Darfur

»Wir wollen an das Gewissen appellieren«

Herr Blumenthal, im Jüdischen Museum in Berlin beginnt jetzt eine »Darfur-Woche«. Wie sind Sie darauf gekommen, dem Völkermord im Sudan eine ganze Reihe von Veranstaltungen zu widmen?
blumenthal: Weil das Thema so wichtig ist. Und weil wir sehr daran interessiert sind, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die furchtbare Situation in Afrika zu lenken. In Darfur werden Minderheiten unterdrückt und verfolgt, unschuldige Menschen vertrieben und getötet. Wie bei anderen Konflikten dieser Art tut die Welt nicht genug, um diese Tragödie zu verhindern. Wir wollen durch die Darfur-Woche an das Gewissen aller appellieren, sich mit den dramatischen Zuständen im Westsudan zu beschäftigen (vgl. S. 2).

Es heißt, Sie hätten großes persönliches Interesse an dem Thema.
blumenthal: Das stimmt. Wie viele andere Juden bin ich durch die Erfahrungen in meiner Kindheit geprägt. Ich werde nie vergessen, dass wir verfolgt wurden, alles zurücklassen mussten und immer in Lebensgefahr schwebten. Und ich werde nicht vergessen, dass die Welt das alles mit Worten des Bedauerns zur Kenntnis nahm, aber ansonsten nichts getan hat. Wenn ich heute derartiges Unrecht sehe, egal wo auf der Welt, dann erinnere ich mich an ein Versprechen, das ich mir selbst gab: Nicht still bleiben.

Ist ein Genozid wie der in Afrika auch eine »jüdische Angelegenheit«?
blumenthal: Ich glaube, wir Juden haben sicherlich ein besonderes Gefühl, eine besondere Sensibilität dafür. Unsere Geschichte besteht ja aus so vielen Perioden der Verfolgung. Deshalb liegt es auf der Hand, dass wir uns dafür besonders interessieren sollten. Und wir sollten uns einsetzen, dass anderen nicht Ähnliches widerfährt.

In den USA organisieren jüdische Gruppen schon seit Langem immer wieder Aktionen, um auf das Sterben in Darfur hinzuweisen. Warum ist die Aufmerksamkeit in Europa und Deutschland so gering?
blumenthal: Ich weiß es auch nicht. Genau das ist der Grund, warum wir uns entschlossen haben, eine Darfur-Woche zu organisieren. Im Moment ist die Resonanz zum Beispiel der Fernsehanstalten eher gering. Furchtbare Sache, aber die Menschen interessiert das nicht, heißt es zur Begründung. Das enttäuscht mich. Wenn das wirklich in Deutschland so ist, dann sieht man schon an dem Beispiel, wie notwendig diese Woche ist.

Mit dem Direktor des Jüdischen Museums
in Berlin sprach Christian Böhme.

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