Energie

Streit um Schabbes-Strom

Streit um Schabbes-Strom

Am Ruhetag sollen künftig Nichtjuden
für Energie sorgen

Der israelischen Elektrizitätsgesellschaft steht eine kleine Revolution ins Haus. Gemäß einem Gesetzentwurf des Infrastrukturministeriums soll der staatseigene Stromversorger Israel Electric Corporation (IEC) 150 Nichtjuden einstellen. Allerdings steht hierbei nicht etwa die gezielte Förderung benachteiligter Minderheiten im Vordergrund. Vielmehr werden die neuen Mitarbeiter benötigt, um den Betrieb zwischen Schabbateingang und Schabbatausgang aufrechterhalten. Durch die »Stromnorm Schabbat« – so der offizielle Name – soll die Nutzung des von der IEC bereitgestellten Stroms am jüdischen Ruhetag auch für die strenggläubigsten Kunden möglich werden.
Heute, schätzt Rabbiner Moshe Lebowitz, Generaldirektor der Stadtverwaltung der von Ultraorthodoxen bewohnten Ortschaft Beitar Illit, meiden rund fünfunddreißig bis vierzig Prozent aller ultraorthodoxen Haushalte den IEC-Strom am Schabbat. Der Grund: Die Elektrizität wird von anderen Juden erzeugt. Das aber gilt als Verstoß gegen die Schabbatruhe. Deshalb greifen viele strenggläubige Familien auf private Stromgeneratoren zurück. Der ohne Staatslizenz hergestellte Strom ist jedoch nicht nur illegal, sondern auch teurer und zum Teil gefährlich. »Die Generatoren und die von ihnen ausgehenden Leitungen«, mahnt Infrastrukturminister Benjamin Ben-Elieser, »stellen ein ernstes Risiko dar.« Zum Teil sind die Generatoren auch zu schwach, um Stromfresser wie Klimaanlagen zu betreiben. Dann können am Schabbat nur schwächere Vorrichtungen wie die Wärmeplatte oder das Schlafzimmerlicht ein- und ausgemacht werden – per automatischer Schaltuhr, versteht sich.
All das soll sich nun ändern. Dabei ist die Einstellung von Nichtjuden nur eine Begleitmaßnahme zu weitgehender Automatisierung betrieblicher Vorgänge bei der IEC. Die dann noch immer unerlässlichen Aufgaben wie das Auffüllen von Kohle oder Reparaturen sollen von den nichtjüdischen Mitarbeitern erledigt werden. Der Plan wurde in gemeinsamer Arbeit von Rabbinern, dem Wissenschaftlich-Technologischen Halacha-Institut, dem Infrastrukturministerium und der IEC erstellt.
Im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen erklärte Lebowitz, der bei den Verhandlungen Israels führende rabbinische Autoritäten vertrat, grundsätzlich könne das Projekt binnen Jahresfrist starten. Allerdings stößt das Vorhaben auf erbitterten Widerstand der IEC-Belegschaft – ein Umstand, der sich rabbinischer Kontrolle entzieht. »Ich bin bereit, zum Islam überzutreten, um meine Familie weiterhin ernähren zu können«, giftete ein Mitarbeiter des Energiegiganten. Ob er diese Drohung wahr macht, darf man bezweifeln. Der Ärger ist aber echt. Für die Schabbatschichten kassieren die Beschäftigten bis zum Dreifachen des wochentags anfallenden Stundenlohns. Diese Pfründe wollen sie nicht mit anderen teilen. Wladimir Struminski

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