Bilder

Synagoge in Pastelltönen

von Marina Maisel

Die Synagoge Ohel Jakob und das Nymphenburger Schloß – zwei Bilder zum Thema »Brücken bauen« von Dascha Tolmachova sind das Erste, was die Besucher auf der Ausstellung der Münchner Chanich gleich am Eingang zu sehen bekommen. Für alle diejenigen, denen das hebräische Wort »Chanich« fremd ist, erklärte Elina Sparberg, Mitarbeiterin des Jugendzentrums der IKG, auf der Vernissage in der Galerie 90, was es übersetzt heißt: »junges Jugendgruppenmitglied«.
Mit den ausgestellten Bildern und Objekten präsentieren die Münchner Chanichim in den Räumen der Geschäftsstelle des Kreis-Jugend-Rings München-Stadt einer breiteren Öffentlichkeit die besten Werke, die im Jugend- und Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde am Jakobsplatz entstanden sind. Zwischen den zahlreichen Gästen der Ausstellungseröffnung sind auch die beiden Stadträte Haimo Liebich und Christian Müller. Karin Ruckdäschel, die Vorsitzende des KJR, eröffnete die Ausstellung und freute sich, dass durch diese noch »mehr Einblicke in die Arbeit, die tatsächlich mit Kindern und Jugendlichen geschieht« möglich werden. Jüdische Musik unter der Leitung der Musikpädagogin Luisa Pertsovska umrahmte die Vernissage.
Im Kunst-Atelier, im School Club und im Rahmen des Sonntagsprogramms, alles Angebote der IKG, wurden seit Oktober 2007 unter der Leitung der Kunstpädagogin Svetlana Durkova Bilder in verschiedenen Techniken geschaffen: Ölgemälde und Aquarelle, Grafiken und Pastelle. Einige besondere Objekte, wie eine traditionell geschmückte hölzerne Chanukkia oder ein Panneau, auf dem aus kleinen Stoffstücken eine Synagoge eingearbeitet ist, gehören zu den herausragenden Arbeiten der Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und neunzehn Jahren vom Jugendzentrum. Daneben interessieren sich die Münchner Chanichim in ihren Arbeiten für ganz gewöhnliche Themen wie Natur und Architektur, Freizeit oder Familie. Darin unterscheiden sie sich nicht von ihren Altersgenossen. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Kunstwerke immer wieder viel über jüdische Kultur und Tradition erzählen. Die neunarmige Chanukkia wurde von einer Gruppe aus fünf Mädchen gestaltet. Jede Künstlerin hatte einen eigenen Teil des riesigen Kerzenleuchters nach ihrer Fantasie dekoriert. Die Bilder der acht- und zehnjährigen Schwestern, Fidan und Narmin Davidli, sind bunt und strahlen sehr viel Freude aus. Narmin freut sich auf das jüdische Fest Tu Bischwat, Fidan dagegen mehr auf das bayrische Oktoberfest. Die Zeichnung von Narmin Davidli wurde für den Flyer der Ausstellung gewählt. Gespannt warteten die Chanichim während der Vernissage auf die Preisverleihung. Alle Werke wurden durch eine Jury gewürdigt und die Künstler bekamen Preise – von Stiften und Farben bis hin zu Lehrbüchern über Zeichnen und Malen. In drei Altersgruppen gab es Preise und Urkunden für besonders gelungene Arbeiten. Sehr überrascht war der siebenjährige David Wajsman, als er aufgerufen wurde. Die Urkunde und die schwere Tüte mit Geschenken in Händen, strahlte er stolz und war beinah erstarrt vor Begeisterung. Später zeigte er sein Bild und erzählte, dass er einen Schneemann, ein Haus und den Winter gemalt hat. »Im Haus leuchtet das Licht«, erklärte der junge Maler und sagte: »Ich mag den Winter so sehr.« Um sein Bild zu gestalten, hatte der siebenjährige Künstler alles gezeigt, was er schon gelernt hat: der Hintergrund ist getupft, die Fläche mit Plakatfarben und Kreide ausgefüllt und einzelne Elemente sind als Collage gestaltet.
Dascha Tolmachova, die neunzehn Jahre alt ist und für ihre Arbeiten mit dem ersten Platz ausgezeichnet wurde, gehört zu den ersten Teilnehmern des Kunst-Ateliers von Svetlana Durkova. Besonders schätzt sie an ihrer Pädagogin den einfühlsamen Umgang mit ihren Schülern. »Sie zeigt uns das ganze Spektrum der verschiedenen Techniken und Handgriffe, aber, was wichtig ist, sie lässt uns dabei ganz selbständig arbeiten«, erzählte sie nach der Preisverleihung.
Die sechzehnjährige Sofia Bogopolska ist eine Preisträgerin aus der ältesten Gruppe. Sie hat die Klagemauer in Jerusalem nach eigener Vorstellung dargestellt. Da sie noch nicht in Israel war, mussten Fotos und Bilder als Ausgangspunkt für die Komposition herhalten. In neun Sprachen hat sie das Wort »Frieden« auf ihre Klagemauer geschrieben. Die Idee dazu hatte Sofia schon lang und ihre Botschaft ist eben dies: »Frieden«. Und die junge Künstlerin ergänzte: »Die Welt muss besser werden, man muss es sich nur wünschen.« Was Sofia im Kunst-Atelier gelernt hat, bringt sie ebenso schlüssig auf den Punkt: »Vom Herzen malen«, also so, wie sie hinzufügt, wie es sie von ihrer Pädagogin Svetlana Durkova lernt.

Die Ausstellung ist bis zum 20. Juni in der Galerie 90, Geschäftstelle des KJR München-Stadt, Paul-Heyse-Str. 22, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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