig. Vor fünf Jahren begann sie in Saarbrücken, mit den Kindern zu arbeiten, inzwischen sind diese alt genug, um zur Jewrovision nach Karlsruhe zu fahren.

Im vergangenen Jahr waren sie nur beim Mini‐Machane, jetzt wollen sie auch auf die Bühne. Da sie mit sechs Kids aus Saarbrücken allein das Projekt nicht stemmen konnten, rief Elena Moskva beim Jugendzentrum in Trier an, wo Gennady Nayfleysh, Leiter des Jugendzentrums Trier, ebenfalls über einen Auftritt bei der Jewrovision nachdachte. Zunächst erntete er nur Gelächter. Eineinhalb Wochen später stand die Truppe.

»Damit haben wir schon gewonnen«, sagt Nayfleysh. »Wir wollen etwas gemeinsam bewegen.« Eine Choreografin war im Einsatz, und eine Design‐Studentin half beim Entwurf des Logos. Seit Mitte Oktober proben die 16 Jugendlichen. Die Generalprobe am vergangenen Sonntag fand in einem extra gemieteten Tanzstudio in Saarbrücken statt. Ob Liedtext oder Videoclip, alles wurde im Team geplant. Die Botschaft: Alle kommen von verschiedenen Orten und bilden eine Einheit.

stimmung Einfach schön Aus Frankfurt wird mit 130 Kindern und Jugendliche wohl die größte Gruppe nach Karlsruhe fahren. »Die Stimmung ist bei uns unheimlich gut«, meint Zvi Bebera, Leiter des Jugendzentrums Amichai. 13 Kids werden auf der Bühne stehen, und drei von ihnen singen. Die anderen werden tanzen – und zwar zum Song »You are so beautiful« aus der Serie Empire. »Wir haben ein mehrköpfiges Komitee, das sowohl den Song als auch Kostüme und die Choreografie ausgesucht hat«, sagt Zvi. »Dieses Mal könnte es vielleicht klappen, dass wir den Pokal mit nach Hause nehmen«, meint er schmunzelnd. Bislang seien sie immer etwas enttäuscht wieder abgereist. Das Thema »United Cultures of Judaism« in einen entsprechenden Songtext umzusetzen, hätten sie als sehr schwierig empfunden, doch jetzt freuen sich alle.

Im Stuttgarter Jugendzentrum wurde in den vergangenen Monaten viel diskutiert, denn auch hier sind die Entscheidungen alle im Team gefallen. 24 musikbegeisterte Kids werden tanzen und sechs von ihnen auch singen. Der Song wird noch nicht verraten. Nur so viel: Jeder der sechs Sänger habe einen Solopart, erzählt Rosch Oron Haim. Seit November wird einmal pro Woche geprobt. Das Video haben sie als Patchwork aus kleinen Filmen jedes Einzelnen angelegt. »Wenn wir nicht gewinnen, dann wollen wir wenigstens unter die ersten drei kommen«, sagt Oron Haim. Alle Jugendlichen freuen sich auf das Machane und darauf, ihre Freunde aus ganz Deutschland wiederzusehen. Und sie wollen ihr Jugendzentrum lautstark unterstützen.

Ausstrahlung 18 Mädchen und Jungen im Hubert‐Burda‐Saal der Israelitischen Kultusgemeinde München schwitzen und ringen nach Luft. Und sie lachen, wenn sie merken, dass alles läuft, alles passt. Jetzt geht es nur noch um das gewisse Etwas. »Strahlen!«, fordert die Tanzpädagogin Bernadette Leitner die Jugendlichen vom Jugendzentrum Neshama auf, und wenn auch das Strahlen bei den Sprüngen, Schrittkombinationen und Dehnbewegungen nicht immer ganz einfach ist, innendrin strahlen sie alle und freuen sich auf den großen Auftritt in Karlsruhe. It’s Jewrovisiontime!

Während die einen schon wie alte Hasen den Rhythmus aufnehmen, probieren sich andere noch aus. Gerade dieses Nebeneinander ist so gewünscht. Jeder durfte mitmachen. »Wir haben keinen, der Interesse gezeigt hat, wieder nach Hause geschickt«, sagt Galina Ivanizky, Verantwortliche von Neshama. »Wir verstehen den Beitrag unseres Jugendzentrums als ein Projekt von Jugendlichen für Jugendliche. Sie sind von der Idee bis zur Umsetzung die Hauptbeteiligten, lernen, im Team zu arbeiten, lernen, was Zuverlässigkeit bedeutet, erkennen am Ende, dass Spaß und Zielorientierung sich nicht ausschließen«, erklärt Ivanizky. »So werden die Kids auf jeden Fall – ganz unabhängig vom Erfolg – für ihre Zukunft etwas mitnehmen können.«

Sarah (18) will trotz Abistress in Karlsruhe dabei sein. Und sie rechnet sich für ihr Team gute Chancen im vorderen Feld aus, nachdem es 2016 nur zu Platz 16 gereicht hat. »Was wir bringen, ist spannend und ziemlich anders«, meint auch Clara (17). Derweil pocht Musikpädagogin Luisa Pertsovska auf exakte Einhaltung der Taktschläge, Anastasija Komerloh, die Theaterpädagogin, will »wache Gesichter« sehen.

Bayern Samuil (18) wird zum ersten Mal auftreten und dann auch gleich als »Solist in einem Duett«. Bis jetzt fühlt er sich »relativ entspannt«. Er kommt aus Hof und macht mit beim Act des »Landesverbandes Bayern Lehava«, der von Joel Grabowski (Musik und Text), Natalja Rokasevits (Choreografien) und Vladlena Vakhovska (Gesang) begleitet wird.

Die 16 Jugendlichen aus den jüdischen Gemeinden Bayerns treffen sich zum Proben in der IKG Nürnberg. Und dann geht es los: warm machen, Trockentraining ohne Sänger, Durchlauf. Was sie zeigen, beginnt langsam und ruhig und ist »einfach nur schön«, bis dann auch die Tänzer und Turner zu ihrem Recht kommen. Es wird sogar einen kleinen Akrobatikteil geben, den Lea (14) aus Würzburg und Daria (14) aus Kitzingen einfach nur »toll« finden. Yeva (13) aus Hof freut sich schon sehr und lässt ein wenig davon durchscheinen, worum es im Act von Lehava gehen wird: »Obwohl wir alle verschieden sind, sind wir alle jüdisch!«

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