Andreas Zick

»Stereotype sind fest verankert«

»Stereotype sind fest verankert«

Herr Zick, gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern erforschen Sie in einer Langzeitstudie »Deutsche Zustände«. Es geht dabei um »gruppenbezogene Menschenfeind- lichkeit«. Welche Entwicklungen gibt es?
Wir beobachten seit 2002 die Entwicklung von Antisemitismus, Rassismus, Homophobie, Muslimfeindlichkeit und anderen menschenfeindlichen Einstellungen. Im Jahr 2009 haben wir in Deutschland in Sachen Antisemitismus erstmals wieder einen Anstieg registriert.

Gibt es den auch bei anderen Gruppen?
Nur beim Hass auf Obdachlose ist eine ähnliche Zunahme zu verzeichnen.

Können Sie Zahlen zum Antisemitismus nennen?
Wir unterscheiden zwischen offenem und subtilem Antisemitismus. Offen antisemitisch ist einer, der klar sagt, dass Juden beispielsweise zu viel Macht hätten. Da haben wir seit Jahren einen stabilen Wert von 15 bis 20 Prozent. Bei subtiler Judenfeindschaft werden Behauptungen aufgestellt. Etwa in der Art, dass Juden aus ihrem Leid in der Nazizeit Vorteile für die Gegenwart zögen. In Deutschland stimmen 50 Prozent der Befragten solchen Aussagen zu. Das ist ein sehr hohes Niveau.

Da gibt es ja kaum noch Befragte, die frei von antisemitischen Vorurteilen sind, oder?
Offene und subtile judenfeindliche Aussagen werden nur von elf Prozent abgelehnt.

Hat die Finanz- und Wirtschaftskrise das Problem verschärft?
Ja. Wir haben zum Beispiel danach gefragt, wer die Urheber der Krise sind und einige Antwortmöglichkeiten vorgegeben, unter anderem »Banker« und »Spekulanten«. Wer solche Aussagen bejaht, muss zwar nicht zwingend antisemitisch gesinnt sein. Auffallend ist aber, dass viele derjenigen, die Banker und Spekulanten für die Krise verantwortlich machen, sich bei anderen Fragestellungen klar judenfeindlich äußern. Das zeigt, wie sehr Stereotype verankert sind: »Banker« und »Spekulanten« werden oft mit Juden gleichgesetzt.

Gibt es Wechselbeziehungen zwischen Judenfeindlichkeit und Islamophobie?
Durchaus, wer etwas gegen Juden hat, hat meist auch etwas gegen Muslime.

Wie verbreitet sind antijüdische Ressentiments unter Muslimen?
Wir haben uns an der Gesamtbevölkerung orientiert, da spielen Muslime keine große Rolle. Aus anderen Studien weiß man jedoch, dass in diesen Milieus Antisemitismus kulturell gewissermaßen vererbt wird.

Was kann man gegen Antisemitismus tun?
Es fehlt eine breite Diskussion darüber, wie stark unsere Normen sind, die Antisemitismus und andere Formen der Menschenfeindlichkeit eindeutig ächten. In der Wirtschaftskrise stellen viele Menschen die Gleichwertigkeit und die Fürsorge für schwache Gruppen infrage. Mehr Verantwortung für Minderheiten ist also stärker gefragt denn je.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

USA

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Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

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