Charlotte Knobloch

»Viele schweigen«

Frau Knobloch, waren Sie mit den Reaktionen der deutschen Öffentlichkeit nach dem Anschlag auf einen jüdischen Kindergarten in Berlin zufrieden?
knobloch: Hier geht es nicht um meine Zufriedenheit. Vielmehr müssen wir – und damit meine ich die gesamte Gesellschaft – uns darüber klar werden, was ein solcher Angriff über den Zustand eines Landes aussagt. Im konkreten Fall sind die öffentlichen Reaktionen sparsam, ja zurückhaltend gekommen. Ich sehe die Gefahr, dass jene, die die Tat begangen haben, sich durch dieses Schweigen bestätigt fühlen.

Die Solidaritätsbekundungen aus der Politik kamen erst Tage nach dem Anschlag.
knobloch: Es ist nicht effektiv, wenn wir jetzt über Reaktionszeiten debattieren. Das Toleranz- und Solidaritätsgebet (vgl. S. 17), an dem am vergangenen Donnerstag unter anderem Bundesinnenminister Schäuble und Berlins Innensenator Körting teilgenommen haben, ist ein wichtiges Zeichen gewesen. Klar ist jedoch auch, dass deswegen kein Neonazi seine Gesinnung ablegen wird. Hier müssen Politik und Gesellschaft neue Konzepte und Strategien erarbeiten.

Ein Kindergarten wurde angegriffen, aber ein Aufschrei der Gesellschaft war nicht zu vernehmen. Sind Sie enttäuscht?
knobloch: Ich hoffe, dass dies kein Indiz dafür ist, dass die Mehrheit sich inzwischen mit den Nazis arrangiert hat.

Wird die jüdische Gemeinschaft in Deutschland allein gelassen?
knobloch: Das lässt sich pauschal nicht sagen. Die Polizisten, die vor Ort unsere Einrichtungen schützen, machen eine tadellose Arbeit, für die wir dankbar sind. Mit Blick auf die Gesellschaft stelle ich zwei absolut konträre Entwicklungen fest: Da findet sich in der nichtjüdischen Mehrheit zum einen dieses große, ernsthafte Interesse an unserem Glauben und unserer Kultur. Zum anderen aber schweigen viele, wenn jüdisches Leben in seiner Existenz bedroht und angegriffen wird.

Jüdische Familien sind besorgt. Muss beim Schutz jüdischer Einrichtungen in Deutschland nachgebessert werden?
knobloch: Ich plädiere für gewissenhafte Einzelfallentscheidungen. Es muss seitens der Politik alles dafür getan werden, dass jüdisches Leben in Deutschland ohne Angst wachsen kann. Leider sind wir noch weit davon entfernt, dass gelebtes Judentum hierzulande eine Selbstverständlichkeit ist.

Mit der Präsidentin des Zentralrats der Juden sprach Christian Böhme.

Spremberg/Forst

Stolpersteine gestohlen

Der Staatsschutz ermittelt

 24.08.2026

Würdigung

Hamburg ehrt Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini

In der Hansestadt gibt es künftig eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina-Mahsa-Amini-Park

 24.08.2026

Schweden

Im Wahlkampf mit dem Davidstern

Simona Mohamsson ist Schwedens Bildungs- und Integrationsministerin und Vorsitzende der Liberalen. Jetzt überraschte die Tochter muslimischer Einwanderer mit einer deutlichen Geste

von Michael Thaidigsmann  19.08.2026

Nahost

Israel soll Militärflugplatz in Nordsyrien attackiert haben

Israel hat seit dem Umsturz wiederholt auch Ziele in Syrien ins Visier genommen. Nun wird ein erneuter Angriff gemeldet. Der US-Sondergesandte für Syrien übt deutliche Kritik

 18.08.2026

Vandalismus

Deportationsmahnmal in Berlin beschmiert

Das Denkmal an der Putlitzbrücke soll an die über 30.000 Juden erinnern, die zu NS-Zeiten vom benachbarten Moabiter Güterbahnhof aus in Konzentrationslager deportiert wurden

 18.08.2026

Sachsen-Anhalt

Gericht: AfD-Mitgliedern kann Waffenbesitzkarte entzogen werden

Mitglieder und Unterstützer der AfD in Sachsen-Anhalt haben gegen den Entzug ihrer Waffenbesitzkarte geklagt. Das Verwaltungsgericht Magdeburg wies die Klage ab. Nun entschied das Oberverwaltungsgericht.

 10.08.2026

Potsdam

Jüdische Gelehrsamkeit in berühmter Schlösserlandschaft - Rabbinerseminare im Wandel

Vor fünf Jahren wurde das Europäische Zentrum Jüdischer Gelehrsamkeit eröffnet - mit Rabbinerseminaren und einer Synagoge. Seitdem hat sich in der Rabbinerausbildung viel verändert. Wie geht es weiter?

von Leticia Witte  10.08.2026

Islamismus

Tagesspiegel-Vorwürfe gegen Karoline Preisler: Nun antwortet die FDP-Politikerin

Hatte sie einen jungen Mann wegen einer Vornamensgleichheit zu Unrecht als CSD-Attentäter verdächtigt? Preisler widerspricht und beklagt, die Zeitung habe sie nicht zu Wort kommen lassen

 30.07.2026 Aktualisiert

Washington D.C.

Trump: Netanjahu will, dass USA im Iran involviert bleiben

Unterschiedliche Interessen Israels und der USA sind im Iran-Krieg mehrfach zutage getreten. Kurz vor seinem Treffen mit Netanjahu deutet Trump an, dass die Differenzen nicht überwunden sind

 28.07.2026