Entscheidung

Sehen und handeln

Aus eigenem Willen tat Mosche einen Schritt, der den Lauf der Geschichte veränderte

07.01.2010 – von Rabbiner Reuven KonnikRabbiner Reuven Konnik

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Der Wochenabschnitt Schemot eröffnet eine neue geschichtliche Entwicklungsphase des jüdischen Volkes. Jakows Familie, die, als sie nach Ägypten ging, nur 70 Seelen zählte, ist jetzt zu einer Nation gereift. Doch das Volk der Juden wird von der Obermacht des Landes, dem neuen Pharao, systematisch unterdrückt, erniedrigt und zu Sklavenarbeit gezwungen. Die Qualen werden immer unerträglicher. In den Schriften unserer Weisen finden wir den Ausspruch: »Der Ewige fertigt zuerst die Medizin an und schickt erst dann die Krankheit«. Zu Beginn des zweiten Buches der Tora wird Mosche geboren, um später als Erlöser und G’ttesprophet das außerwählte Volk aus Ägypten zu führen.

Der faszinierenden Geschichte der Errettung des kleinen Mosche und sein Aufstieg zum jüdischen Prinzen im Hause von Pharao (2. Buch Moses Kapitel 2) folgt die Erzählung vom brennenden Dornbusch (Kapitel 3). Sie nimmt eine ganz besondere Stellung in der Geschichte des Auszugs ein. Uns interessiert dabei Mosches eigene Perspektive, sie soll im Folgenden unter die Lupe genommen werden.

feuerflamme Die Tora berichtet, wie Mosche die Schafe seines Schwiegervaters Jithro hütete und der Ewige sich ihm offenbarte. »Da erschien ihm ein Engel des Ewigen in einer Feuerflamme aus dem Dornbusch, und als er hinsah, siehe, da stand der Dornbusch in Flammen, und der Dornbusch wurde nicht verzehrt. Da sagte sich Mosche, ich will mich abwenden vom Weg und diese wundersame Erscheinung betrachten. Warum verbrennt der Dornbusch nicht? Als der Ewige sah, dass er hinzutrat, um nachzusehen, da rief ihm G’tt aus dem Dornbusch zu und sprach: Mosche! Mosche!« (3, 2-4). Dieses Gespräch und die darauffolgenden Handlungen führen letztlich zum Auszug aus Ägypten.

Warum erwähnt die Tora ausdrücklich, dass Mosche sagt, er wolle »hingehen und diese wundersame Erscheinung betrachten«? Und warum ruft der Ewige Mosches Namen erst, nachdem er dessen Interesse an dem brennenden Dornbusch erkennt?

In der Tora, in der niemals ein Wort ohne Grund benutzt wird, könnte stehen: Mosche sah, dass der Dornbusch in Flammen stand, jedoch nicht verbrannte. Er wandte sich vom Weg ab, um die wundersame Erscheinung zu sehen. Und der Ewige rief ihm aus dem brennenden Dornbusch zu: Mosche! Mosche!

Im Midrasch Tanchuma lesen wir eine Diskussion darüber, ob Mosche drei Schritte machte oder nur seinen Hals ausstreckte. Auch wenn er nur genau nachsehen wollte, erkennt der Ewige, Mosche habe sich die Mühe gemacht nachzusehen. Das ist der Moment, in dem er für die Offenbarung erkoren wird. Der Midrasch war bemüht, den tieferen Sinn der Handlung zu verstehen, warum Mosche nun die Entscheidung traf, sich das Ereignis näher anzusehen. Dennoch, warum ist dies eine verdienstvolle Handlung? Rennen nicht alle hin, wenn es einen Brand zu sehen gibt?


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