Sababba-Party

Tanzen wie in Tel Aviv

von Alice Lanzke

Immer schneller dreht sich der mit Gold-pailletten bestickte Rock, bricht das Licht der bunten Scheinwerfer und wirft funkelnde Reflexe im Rhythmus der Musik. Die Trägerin des auffälligen Kleidungs-stücks ist Teil einer ausgelassen tanzen-den Menge: Hände werden in die Luft ge-
worfen, hohe Absätze knallen auf das Parkett – die Stimmung der Sababba-Party, die den Auftakt für eine israelisch-jüdische Eventreihe bildet, könnte kurz nach Mitternacht nicht besser sein.
Zwei Stunden zuvor: Unruhig streift Vernen Liebermann noch einmal durch die leere »Ultra Lounge« im Berliner Stilwerk, rückt hier noch einen Sessel zu-
recht, gibt dort letzte Anweisungen an das Barpersonal. Sein Partner Daniel Stern spricht unterdessen mit dem DJ, gespannte Nervosität liegt in der Luft. Monatelang haben Liebermann und Stern den Abend vorbereitet, haben Werbung für ihre »Sababba«-Feier gemacht und mehrere Inter-views gegeben: Eine jüdische Partyreihe in Deutschland weckt großes Interesse. Entsprechend hoch ist der Druck – obwohl beide bereits jahrelange Erfahrung als Veranstalter haben.
Kurz nach 22 Uhr öffnet sich der Ein-gang, an dem zwei Mitarbeiter eines priva-ten Sicherheitsdiensts die Gäste kontrol-lieren. Nur tröpfelnd kommen die ersten Feierwilligen in den Club, setzen sich an einen der kleinen Tische, die die Tanzflä-che begrenzen oder bedienen sich am »Funky Falafel«-Buffet. Es dauert nicht lange, bis die ersten die Tanzfläche stürmen.
Volker Hartlaub sieht sich das Geschehen lieber aus sicherer Entfernung an, er besucht die Party wegen seiner bevorstehenden Israelreise: »Ich werde auch nach Tel Aviv reisen, was ja als Partystadt be-
kannt ist, und dachte mir, dass das eine gute Einstimmung ist.« Ihm gefällt der mitreißende israelische Pop, der aufgelegt wird, und »die Lockerheit der Frauen«, wie er sagt. Klara Frenzel wundert sich dagegen, dass so viele Männer tanzen. Die Sababba-Party ist ihre erste jüdische Feier, doch nicht ihre letzte, wie sie betont: »Mir gefällt das gemischte Publikum sehr gut.«
Mittlerweile ist die »Ultra Lounge« rappelvoll, wo man vorher ungehindert zwi-schen den Tischen umherschlendern konnte, muss man sich nun zwischen mehr als 300 Gästen hindurchzwängen. Ein An-
blick, der Vernen Liebermann freut: »Mir fällt ein Stein vom Herzen«, lacht er. »Wir sind sehr zufrieden.« Auch Daniel Stern hat angesichts der Menschenmenge ein »sehr gutes Gefühl«, für ihn zeigt sich das Motto »Party the Jewish Way« deutlich: »Man er-
kennt es an der israelischen Musik, am Falafel-Buffet, das ratzfatz leer war und vor allem am Publikum, das zu 70 bis 80 Prozent jüdisch oder israelisch ist.« Bei der gu-
ten Resonanz denken die beiden schon an die nächste Party Ende Mai.
Auf der Bühne haben mittlerweile zwei Männer mit Trommeln Platz genommen: die angekündigte Darabuka-Live-Performance. Zu den Klängen des DJs beginnen sie, ihre Finger über die Instrumente fliegen zu lassen, drängende Rhythmen schlagen durch den Raum und ziehen die Zuhörer in ihren Bann, das Publikum beginnt zu johlen. Die 23-jährige Rebecca ist jedenfalls begeistert und zieht ein Zwischenfazit, das an diesem Abend öfter zu hören ist: »Super Party, super Musik, super Leute, alle machen mit – es könnte nicht besser sein!« (Fotos: Stephan Pramme)

Glosse

Der Rest der Welt

Einmal Gastro, immer Gastro

von Margalit Edelstein  14.10.2026

7. Oktober

Steinmeier: Antisemitische Hetze unerträglich aufgeflammt

Der schlimmste Anschlag auf Jüdinnen und Juden seit der Schoa: Der Bundespräsident verurteilt den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Und blickt auch auf die Lage im Gazastreifen

 08.10.2026

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026