ausstellungen

Wortführer

Im Literaturblatt des Orients war 1844 zu lesen, dass der »Geschichtsschreiber, welcher die Kulturgeschichte der Juden des 19. Jahrhunderts schreibt«, ein besonderes Kapitel einem Berufsfeld einräumen müsse: dem Journalismus. Vielleicht übte dieser, vor allem das Feuilleton, deshalb bis 1933 eine sehr starke und ebenso stark erwiderte Anziehung auf jüdische Intellektuelle aus, von Heinrich Heine und Ludwig Börne bis zu Karl Kraus und Kurt Tucholsky, weil er gesellschaftlich offener war, weil der Antisemitismus dort überwindbarer erschien, weil die professionellen Barrieren nicht derart starr waren.

verleger Ähnliches galt für das Zeitungsverlagswesen, das in Deutschland von Juden wie Leopold Ullstein und Rudolf Mosse geprägt wurde. Und von Leopold Sonnemann. Ihm widmet das Historische Museum der Mainstadt jetzt eine materialreiche Schau. Geboren 1831 im unterfränkischen Höchberg als Sohn eines Tuchhändlers, der 1850 das Frankfurter Bürgerrecht erhielt, wurde Sonnemann als Bankier sehr reich durch nordamerikanische Eisenbahnaktien. In den 1850er-Jahren wechselte er dann das Betätigungsfeld und ging in die Publizistik. Seine erste Zeitung, die Frankfurter Handelszeitung, gründete er 1856. Es folgten weitere Blätter, die alle einem demokratischen Geist verpflichtet waren. Und überwiegend keinerlei Gewinn abwarfen. Wie vor allem die 1859 gegründete Neue Frankfurter Zeitung mit ihrem strikten Anti-Bismarck-Kurs, weshalb sie Ende Oktober 1866, nach der Annexion der Freien Reichsstadt durch Preußen, neu gegründet werden musste, wobei das »neu« im Titel entfiel. Als Frankfurter Zeitung wurde sie zu einem der renommiertesten deutschen Blätter.
Leopold Sonnemann war vieles. Er selbst hätte wohl in der Reihung »Jude« an vorletzter, vielleicht gar erst an letzter Stelle aufgeführt. Früh hatte er sich von der Orthodoxie seines Elternhauses gelöst. Wichtiger war ihm anderes: demokratische Politik, erst als Stadtverordneter, dann als Reichstagsabgeordneter, als Verleger und schließlich als Mäzen. Mit seinen großzügigen Spenden prägte Sonnemann, der, als er 1909 starb, zu den 150 wohlhabendsten Frankfurtern zählte, seine Stadt nachhaltig: von der Gründung des Palmengartens bis zum sozialen Wohnungsbau, von Museen wie dem Städel oder dem Historischen und dem Kunstgewerbemuseum bis zur Finanzierung von Badeanstalten.
Für die Ausstellung ist Zeit angeraten. Sehr viel Zeit, um sich in der Überfülle von rund 600 Exponaten, vom Flugblatt über Zeitungen, Gemälden bis zu Geschäftskladden, Büchern und Skulpturen, orientieren zu können. Die Ausstellungsarchitektur ist konzentrisch angelegt. Der äußere Ring zeigt, vor preußischblauem Hintergrund, die politische Geschichte Frankfurts und technische Innovationen des 19. Jahrhunderts: Fernschreiber, Telefon, Elektrizität. Im innersten Kreis sind erstmals öffentlich mehrere kleine Tagebücher Sonnemanns ausgestellt. Sonst gibt es wenige persönliche Memorabilia. Von Sonnemanns im Frankfurter Stadtmuseum deponiertem Nachlass hat nichts den Zweiten Weltkrieg überstanden.

autoren Eine so schön wie konzentriert gestaltete Ergänzung zu dieser Schau bildet die Studioausstellung Von Börne zu Reich-Ranicki. Juden und Publizistik in Frankfurt auf dem Weg in die Moderne im Museum Judengasse. Sie wirft allerdings fast mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Das fängt schon mit der Auswahl Frankfurter jüdischer Publizisten an. Viele Namen sieht man zur Begrüßung: Ludwig Marcuse, Abraham Geiger, Stefanie Zweig, Arno Lustiger, Bernhard Guttmann, Leopold Schwarzschild. Ausgewählt wurden neun. Darunter Ludwig Börne, Siegfried Kracauer und Marcel Reich-Ranicki. Doch Börne war Konvertit. Und Kracauer mokierte sich spöttisch über den Mystizismus von Gershom Scholem und Franz Rosenzweig. Schön, dass Martha Wertheimer gewürdigt wird. Und auch die Buchverleger Joseph Rütten und Carl Friedrich Loening. Aber was hat ein Daniel Cohn-Bendit, der schon immer jüdische Tradition im Wortsinn links liegen gelassen hat, in der Riege der Porträtierten zu suchen? Der publizistische Lebensanteil von »Dany le Rouge« ist trotz seines Stadtmagazins Pflaster-strand und diverser Fernsehmoderationen jener, der am federleichtesten in seiner Biografie wiegt. Vielleicht dachten die Kuratorinnen Heike Drummer und Jutta Zwilling da an das Börne-Zitat: »Aber wenn ich darum zurückgesetzt werde, weil ich ein Jude bin, was bleibt mir dann übrig, als mit Wort und Schwert das graue Vorurteil zu vernichten und meine Rettung in meinem Mute zu suchen?«

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

USA

Müssen US-Unis Informationen über jüdische Mitarbeiter herausgeben?

Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

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