Interview

»Wir sind für alle Soldaten da«

Militärrabbiner Shlomo Afanasev Foto: Bundeswehr/Anne Weinrich

Interview

»Wir sind für alle Soldaten da«

Shlomo Afanasev ist Brandenburgs erster orthodoxer Militärrabbiner. Am Dienstag wurde er offiziell ordiniert

von Helmut Kuhn  29.10.2025 12:42 Uhr

De facto ist er bereits seit Juni 2024 in Berlin und Brandenburg als Militärrabbiner tätig, jetzt folgte am Dienstag die feierliche Ordinierung im Operativen Führungskommando der Bundeswehr in Schwielowsee: Dort erhielt Rabbiner Shlomo Afanasev seinen Tallit und den Segen der Orthodoxen Rabbinerkonferenz. Die religiöse Einführung nahm Militärbundesrabbiner Zsolt Balla vor.

»Wir haben drei Kernaufgaben. Wir kümmern uns um jüdische Soldaten und alles, was mit dem Judentum verbunden ist, also Feiertage, koscheres Essen, was auch immer im Alltag vorkommen könnte. Aber grundsätzlich sind wir für alle Soldaten da«, erklärt Shlomo Afanasev.

Hinzu komme der für alle Soldaten verbindliche »Lebenskundliche Unterricht«, den in der Regel Militärseelsorger gestalten. »Die Inhalte sind nicht religionsverbunden. Es sind neutrale Schwerpunkte wie demokratische Werte, Toleranz, Tod und Verwundung oder Verantwortung«, so Afanasev. 

Der dritte Bereich umfasst Auslandseinsätze. Im Frühjahr 2024 war Rabbiner Konstantin Pal bereits als Teil der »Standing NATO Mine Countermeasures Group 1« im Einsatz. Drei Monate betreute er den deutschen Verband an Bord des Tenders »Donau« im Nordatlantik, in der Nord- und Ostsee. Es war der erste Einsatz eines deutschen Militärrabbiners seit dem Ersten Weltkrieg. Auch Afanasev wird ab nächstem Jahr Soldaten bei Auslandseinsätzen begleiten. »Ich werde drei oder vier Monate voraussichtlich im Kosovo dabei sein«, sagt der Rabbiner.  

Weitere Aufgaben der Militärrabbiner sind offizielle Anlässe wie Gelöbnisse, Kommandoübergaben, Gedenkveranstaltungen oder Sommerfeste. Die jüdischen Seelsorger sind viel beschäftigt, seit im Juni 2021 Zsolt Balla als Militärbundesrabbiner in sein Amt eingeführt wurde, als erster in der Geschichte der Bundeswehr. Dann kamen fünf Außenstellen hinzu, zuletzt in Köln. Zehn sollen es insgesamt einmal werden, an jedem Standort ist jeweils ein orthodoxer und ein liberaler Rabbiner vorgesehen.

Shlomo Afanasev ist jetzt der erste orthodoxe Rabbiner der Truppe in Brandenburg. Sein Standort ist Schwielowsee. Von dort aus ist er zuständig für 27 Liegenschaften der Bundeswehr. »Am Anfang war es ein bisschen alles neu. Eine Welt für sich. Aber es ist wirklich sehr angenehm, so transparent und klar. Das gefällt mir sehr«, sagt der Rabbiner, der 1981 in Taschkent geboren wurde und dort einen Hochschulabschluss in Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschaftsprüfung absolvierte.

Von 2005 bis 2010 studierte er an der Talmudschule Yeshivas Beis Zion in Berlin, dem Midrasch Shmuel Talmudic College in Jerusalem und dem Rabbinerseminar zu Berlin. Von 2012 bis 2020 führte er Halacha-Studien am Community College in Berlin durch und war bis 2021 als Dozent für Halacha und Talmud am Rabbinerseminar zu Berlin tätig.

Shlomo Afansev ist verheiratet und lebt in Berlin. Privat entwickelte er unter anderem eine App zur Erkennung koscherer Lebensmittel. »Man geht in ein Geschäft, scannt einen Barcode ein und wird dann informiert, ob das Produkt schon geprüft wurde.« Falls dies noch nicht geschehen sei, könne man ihm über die App Bilder mit Zutaten und Informationen schicken. »Und wenn ich Zeit habe, bewerte ich die Produkte, dann bekommt man auch eine entsprechende Meldung.«

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026