Wuligers Woche

Mit Trump an der Börse

Mein missglücktes Iran-Geschäft

Aktualisiert am 17.05.2018, 17:33 – von Michael WuligerMichael Wuliger

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Kaufen, wenn die Kanonen donnern!«, lautet eine dem Bankier Carl Mayer von Rothschild (1788–1855) zugeschriebene Börsenweisheit. Gedonnert haben vergangenen Dienstag, als Donald Trump den Ausstieg aus dem Iran-Atomabkommen verkündete, zwar nicht die Kanonen, sondern nur die deutschen Leitartikler. Aber ein günstiger Zeitpunkt für eine gewinnbringende Börsenspekulation schien mir das Datum schon.

Meine Überlegung war einfach: Wenn die USA den Atomdeal aufkündigen und Sanktionen gegen den Iran verhängen, werden davon auch deutsche Firmen betroffen sein, die mit der Mullah-Republik Geschäfte machen. Siemens zum Beispiel. Der Technologiekonzern liefert unter anderem Gasturbinen an Teheran und hat im Jahr 2017 rund 170 Millionen Euro Sonderertrag aus seinen Iran-Aktivitäten verbucht.

Zauberwort Die Siemens-Aktie, so mein Kalkül, würde durch Trumps Entscheidung an Wert einbüßen, vielleicht sogar in den Keller rutschen. Man müsste also nur rechtzeitig auf einen fallenden Kurs des Papiers wetten, um schnelle Kohle zu machen. Wie das geht, hatte ich mal irgendwo gelesen. »Leerverkauf« lautet das Zauberwort.

Man leiht sich Aktien, verkauft sie zum aktuellen Börsenkurs und kauft sie zum Rückgabetermin bei gefallenem Wert dann billiger ein. Siemens stand vergangenen Dienstag bei rund 110 Euro. Würde ich Aktien des Konzerns leihen, zu diesem Kurs sofort verkaufen und bei einem Kurseinbruch von fünf Prozent am nächsten Tag zurückkaufen, könnte ich eine nette kleine Summe einstreichen.

Es gab dabei nur ein Risiko: Donald Trump gilt bekanntlich als äußerst sprunghaft. Vielleicht würde er doch nicht aus dem Vertrag aussteigen. Möglicherweise hatten ihn Emmanuel Macron und Angela Merkel überzeugt, vorerst bei der Stange zu bleiben. Und weil ich, wenn es um Geld geht, feige bin – auf Bankerdeutsch ein »konservativer Anleger« –, ließ ich den Leerverkauf lieber sein. Trump stieg am Abend dann aber doch, wie erwartet, aus dem Atom-Abkommen aus, und ich verfluchte meine Risikoscheu. Im Kopf rechnete ich durch, was mir wegen meines mangelnden Muts an Gewinn entgangen war. Der Tag war versaut.

Weltpolitik Um mich noch weiter selbst zu quälen, schaute ich Mittwoch nach Börsenbeginn gleich nach der Siemens-Aktie. Die war aber nicht gefallen. Im Gegenteil: Sie stieg. Zu Börsenschluss Dienstag hatte Siemens mit 110,36 Euro notiert, bei Börsenschluss Mittwoch lag die Aktie bei 115,36 Euro, eine Steigerung von mehr als vier Prozent. Der Zusammenhang zwischen Weltpolitik und Wertpapieren war offenbar doch komplizierter, als ich gedacht hatte.

Ein Glück, dass ich ein Feigling bin. Ich hätte reichlich Geld verloren. Spekulationen an der Börse überlasse ich in Zukunft Leuten, die davon etwas verstehen. Mein Erspartes bleibt auf dem Sparbuch. Und statt an Rothschild halte ich mich lieber an den amerikanischen Börsenkönig Bernard Baruch (1870–1965): »Der wesentliche Zweck der Börse ist es, möglichst viele Leute dumm aussehen zu lassen.«

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