Brandenburg

Hachschara-Stätte wird Kultur- und Wohnprojekt

Das Gut in Neuendorf am Sande war bis 1941 ein Ausbildungsort für jüdische Auswanderer nach Palästina

Aktualisiert am 08.10.2018, 16:54

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

In der ehemaligen jüdischen Hachschara-Bildungsstätte Neuendorf am Sande in Brandenburg soll ein neues Kultur- und Wohnprojekt entstehen. Der Verein »Zusammen in Neuendorf« habe das Landgut bei Fürstenwalde nach mehrmonatigen Verhandlungen von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erworben, teilte der Verein zur Schlüsselübergabe mit.

Der Kauf sei von zwei Stiftungen in Zusammenarbeit mit dem »Mietshäusersyndikat« unterstützt worden, erklärte der Verein. Das Landgut war von 1932 bis 1941 eine Ausbildungsstätte für jüdische Auswanderer und danach bis 1943 ein NS-Zwangsarbeiterlager.

Landwirtschaft Der Verein wolle dazu beitragen, dass die Geschichte der 1932 gegründeten Hachschara-Stätte nicht in Vergessenheit gerate, hieß es. Dort erlernten zahlreiche Jugendliche Berufe in Handwerk und Landwirtschaft, um sich auf die Auswanderung aus Deutschland nach Palästina, Argentinien und in andere Länder vorzubereiten und dem nationalsozialistischen Terror zu entkommen.

Im Jahr 1941 musste die Hachschara-Stätte in Neuendorf infolge der Wannsee-Konferenz schließen, das Landwerk Neuendorf wurde von den Nationalsozialisten zum Zwangsarbeits- und Sammellager umgebaut, wo die Nazis zwischen 1941 und 1943 zahlreiche Juden ermordeten.

Zu den Holocaust-Überlebenden, die in Neuendorf am Sande Zwangsarbeit leisten mussten, gehören unter anderem der Showmaster Hans Rosenthal (1925–1987) und die 93-jährige »Rapperin gegen Rechtsextremismus«, Esther Bejarano.

schwerpunkte »Der Verein möchte eine Brücke vom Gestern ins Heute und Morgen schlagen«, erklärten die neuen Eigentümer. »Demokratiebildung und politische Bildungsarbeit zählen zu den Schwerpunkten unserer Arbeit.« Wie zu Zeiten der Hachschara stehe auch künftig die Vermittlung von Wissen im Vordergrund, hieß es weiter.

Auf dem Landgut sollen Ausbildungsplätze in verschiedenen handwerklichen Berufen geschaffen werden. Zudem seien Ateliers und Kunstprojekte geplant. Die landwirtschaftlichen Flächen würden auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Geplant sei zudem, die Häuser und Wohnungen unter Einbeziehung der bisherigen Mieter instand zu setzen. epd

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken
Jüdische Allgemeine ePaper
Die Wochenzeitung als ePaper
Cover der Jüdische Allgemeinen vom 11.10.2018

Ausgabe Nr. 41
vom 11.10.2018

Zum Angebot

Fotostrecken

70 Jahre Israel

In diesem Jahr feiert Israel seinen 70. Geburtstag. Am 5. Ijar 5708, dem 14. Mai 1948, wurde der jüdische Staat gegründet.

5. Ijar 5708/14. Mai 1948

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Herbst
Berlin
12°C
heiter
Frankfurt
16°C
wolkig
Tel Aviv
25°C
regenschauer
New York
17°C
wolkig
Zitat der Woche
»Leider zwischenzeitlich mal Nazi gewesen«
Die Schriftstellerin Helene Hegemann lobt in der FAS Knut Hamsun.