Düsseldorf

Willkommen im Wunderkindlabor

Die Klänge des Deep-Purple-Klassikers »Smoke on the water« hallen durch den Düsseldorfer Leo-Baeck-Saal. Grigori greift in die Seiten der E-Gitarre, Daniel stimmt mit dem E-Bass ein. Esther bearbeitet im Hintergrund kraftvoll das Schlagzeug, und Simon lässt das Saxofon tönen. Was die jungen Musiker – alle sind um die zwölf Jahre alt – da zu Gehör bringen, klingt überraschend melodisch und abgestimmt. Zumindest für eine Band, die erst seit drei Wochen ›unter Leitung von Vera Kloß‹ miteinander übt und noch nicht mal einen eigenen Namen hat.
Die jungen Talente haben alle bereits Musikkurse besucht und sich nun auf Initiative der jüdischen Kulturakademie zu ei-
ner Jugendband zusammengefunden. Am Sonntag bestritten sie den Auftakt zum großen zweistündigen Eröffnungskonzert im Gemeindezentrum in der nordrhein-westfälischen Landeshaupstadt, mit dem die Akademie das neue Semester eröffnete. 250 Gäste verfolgten das quirlige Treiben.
Die mehr als 20 Dozenten der Akademie bieten seit eineinhalb Jahren Kurse für Vorschulkinder, Grundschüler, Jugendliche aber auch Erwachsene an. Der Schwerpunkt liegt auf Tanz, Musik und Theater. Aber auch Sprachen, Mathe-Nachhilfe und Rhetorik sind im Angebot. Rund 150 junge und ältere Teilnehmer nutzen es. Durch eine finanzielle Förderung seitens der Gemeinde kostet die Kursstunde jeden von ihnen vier, beziehungsweise drei Euro Gebühr. Ein günstiger Preis.
Angefangen hat alles mit Tanzkursen für Kinder, die die Musiklehrerin und Choreografin Inna Umanska schon vor zehn Jahren anbot und die immer beliebter wurden. Heute leitet sie die Akademie. »Gerade Tanz ist eine gute Methode, um mit Kindern zu arbeiten, die verschiedene Spra-
chen sprechen«, sagt die Leiterin – Integration durch rhythmische Bewegung.
Die Akademie setzt schon bei den Jüngs-
ten an. Bei einigen Kursen wie der musikalischen Früherziehung oder Russisch be-
ginnt das Einstiegsalter bei drei Jahren. Die Gesangs-Showband »Zrihat haschemesch« studiert mit Vierjährigen kleine Choreografien und Songs ein. Besonders beliebt – möglicherweise auch wegen des klingenden Namens – ist das »Wunderkindlabor«. Hier sollen Grund- und Vorschulkinder spielerisch Wissenschaft erfahren, zum Beispiel chemische Experimente sehen oder selbst ein Lexikon erstellen. Auch Ausflüge, etwa ins Aquarium oder Planetarium, stehen auf dem Programm.
Für Grundschüler gibt es neben Tanz und Gesang vor allem Kurse zur Sprachförderung in Deutsch, Englisch oder Russisch. Die älteren finden hier auch Hilfe in Französisch, englischer Konversation, Mathe matik oder Chemie. Sie haben auch die Möglichkeit, ein Instrument zu lernen – von der Blockflöte bis zum Keyboard oder Schlagzeug. Und wenn sie Lust haben, zu Rock- und Popklängen eine Choreografie einzustudieren, werden sie von den Akademie-Dozenten unterstützt. Motto des Kurses: »Tanzen wie die Stars im TV«. Erwachsene können sich derweil in Yoga, Aerobic und lateinamerikanischen Tänzen üben. Die Kurse finden in der Woche nachmittags bis abends und sonntags vormittags in den Räumen der Yitzhak-Rabin-Schule statt.
Eng ist auch die Verbindung mit dem Jugendzentrum der Gemeinde, Kadima. Sonntags können die Akademie-Kinder dort an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen, Kochrezepte ausprobieren oder Filme drehen. Zur Zeit suchen Kadima und Akademie Interessenten für die Teilnahme an der nächsten Jerovision, dem Songcontest der Jugendzentren. Die Proben für den Düsseldorfer Beitrag zur größten jüdischen Jugendveranstaltung des Jahres sollen demnächst anlaufen.
In den nächsten Monaten wird sich Inna Umanska auf die Suche nach Sponsoren machen. Denn die Gemeinde ist zwar sehr zufrieden mit dem Angebot der Akademie, hat ihre Förderung jedoch zunächst auf zwei Jahre beschränkt. »Unser Ziel ist, dass sich die Akademie durch ihre Einnahmen trägt«, sagt die Leiterin.
Ab sofort können sich Interessierte für die neuen Kurse anmelden. Informationen gibt es in der Düsseldorfer Gemeinde, Telefon: 0211/4691257. Jan Popp-Sewing

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Einmal Gastro, immer Gastro

von Margalit Edelstein  14.10.2026

7. Oktober

Steinmeier: Antisemitische Hetze unerträglich aufgeflammt

Der schlimmste Anschlag auf Jüdinnen und Juden seit der Schoa: Der Bundespräsident verurteilt den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Und blickt auch auf die Lage im Gazastreifen

 08.10.2026

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026