Stef Wertheimer

Selfmade

Selfmade

Der Unternehmer
Stef Wertheimer wird für sein Engagement geehrt

Vor zwei Monaten konnte Stef Wertheimer einen Triumph verbuchen – nicht den ersten in seinem Leben, aber einen sehr symbolischen. Dem Wirtschaftsmagazin Forbes zufolge hat der Industrielle und Friedensvisionär mit einem Vermögen von 4,4 Milliarden Dollar die Konzernlenkerin Shari Arison als reichster Israeli abgelöst. Hätte Wertheimer, der am nächsten Montag 81 wird, nicht einen großen Teil seines Besitzes seinen Kindern übereignet, wäre sein finanzieller Wert noch höher: Einer anderen Schätzung zufolge liegt das Familienkapital bei sieben Milliarden Dollar. Dabei hat Wertheimer, der vor 70 Jahren mit seinen Eltern aus Nazideutschland ins britische Mandatsgebiet Palästina flüchtete, sein Geld mit eigenen Händen verdient. Mit 16 ging der technisch hochbegabte Jüngling von der Schule ab und schlug sich mit Reparaturen von Fotoapparaten durch. Zwischen 1943 und ’52 arbeitete er als Fachmann für Wehrtechnik für die britische Armee, die jüdische Untergrundarmee Hagana und, nach der Staatsgründung, für das israelische Verteidigungsministerium. Dann machte er sich, 26-jährig, mit einer kleinen Fabrik für Hartmetallwerkzeuge selbstständig – im Hof seines Hauses in Naharija. Heute ist Iscar, so der Firmenname, eines der weltweit führenden Unternehmen seiner Branche. Vor Jahresfrist verkauften die Wertheimers 80 Prozent der Anteile für vier Milliarden Dollar an den legendären amerikanischen Investor Warren Buffet.
Doch Wertheimer ist kein Anbeter des Mammons. Für das persönliche Glück, sagte er kürzlich in einem Interview des israelischen Fernsehens, sind Freunde und interessante Arbeit wichtiger als Geld. Auf die süffisante Frage der Moderatorin, was sich in seinem Leben seit dem geldträchtigen Verkauf von Iscar verändert habe, erwiderte Wertheimer: »Ich esse noch immer den gleichen Hummus.« Tatsächlich ist der Konzern-Patriarch mehr als der einem Hollywood-Drehbuch entsprungene Selfmademan. Er versucht auch, das Leben der Menschen in der Region zu verbessern. Und für Stef, wie ihn jeder nennt, heißt das: bessere Bildung, mehr Arbeit. Bereits in den 60er-Jahren war der Firmenchef, vom Milliardenvermögen noch weit entfernt, Mitbegründer einer Berufsschule. Ein Jahrzehnt später leitete er als Stadtratsmitglied die Schulabteilung von Naharija. Auch vier Industrieparks und die galiläische Kleinstadt Kfar Wradim verdanken ihm ihre Existenz. Wertheimer schwebt eine umfassende Stärkung der industriellen Basis des Landes vor. Gegenüber der modischen Hochtechnologie zeigt sich der Industrielle skeptisch: »Hightech-Betriebe verlegen ihre Produktion ins Ausland. Wir müssen aber auch die traditionelle Industrie stärken«.
Allerdings reicht Wertheimers Blick über Israels Grenzen hinaus. Von ihm stammt die Idee eines »Marshallplans für den Nahen Osten«. Internationale Fördermaßnahmen sollen bei Israels Nachbarn für Wirtschaftsentwicklung, ein besseres Leben und damit auch für politische Stabilität sorgen. Aber nicht nur Hilfe, auch Zusammenarbeit steht hoch auf Wertheimers Prioritätenliste. Deshalb fordert er grenzübergreifende Gewerbezonen. Dass Wertheimers Ideen keine Utopie bleiben müssen, zeigt sich im israelisch-jordanischen Verhältnis: Die beiden Länder verhandeln heute über die Schaffung einer gemeinsamen Industriezone, das sogenannte Friedenstal. Für sein Engagement für Frieden, Sicherheit und Beschäftigung erhält Wertheimer 2008 die Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.
Vor 30 Jahren begab sich Wertheimer auch in die Niederungen der Politik und war einer der Mitbegründer der liberalen Zentrumspartei »Dasch«, für die er vier Jahre lang in der Knesset saß. Seitdem hält er sich vom Politikerberuf fern. Das heißt aber keineswegs, dass er über keinen politischen Einfluss verfügt: Für die Mächtigen des Landes hat Stefs Wort auch ohne ein Mandat großes Gewicht. Wladimir Struminski

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026