Sünden

Unverzeihlich

von Rabbiner Joel Berger

Der Wochenabschnitt Schelach kann rasch nacherzählt werden: Die Israeliten erreichten auf ihrer Wanderung durch die Wüste die Grenzen des Landes der Verheißung. Auf Anordnung Gottes schickte Moses Kundschafter voraus, um über das Land und seine Einwohner Informationen zu sammeln. Die zwölf Kundschafter vertraten die zwölf Stämme Israels. Nach 40 Tagen kehrten die Spione schwerbeladen zurück. Sie brachten von den wunderbaren Früchten des Landes Kostproben mit. Sie lobten das Land. »Wahrhaftig ist es ein Land, wo Milch und Honig fließen« (4. Buch Moses 13:27). Alles ist genau so, wie es Gott versprach. Doch es gab ein Problem. »Ein mächtiges Volk von Riesen wohnt dort«, berichteten sie. »Wir kamen uns so klein wie Heuschrecken vor. Außerdem sind ihre Städte uneinnehmbare Festungen, gegen die wir nichts ausrichten können.«
Diese Berichte hatten eine verheerende Wirkung auf das Volk. Die meisten fühlten sich von Moses und Aaron betrogen. Sie führten das Volk aus Ägypten in die Wüste hinaus, mit einem Versprechen, in Freiheit und Wohlstand im eigenen Land leben zu können. Und nun werden sie entweder von jenen Riesen aufgerieben werden oder in der öden Wüste sterben. So wie es der ägyptische Herrscher vor dem Auszug gesagt hatte: »Ihr werdet noch sinnlos in der Sandwüste herumwaten.« Und nun war es soweit! Die tiefe Enttäuschung und Verbitterung richtete sich vor allem gegen Moses und Aaron. Der geringste der Vorwürfe war: »Lieber wären wir als Sklaven in Ägypten gestorben, als in dieser Wüste mit unseren Frauen und Kindern zugrunde zu gehen« (4. Buch Moses, 14,12). Eine offene Revolte drohte, die ganze Führung zu überrollen. Nur zwei Männer, Jehoschua und Kaleb, stemmten sich gegen die Hysterie der Massen. Der Gott Israels wird doch sein Volk nicht fallenlassen! Ihre Worte zeigten aber wenig Wirkung. Eine harte Strafe des Herrn beendete jedoch den Aufruhr. Vierzig Jahre sollten die Israeliten wegen ihres Kleinmuts und wegen der verleumderischen Berichte ihrer Kundschafter über das Land in der Wüste verbringen! Bis eine neue Generation, die sich reif für die Freiheit zeigt, heranwachsen würde. Erst diese wird ins Land Kanaan ziehen dürfen!
Im babylonischen Talmud (Sota 34b) steht geschrieben, daß Moses sich für Jehoschua einsetzte und innigst darum betete, daß der Herr ihn von der destruktiven Haltung der übrigen Kundschafter fernhalten möge. Das Gebet wurde erhört und Jehoschua wie auch Kaleb blieben die einzigen unter den ausgesandten Männern, die das Land nicht verleumdet haben.
Über den anderen Kundschafter Kaleb lernen wir auch im Talmud (Sota 34b), daß er nach Hebron ging, um dort bei den Gräbern der Erzväter zu beten. Er hoffte durch diese Handlung, seine Integrität gegenüber den anderen wahren zu können. Auf Grund dieser Begebenheit wird der volkstümliche Glaube gestützt, daß das andächtige Flehen an den Gräbern der Vorfahren Gunst in den Augen des Herrn findet. Deswegen spielt im Leben einer chassidischen Gemeinde die Pilgerfahrt zu den Gräbern der berühmten Zaddikim eine sehr wichtige Rolle.
Angesichts der Folgen der verleumderischen Berichte für das ganze Volk wird betont, daß keine andere Verfehlung oder Untat so schwer bewertet und geahndet wird, als die, die sich gegen das Wohl eines ganzen Volkes oder der Gesellschaft richtet. Man ruft in Erinnerung, daß sich der Herr barmherzig und gnädig gegenüber vielerlei sündhafter Taten der Väter in der Wüste zeigte: Er verzieh ihnen das Goldene Kalb, den Aufruhr der Begierde nach den Fleischtöpfen Ägyptens und sogar den Aufstand des populistischen Demagogen Korach. Einzig und allein die Kundschafter fanden keine Nachsicht vor dem Herrn, weil sie das ganze Volk in die Knechtschaft nach Ägypten zurückführen wollten. Daher mußten sie wegen ihrer Verleumdungen in der Wüste sterben.
Diese Erzählung lehrt uns, daß alle menschlichen Fehler, seien sie auch gegen Freunde oder sogar gegen Gott gerichtet, zu verzeihen wären. Jedoch in dieser Parascha zettelte ein ganzes Volk eine unbegründete Revolte an. Die Rebellierenden wollten zurück nach Ägypten, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, daß ihr eigenes Volkes wieder versklavt werden würde. Daher war ihre Handlung unverzeihlich.

Schelach Lecha: 4. Buch Moses 13,1 - 15,41

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

USA

Müssen US-Unis Informationen über jüdische Mitarbeiter herausgeben?

Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

von Nicole Dreyfus  29.01.2026

Fernsehen

Wie Skandal-Camper Gil Ofarim erste Sympathie-Punkte sammelt

Kompliment und Kloppe für Gil Ofarim

von Aleksandra Bakmaz  29.01.2026

TV

Dschungelcamp: Gil Ofarim will nicht sprechen - oder doch?

Bei Hitze und Hunger schütten die Campteilnehmer sich gegenseitig ihr Herz aus. Am zweiten Tag in Down Under lassen die Dschungelbewohner tief blicken. Doch nicht jeder bekommt Mitleid

von Inga Jahn  02.02.2026 Aktualisiert

Leipzig

Gegensätzliche Nahost-Demos linker Gruppen 

Ein Team des MDR wurde aus der antiisraelischen Demo heraus angegriffen

 17.01.2026

TV-Tipp

Als David Bowie weinte: Arte-Doku beleuchtet die Schattenseiten eines musikalischen Genies

Oft feiern Filmporträts ihre Protagonisten mehr oder weniger unkritisch. Eine Arte-Doku über Popstar David Bowie wählt einen anderen Weg - und ist genau deshalb so gelungen

von Manfred Riepe  14.01.2026

Brandenburg

»Was soll der Scheiß?«: Nach Brandanschlag - Büttner übt scharfe Kritik an Linken-Spitze

Die Hintergründe

 10.01.2026

Antisemitismus

Die kruden Thesen eines AfD-Abgeordneten

Ein AfD-Parlamentarier teilte einen Instagram-Post, in dem die Rothschild-Familie mit dem Untergang der »Titanic« 1912 in Verbindung gebracht wird

 08.01.2026

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026