Meinung

Flagge zeigen

In einem Fußballstadion wurde eine Israelfahne nicht geduldet. Aber sie gehört in den öffentlichen Raum

30.04.2015 – von Martin KraussMartin Krauss

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Flaggen sind politische Symbole. Dieser Gedanke war es, der Ordner und Polizei bei einem Fußballzweitligaspiel des FC Union Berlin gegen den FC Ingolstadt dazu brachte, die blau-weiße Fahne mit dem Davidstern abzuhängen. Politik, heißt es immer, habe ja im Fußballstadion nichts verloren. Dass dort auch rote Flaggen mit Halbmond und Stern geschwenkt werden, stört niemanden. Mit der türkischen Flagge sollen türkische Spieler ebenso unterstützt werden wie mit der israelischen ein israelischer Profi. Dagegen ist nichts zu sagen, und auch Schwarz-Rot-Gold ist bekanntlich ein politisches Symbol.

entschuldigung Bedeutsam ist, was diese Flaggen symbolisieren. Die israelische steht zunächst einmal dafür, dass es einen jüdischen Staat gibt, und dass derjenige, der die Fahne zeigt, Sympathie für das Land – zumindest für einen seiner Fußballer – empfindet. Solche eher selbstverständlichen Gefühle sind auch der hiesigen Politik bewusst. Nachdem ein Polizist bei Union Berlin die Israelfahne abhängen ließ, reagierten Polizeipräsident, Innensenator und Vereinsführung sympathisch schnell und entschuldigten sich.

Bleibt die Frage, warum ausgerechnet die israelische Flagge hierzulande so viele Aggressionen auslöst. Die Flagge mit dem Davidstern bewirkt offensichtlich etwas, das keine grüne Hamasfahne und keine gelbe Hisbollahflagge jemals ausgelöst hat. Wenn eine propalästinensische Demonstration durch deutsche Straßen zieht, kann es schon einmal vorkommen, dass eine in einem Fenster hängende Israelflagge von der Polizei abgenommen wird. Man wolle ja niemanden provozieren, lautet dann die Begründung. Gerne wird mit einem nicht ganz rassismusfreien Unterton nachgeschoben, dass protestierende Araber ja besonders empfindlich seien.

antworten Dieser Flaggenstreit, der den Fußball erreicht hat, zeigt: Antiisraelische Aversionen haben nicht nur mit arabischer Bevölkerung zu tun, sondern im konkreten Fall waren es deutsche Polizisten und Stadionordner, die die Flagge nicht wollten. Zum anderen bewirkt eine defensive, die Fahne nicht zeigende Reaktion nur das Gegenteil.

Besser wäre die ehrliche Antwort: Israel – und auch ein israelischer Fußballspieler – verdient Unterstützung. Und wer immer noch meint, Staatsflaggen müssten weg, weil sie politisch sind, der sollte erst einmal die Toleranz gegenüber Reichskriegsflaggen beenden. Die gibt es in fast jedem deutschen Fußballstadion.

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken
Jüdische Allgemeine ePaper
Die Wochenzeitung als ePaper
Cover der Jüdische Allgemeinen vom 17.05.2018

Ausgabe Nr. 20
vom 17.05.2018

Zum Angebot

Fotostrecken

70 Jahre Israel

In diesem Jahr feiert Israel seinen 70. Geburtstag. Am 5. Ijar 5708, dem 14. Mai 1948, wurde der jüdische Staat gegründet.

5. Ijar 5708/14. Mai 1948

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Frühling
Berlin
25°C
heiter
Frankfurt
24°C
regenschauer
Tel Aviv
30°C
wolkig
New York
16°C
heiter
Zitat der Woche
»Grass hatte recht«
Jakob Augstein begründet auf Spiegel Online, warum »es möglicherweise
eine gute Idee ist«, wenn der Iran über die Atombombe verfügte.