Hebräischlernen

Sprachlos

von Larry Luxner

Weniger als 48 Stunden nach Beginn des Unterrichts an einer neuen jüdisch orientierten Charterschule in den USA hat die Schulbehörde den Hebräisch-Unterricht untersagt – zumindest bis auf Weiteres.
Einen Tag lang ignorierte die Ben-Gamla-Schule in Hollywood, Florida, die Anordnung, beschloss dann aber, mit der staatlichen Schulaufsicht von Broward County zu kooperieren. Der Gründer der Schule, der frühere Kongressabgeordnete Peter Deutsch von der Demokratischen Partei, sagte, sein Institut halte sich strikt an die gesetzlichen Vorschriften. »Ich musste durch die Schule rennen und die Lehrer anweisen, kein Hebräisch mehr zu unterrichten«, sagte Deutsch. Der Unterricht dürfe nicht religiös sein, denn dies verstieße gegen die Verfassung, so Deutsch. Nun herrscht große Verwirrung darüber, was erlaubt ist und was nicht.
Charterschulen sind öffentlich finanzierte Grund- oder Sekundarschulen unter privater Leitung, bei geringen Vorgaben der örtlichen Schulbehörden. Die Absicht dahinter ist, dass die innovativen Unterrichtsmethoden zu besseren schulischen Leistungen führen sollen. Dass es der Ben-Gamla-Schule nicht gestattet ist, Tora und Gebete zu lehren, wurde den Initiatoren bereits vor Monaten mitgeteilt. Ihren ursprünglichen Antrag lehnten die Mitglieder des örtlichen Schulausschusses rigoros ab. Begründung: Es komme dabei offene jüdische Symbolik ins Spiel.
Doch Hebräisch als Fremdsprache zu unterrichten, ist viel weniger umstritten und wurde bislang noch in keinem Fall zum Stein des Anstoßes. Keith Bromery, Sprecher der Schulbehörde, sagte, es sei möglich, dass der Hebräischunterricht nach der nächsten Ausschusssitzung am 11. September weitergehen kann. »Wir möchten alles in unserer Kraft Stehende tun, um zu gewährleisten, dass es außer gelegentlichen Verweisen auf die Religion zu keinerlei religiöser Unterweisung kommt. Wir sind dafür verantwortlich, die Trennung von Kirche und Staat zu garantieren.«
Adam Siegel, Direktor der Ben-Gamla-Schule, erklärte, seine 400 Schüler erhielten derzeit Unterricht in israelischer Geografie, bis es den 25 Mitgliedern des Lehrkörpers wieder gestattet sei, Hebräisch zu lehren. »Wir lassen uns nicht deprimieren«, sagt Siegel, »wir haben viele andere Fächer zu unterrichten. Ich glaube, in drei Wochen werden wir den Hebräischunterricht wieder aufnehmen können.« Der 37-jährige Schuldirektor ist orthodoxer Rabbiner. Bevor er die Leitung von Ben Gamla übernahm, führte er eine jüdische Grundschule in North Miami Beach.
Die Hebräischlehrer, so Siegel, hätten der Schulbehörde einen detaillierten 600-seitigen Lehrplan vorgelegt. »Die Prüfer haben darin einen einzigen Hinweis auf eine Website religiösen Inhalts entdeckt«, sagt Siegel frustriert und betont, dass die »Kein Hebräisch«-Anordnung der Behörde mit dem Lehrplan selbst nichts zu tun haben könne. »Vielmehr geht es um Geld. Leute befürchten, dass ihnen ein Kundenstamm abhanden kommt.«
Eric Stillman, Präsident und Hauptgeschäftsführer der Jüdischen Vereinigung von Broward County, hält nichts von dieser Erklärung. »Soweit ich sehe, ist der Schulausschuss von Broward County ausschließlich an der Frage der Trennung von Staat und Kirche interessiert. Konkurrenz oder Geld spielt dabei nicht die geringste Rolle«, sagt Stillman, dessen Organisation Zuschüsse an jüdische Privatschulen vergibt. Die Frage sei, ob sich der Unterricht auf Konversationshebräisch beschränkt, oder ob dabei Religion ins Spiel kommt. »Das ist der entscheidende Punkt«, so Stillman. Er verstehe, dass die Behörde die Schule überprüfen und klar stellen müsse, welche Art von Unterricht akzeptabel sei und welche nicht.
Unterdessen drohte die Schulbehörde, mit »ernsthaften Konsequenzen«, sollte Ben Gamla den Hebräischunterricht vor dem 11. September wieder aufnehmen. Sprecher Keith Bromery: »Wenn wir herausfinden, dass sie offen gegen die Anordnung des Ausschusses verstoßen, werden wir Maßnahmen ergreifen, die bis zur Aberkennung ihrer Charter gehen können.«

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026