München

Alles unter einem Dach

Das erste Zentrum für Israel-Studien (ZIS) an einer deutschen Universität ist am Mittwoch vergangener Woche mit einem Festakt im Senatssaal der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) eröffnet worden. Zahlreiche Gäste aus Wissenschaft, Kultur und Politik nahmen an der Feier teil, darunter auch der frühere israelische Außenminister Shlomo Ben-Ami, der eine besonders enge Beziehung zum Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur hat, an den das neue Zentrum angegliedert ist.

Lehrstuhlinhaber Michael Brenner betonte in seiner Rede, dass mit dem ZIS nun endlich eine Leerstelle im Angebot der staatlichen deutschen Universitäten geschlossen werden konnte. Er ist außerdem davon überzeugt, dass die neue Einrichtung die Forschung zum Thema Israel auf ein neues Niveau heben wird. Das ZIS, erklärte Brenner, leiste einen wichtigen Beitrag , die professionelle Auseinandersetzung mit Israels Geschichte und Gesellschaft in Deutschland und Europa zu stärken und gleichzeitig einen europäischen Zugang zu Israel-Studien zu entwickeln.

meilenstein In den vergangenen Jahrzehnten, so Brenner, seien die Israel-Studien im angelsächsischen Raum und an verschiedenen Einrichtungen im jüdischen Staat selbst als eigenes Forschungsfeld etabliert worden – und nunmehr auch in München. Mit ihren vielfältigen Ressourcen und Experten verschiedener Fächer biete die LMU hierfür einen idealen Standort.

In seiner Rede erinnerte Brenner, Sohn von Schoa-Überlebenden, auch an die 18 Jahre zurückliegende Etablierung des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU. Die Lehr- und Forschungsarbeit sei bereits damals betont interdisziplinär ausgerichtet worden und stellte bis heute einen Meilenstein dar. In diesem Zusammenhang würdigte Brenner auch IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch für ihr maßgebliches Engagement bei der Einrichtung des Lehrstuhls.

Die internationale Komponente des neuen Zentrums sprach nicht nur Michael Brenner an, der sich dadurch eine stärkere Einbindung in die internationale Forschungsarbeit erhofft. Auch Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle äußerte sich zu diesem Thema. Das deutschlandweit einmalige Zentrum solle sich als international sichtbarer Ort für das Erinnern, Erforschen und Diskutieren israelischer Geschichte, Politik und Kultur etablieren, unterstrich der Politiker.

wurzeln Den Festvortrag bei der Eröffnungsfeier hielt der Politologe Shlomo Avineri von der Hebräischen Universität Jerusalem. Darin sprach er über die Wurzeln der israelischen Demokratie, »die einer ereignisreichen Geschichte unterliegen und mit ihrer komplexen multiethnischen Gesellschaft, ihrer geopolitischen Lage und Einbindung sowohl in die jüdische als auch in die nahöstliche Geschichte ein faszinierender und ertragreicher Gegenstand wissenschaftlicher Forschung sind«.

Auf die Möglichkeit, dass das ZIS an bereits vorhandene Aktivitäten und Strukturen der Universität anknüpfen kann und nicht ins kalte Wasser gestoßen wird, wies Michael Brenner hin. Der Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur bringe regelmäßig internationale Experten auf dem Gebiet der Israel-Studien an die LMU. Bereits im Jahr 2012 fand hier die erste Konferenz der European Association of Israel Studies mit über 200 Teilnehmern aus mehr als 20 Ländern statt.

Das Zentrum für Israel-Studien bietet die Möglichkeit, diese Aktivitäten zu institutionalisieren und durch Kooperationen mit internationalen Einrichtungen weiter voranzutreiben, hob Brenner hervor. Dadurch solle die Universität, die bei der Eröffnungsfeier von Vizepräsidentin Barbara Conradt vertreten wurde, als ein herausragender Standort für die internationale Israel-Forschung etabliert werden.

programm Die unterschiedlichen Personen und Projekte, die sich an der LMU mit dem jüdischen Staat befassen, sollen im Zentrum für Israel-Studien gebündelt werden. Darüber hinaus wird das Angebot an Workshops, Tagungen, Exkursionen und Sommeruniversität unter dem Dach des Zentrums zusammengeführt und durch eigene Schwerpunkte erweitert. In einigen Jahren soll aus dem Zentrum eine Professur für Israel-Studien hervorgehen.

Relevant wird das Zentrum auch für angehende Lehrer in Bayern. Über das Unterrichtsthema »Nahostkonflikt« ist die Geschichte Israels fest im bayerischen Schullehrplan verankert. Daher ist – auch in Anbetracht des großen Anteils von Lehramtsstudenten an der LMU – eine Ausbildung zukünftiger Lehrer im Rahmen der Israel-Studien angedacht.

Als besonderen Erfolg bezeichnet Brenner die Allianz-Gastprofessur für Jüdische und Islamische Studien, die bereits dazu beigetragen habe, dass zahlreiche renommierte israelische Wissenschaftler wie Menachem Ben-Sasson und Richard Cohen nach München kamen. Zusätzlich wird nun die vom Israel Institute gestiftete Gastprofessur für Israel-Studien zur weiteren Vertiefung des Themas beitragen. Bisher konnten mit Anita Shapira und Israels früherem Außenminister Shlomo Ben-Ami bedeutende Historiker für die Professur gewonnen werden.

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