Immobilienmarkt

Vor dem Boom

von Ralf Balke

»Der israelische Markt für Immobilien hat seine ganz eigenen Gesetze«, sagt Stuart Herschkowitz. Er muß es wissen, als stellvertretender Generaldirektor der Bank of Jerusalem, einer der größten Hypothekenbanken in Israel. »Neue Luxusimmobilien verkaufen sich unabhängig von der wirtschaftlichen Situation quasi wie von selbst.« Dank des starken Euros oder britischen Pfunds treten dabei immer häufiger Ausländer als Abnehmer von Objekten in der Größenordnung von einer Million Dollar und mehr auf. Rund 2.000 Wohnungen fanden im Jahr 2004 einen nicht-israelischen Käufer, 2005 waren es bereits einige hundert mehr. Insbesondere französische Juden wollen sich angesichts antisemitischer Übergriffe in Frankreich ein zweites Zuhause in Netanya, Eilat oder Jerusalem schaffen. So gingen mehr als 100 der rund 250 Einheiten in dem neuen 34-stöckigen Neveh Zedek Tower im Süden Tel Avivs an Franzosen – zu Preisen ab 515.000 Dollar. Ausländische Investitionen in israelische Immobilien erreichten 2005 die Rekordsumme von 1,8 Milliarden Dollar und sorgten mit dafür, daß laut Steuerbehörden beim Umsatz mit verkauftem Wohneigentum ein Plus von 13 Prozent erzielt wurde.
Zwar mag angesichts solcher Zahlen bei den Anbietern von Nobelwohnungen Champagnerlaune herrschen, der Rest des Immobilienmarktes verharrt aber trotz des Wirtschaftsaufschwungs noch in Wartestellung. Denn selbst das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im vergangenen Jahr von 5,2 Prozent hat bisher noch nicht dafür gesorgt, daß die Israelis ihre Zurückhaltung beim Wohnungskauf aufgeben. Und das, obwohl die eigenen vier Wände so günstig zu haben sind wie schon lange nicht mehr. So kostete beispielsweise 2005 ein Apartment in Tel Aviv durchschnittlich 20 bis 25 Prozent weniger als noch vor knapp zehn Jahren. Die Gesamtzahl der verkauften Neubauwohnungen 2005 legte landesweit im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,2 Prozent auf 12.372 Einheiten zu.
Doch die lahmen Zeiten scheinen wohl bald vorbei, zumindest in der Küstenregion und in Jerusalem. Ein deutliches Indiz dafür sind die in den vergangenen Monaten rasant gestiegenen Preise bei Neuvermietungen. Für renovierte Vierzimmerwohnungen können Vermieter je nach Lage in Tel Aviv locker wieder monatlich 1.500 Dollar und mehr verlangen. Solche Mieten waren in den Jahren der Rezession nach Ausbruch der 2. Intifada nur schwer zu erzielen. Zudem ist die Nachfrage für Wohnungen des gehobenen Standards im Norden und im Zentrum der Stadt zurzeit weit größer als das Angebot.
Diese Entwicklung könnte viele Israelis motivieren, verstärkt in Wohneigentum zu investieren. Zum einen, um den horrenden Mieten zu entgehen, zum anderen, um als Vermieter ordentlich Gewinne einstreichen zu können. »Es ist unwahrscheinlich, sich vorzustellen, daß es mit Israels Konjunktur weiter rapide aufwärts geht, die Immobilienwirtschaft davon aber ausgeschlossen bleiben wird«, urteilte Israels Wirtschaftsblatt Globes. Und die Tageszeitung Haaretz fragte jüngst: »Was wissen ausländische Investoren über Tel Aviv, was israelische nicht wissen?« Denn oft sind es Ausländer, die Trends setzen und das Potential israelischer Immobilien erkennen.
Während Israelis sich gerne in der Peripherie eine Bleibe suchen und beispielsweise in Ramat Aviv Gimmel oder Schikkun Lamed eine Wohnung kaufen, finden ausländische Immobilienkäufer diese Neubausiedlungen ziemlich öde. Sie zieht es nicht selten sogar in die lange vernachlässigten Viertel im Süden Tel Avivs.
»Der Kaufpreispreis für eine Wohnung im Stadtteil Florentine kann bei nur 900 Dollar pro Quadratmeter liegen«, so Janiv Rozio von der Immobilienfirma Rozio Real Estate. »Dazu addieren sich dann Sanierungskosten von 1.000 bis 1.500 Dollar pro Quadratmeter.« Dafür erhält der Kunde ein einzigartiges Objekt mit Charakter und Wertzuwachschancen, die es in den Vorstädten nicht gibt. »Urbane Erneuerung steckt in Israel noch in den Windeln, ausländische Käufer sind mit diesem Thema bestens vertraut«, erklärt Rozio. So gingen Wohnungen in einem topsanierten Altbau selbst unweit der lauten Allenby-Straße für 270.000 bis 670.000 Dollar an zumeist ausländische Interessenten. Der Kommentar des Immobilienexperten: »Wer hätte sich vor zwei Jahren sich vorstellen können, daß in diesem Teil der Stadt solche Preise erzielt werden können? Das hat eine Sogwirkung auf die gesamte Nachbarschaft.«

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026