EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 55 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Darmstadt

»Wir bleiben«

von Elke Wittich

Der 9. November ist nicht nur der Tag, an dem der zerstörten Synagogen gedacht wird. In manchen Städten mischt sich an diesem Tag auch Freude in die Trauer, weil der 9. November auch für die Einweihung neuer Synagogen steht. Zu den ersten Gemeinden, die dieses Datum auswählten, um ihr Gotteshaus einzuweihen, gehörte Darmstadt.
Die Jüdische Gemeinde Darmstadt gedenkt in diesem Jahr am 9. November nicht nur ihrer vor 70 Jahren zerstörten Synagoge, sondern feiert auch das 20-jährige Bestehen ihres Gotteshauses. »Das Datum für die Einweihung haben wir damals bewusst gewählt«, sagt Moritz Neumann, vor 20 Jahren bereits im Vorstand und heute Vorsitzender der jüdischen Gemeinde. 50 Jahre nach der Reichspogromnacht, habe man deutlich machen wollen, »dass der 9. November 1938 kein finaler Punkt war und dass es im Judentum immer wieder auch eine Zukunft gibt«.
Der Entschluss der mit 120 Mitgliedern kleinen hessischen Gemeinde, eine neue Synagoge zu bauen, war bereits etwas Besonderes gewesen. Die wenigen neuen Gotteshäuser, die nach dem Krieg in Hessen gebaut wurden, waren klein, unauffällig und eher versteckt gelegen. Der Plan für den Neubau sah ein herausstechendes Bauwerk mit bunten Glasfenstern vor.
Der Neubau sollte »vor der Öffentlichkeit erklären, dass wir bleiben möchten«. Ein Passus in der Gemeindesatzung, in der es um die Verpflichtung ging, ausreisewillige Mitglieder zu unterstützen, sei 1986 im Zuge der Synagogen-Planung gestrichen worden, erklärt Neumann.
Damit mussten die Darmstädter viel Kritik einstecken. Vor allem von jüdischer Seite: »Man warf uns vor, wir würden mit der Einweihung unserer Synagoge den Gedenktag verwässern«, sagt Neumann, »mittlerweile ist man unserem Beispiel und unserer Argumentation allerdings schon mehrfach gefolgt.« Dresden 2001, München 2006 und jetzt Lörrach entschieden sich ebenfalls, am 9. November neue jüdische Gotteshäuser zu eröffnen.
Ein weiterer Kritikpunkt, der 1988 besonders von großen Gemeinden geäußert wurde, waren die Zweifel daran, ob die kleine Gemeinde ihre Synagoge werde unterhalten können. Die wurden allerdings bereits ein Jahr später zerstreut, als der Fall der Berliner Mauer das Ende der Sowjetunion und den Beginn der Zuwanderung markierten.
Mittlerweile hat die Darmstädter Gemeinde mehr als 700 Mitglieder. Und bald auch einen Ort, an dem sie am 9. November ihrer zerstörten Synagoge gedenken kann: Bei Ausschachtungsarbeiten wurden die Fundamente des liberalen Gotteshauses gefunden, die derzeit konserviert werden. Im Frühjahr wird die Gedenkstätte fertiggestellt sein. 50 Juden, die vor den Nazis aus Darmstadt fliehen mussten, werden zu den Ersten gehören, die diese Fundamente zu Gesicht bekommen. Sie wurden von der Stadt zum 70. Jahrestag der Synagogenzerstörung eingeladen.

Regierungsbildung

Berliner Linke berät erneut über Vanessa Emde

Kurz vor dem geplanten Beginn von Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD diskutiert die Berliner Linke über Antisemitismus - einmal mehr

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026