Glosse

unterm strich

Dass Weihnachtsbäume in anständigen jüdischen Haushalten nichts zu suchen haben, darüber herrscht weitgehend Konsens. (Offiziell jedenfalls: Wie’s in den Wohnzimmern wirklich aussieht, ist eine andere Frage.) Dabei ist das Immergrün zur Wintersonnenwende kein christlicher, sondern ein heidnischer Brauch. Und zu seiner Verbreitung in Mitteleuropa beigetragen hat maßgeblich eine Tochter Israels: Fanny Freifrau von Arnstein.
Die 1758 in Berlin geborene Tochter eines Hofjuweliers des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. hatte 1776 den österreichischen Baron Nathan Adam von Arnstein geheiratet und war zu ihm nach Wien gezogen, wo sie in ihrem Palais einen literarischen Salon begründete und rasch in der Wiener Gesellschaft aufstieg. Doch immer im Winter überkam die Baronin das Heimweh nach Berlin und der dortigen, in Österreich unbekannten Tradition, im Winter einen geschmückten Nadelbaum im Salon aufzustellen. 1814 schließlich handelte sie. Und so geschah, was Hilde Spiel in ihrer Fanny-von-Arnstein-Biografie nach zeitgenössischen Quellen beschreibt: »Bei Arnsteins war vorgestern nach Berliner Sitte ein sehr zahlreiches Weihbaum- oder Christbaumfest. Es waren dort Staatskanzler Hardenberg, die Staatsräte Jordan und Hoffmann, Fürst Radziwill, Herr Bartholdy, alle Anverwandten des Hauses. Alle gebetenen, eingeladenen Personen erhielten Geschenke oder Souvenirs vom Christbaum. Es wurden nach Berliner Sitte komische Lieder gesungen … Fürst Hardenberg amüsierte sich unendlich.«
Der Rest ist Geschichte. Von Wien aus verbreitete sich die neue Mode rasch im ganzen Habsburgerreich und darüber hinaus. Wie Jeans, Kulis oder Spielkonsolen ist also auch der Weihnachtsbaum einer der jüdischen Beiträge, die aus der modernen Zivilisation nicht wegzudenken sind. Wer als Jude einen im Zimmer stehen hat, braucht sich darum dessen nicht zu schämen. Notfalls kann er sich auf Theodor Herzl berufen. Auch der Begründer des Zionismus stellte im Dezember stets eine Tanne in seine Wohnung und notierte in sein Tagebuch: »Meinetwegen solls der Chanukkabaum heißen.«

Washington D.C.

Trump: Netanjahu will, dass USA im Iran involviert bleiben

Unterschiedliche Interessen Israels und der USA sind im Iran-Krieg mehrfach zutage getreten. Kurz vor seinem Treffen mit Netanjahu deutet Trump an, dass die Differenzen nicht überwunden sind

 28.07.2026

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026