Smudo

»Sonst wird es noch viel schlimmer«

»Sonst wird es noch
viel schlimmer«

Sänger Smudo über Ignoranz und
die Kampagne »Laut gegen Nazis«

Smudo, Sie engagieren sich mit anderen Prominenten in der Kampagne »Laut gegen Nazis«. Wie ist es dazu gekommen?
smudo: Der Vorstand der Kampagne ist ein alter Bekannter von mir und bat mich um Unterstützung. Das war vor ungefähr drei Jahren.

Was ist der praktische Nutzen dieser Kampagne?
smudo: Sie versucht, Räume mit dem Thema zu besetzen. Es wird nie so sein, dass es irgendwann einmal eine tolle Aktion gibt, »Peng!« macht und dann die Nazis weg sind. Deshalb muss man immer wieder das Problem Rechtsextremismus hervorzerren, weil es sich nicht ignorieren lässt. Wenn man nichts dagegen unternimmt, dann wird es noch viel schlimmer.

Können Aktionen, die an die Moral appellieren, die Bevölkerung aufrütteln?
smudo: Das ist vielleicht etwas zu romantisch gedacht. Aber durch den Druck der Öffentlichkeit und der Medien werden die Politiker auch mal dazu gezwungen, klar und deutlich Stellung zum Thema Rechtsextremismus zu beziehen.

Viele Prominente stellen ihren Namen zur Verfügung, um gegen Rechtsextremismus zu kämpfen. Es scheint »in« zu sein, sich gegen Nazis stark zu machen. Ist das noch glaubwürdig?
smudo: Meinen Sie die Frage ernst?

Ja!
smudo: Die Alternative kann doch nicht sein, sich nicht zu engagieren, weil der Einsatz womöglich nicht glaubwürdig wirkt. Ich kann nur für mich sprechen. Ich bekomme viele Anfragen, ob ich nicht dies oder jenes unterstützen könnte. Doch der Tag hat nicht mehr als 24 Stunden, und ich trete nur für Sachen ein, zu denen ich was zu sagen habe.

Jugendliche kommen oft über Musik mit rechtem Gedankengut in Berührung. Wie funktioniert es, sie mithilfe von Musik davon fernzuhalten?
smudo: Was die »Fantastischen Vier« betrifft: Wir sind keine politische Band, die Texte gegen Rechts schreibt. Unsere Lieder handeln von persönlicher Freiheit, Spaß oder von der Liebe. Trotzdem sind wir politische Menschen und nutzen die Möglichkeiten unseres Prominentendaseins, um klar Stellung zu beziehen.

Mit dem Sänger der »Fantastischen Vier« sprach Katrin Richter.

Sehen!

»Doitscha – Alles geht vorüber«

Die Tragikomödie »Doitscha – Alles geht vorüber« in der ARD beruht auf einem Buch von Adriana Altaras

von Pascal Beck  04.11.2026

Fernsehen

»Doitscha« erzählt vom Leben deutscher Juden nach dem 7. Oktober

Im Mittelpunkt der pointierten Tragikomödie steht eine Familie, in der unterschiedliche Identitäten, Ängste und Lebensentwürfe aufeinanderprallen

 04.11.2026

TV-Tipp

Viele Jahre bis zum großen »Hallelujah«: Arte zeigt Porträt von Leonard Cohen zum zehnten Todestag

Es ist wohl das bekannteste Lied des kanadischen Sängers Leonard Cohen. Und so steht »Hallelujah« auch im Zentrum eines so unterhaltsamen wie inspirierenden Porträts über diesen modernen Minnesänger

von Jan Lehr  04.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  04.11.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 4. November bis zum 12. November

 04.11.2026

Sachbuch

Der Kampf jüdischer Gemeinden für den Synagogen-Aufbau nach dem Krieg

Durch die Nationalsozialisten zerstört, wollten jüdische Gemeinden viele Synagogen in Deutschland nach dem Krieg wieder aufbauen. Doch sie hatten mit Widerständen zu kämpfen - und mit Parkplätzen und Einkaufszentren

von Thomas Klatt  04.11.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  04.11.2026

Frankfurt am Main

Rote und blaue Fäden

Mit der Installation »A Sky Full of Hope« will die Künstlerin Janet Echelman globale Vernetzung sichtbar machen – und eckt in der Stadt damit an

von Eugen El  03.11.2026

Frankfurt

Jüdische Akademie soll »Haus der Zukunft« sein

In der ersten Diskussionsrunde der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt stieß ein Wunsch angesichts von Antisemitismus und innerjüdischer Differenzen auf große Zustimmung: Die Akademie soll ein »Haus der Zukunft« sein

 03.11.2026