Ravensbrück

Auf der Suche nach Stella

KZ-Gedenkstätte erhält umfangreiche Sammlung von Dokumenten einer Überlebenden

28.07.2017

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück hat eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten einer Überlebenden des größten Frauen-Konzentrationslagers der Nazis erhalten. Die persönlichen Unterlagen der 77-jährigen Stella Nikiforova wurden am Donnerstag an die Gedenkstätte übergeben, teilte die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in Oranienburg mit. Die Gedenkstätte Ravensbrück verfüge inzwischen über 206 solcher Sammlungen von Zeitzeugen.

Stella Nikiforova wurde am 29. Juli 1939 als Tochter der spanischen Juden Louis Gustav und Rosa Kugelmann in Antwerpen geboren und war als Kind mit ihrer Mutter in Ravensbrück inhaftiert. Ihre Mutter kam dort ums Leben.

originalbriefe Die Unterlagen dokumentieren das Schicksal der Familie Kugelmann, hieß es. Darunter seien auch in Ravensbrück verfasste Originalbriefe der vermutlich an Typhus gestorbenen Mutter. Rund 2000 weitere Briefe dokumentierten unter anderem die Suche nach der verlorenen Stella in der Nachkriegszeit. Die umfangreiche Korrespondenz mit etwa 30 ehemaligen Häftlingen sei der Erinnerung an Ravensbrück und anderen Kriegserlebnissen gewidmet.

Die Unterlagen von Stella Nikiforova seien ein sozialgeschichtlich ausgesprochen wertvoller Quellenbestand, betonte Gedenkstättenleiterin Insa Eschebach: »Die Dokumente werden der künftigen Forschung zum Ravensbrück-Gedächtnis in Osteuropa zugutekommen.« Mit dem Schwinden der Generation der Zeitzeugen würden nun immer mehr Nachlässe ehemaliger Häftlinge in die Sammlung der Gedenkstätten gelangen.

befreiung Stella Nikiforova, deren Eltern nach dem Spanischen Bürgerkrieg in Belgien Zuflucht gefunden hatten, wurde 1943 im Alter von vier Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter nach Ravensbrück deportiert. Nach dem Tod der Mutter kümmerten sich andere Häftlingsfrauen um das Kind. Nach der Befreiung 1945 gelangte das Mädchen über Polen in die Sowjetunion und lebte dort zehn Jahre in einem Kinderheim.

Durch Kontakte zu anderen Ravensbrückerinnen fand sie in den 60er-Jahren ihren Vater wieder, der ebenfalls von den Nazis inhaftiert und in das KZ Buchenwald verschleppt worden war und nach der Befreiung nach Brasilien ging. 1963 konnte sie ihn 20 Jahre nach ihrer Deportation nach Ravensbrück wiedersehen. Stella Nikiforova lebt heute in St. Petersburg.

Im Frauen-KZ Ravensbrück waren zwischen 1939 und 1945 mehr als 130.000 Frauen und Kinder und rund 20.000 Männer inhaftiert. Zehntausende wurden von den Nazis ermordet oder kamen auf andere Weise ums Leben. epd

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken
Jüdische Allgemeine ePaper
Die Wochenzeitung als ePaper
Cover der Jüdische Allgemeinen vom 08.11.2018

Ausgabe Nr. 45
vom 08.11.2018

Zum Angebot

Fotostrecken

70 Jahre Israel

In diesem Jahr feiert Israel seinen 70. Geburtstag. Am 5. Ijar 5708, dem 14. Mai 1948, wurde der jüdische Staat gegründet.

5. Ijar 5708/14. Mai 1948

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Herbst
Berlin
10°C
regenschauer
Frankfurt
12°C
regenschauer
Tel Aviv
17°C
wolkig
New York
7°C
regenschauer
Zitat der Woche
»So wie Neurologen Reflexe testen mit ihrem Hämmerchen,
schlagen manche sofort mit dem Knie aus,
wenn die israelische Politik kritisch behandelt wird.«
Knut Cordsen, Moderator des Bayerischen Rundfunks, im Gespräch
mit dem umstrittenen Karikaturisten Dieter Hanitzsch