Interview

»Sefarden sind poetisch«

Herr Degen, Sie haben in Ihrer Jugend
zwei Jahre in Israel gelebt. Jetzt waren Sie
für die Dreharbeiten zu »Die Seele eines
Mörders« wieder im Land. Mit welchen
Gefühlen sind Sie zurückgekehrt?
Es war vor allem Jerusalem, das mich wieder
unheimlich fasziniert hat – meine Lieblingsstadt.
Ich kann Ihnen nicht sagen,
warum. Zum einen ist es eine unerhört schöne
Stadt geworden. Man hat das neue Jerusalem
dem alten angeglichen. Das ist wirklich
eine Meisterleistung. Zum anderen
habe ich vom ersten Augenblick an eine
ganz besondere Beziehung zu dieser Stadt
gehabt. Vielleicht ist es die Geschichte, die
Lage oder der Geruch dieser Stadt. Ich weiß
es nicht. Auf jeden Fall ist Jerusalem für
mich eine der ganz großen Weltstädte – obwohl
es so klein ist.

Wieso haben Sie dann Anfang der 50er‐Jahre
Israel Richtung Deutschland verlassen?
Ganz ehrlich: Ich wäre am liebsten dageblieben.
Aber meine Muttersprache war und
ist Deutsch. Und obwohl ich in Israel Klassiker
wie Shakespeare oder Molière gespielt
habe – alles auf Hebräisch – , bleibt Muttersprache
nun einmal Muttersprache. Ich hatte
große Sehnsucht danach, wieder einmal
in deutscher Sprache auf der Bühne zu stehen.
Und das habe ich dann ja auch getan.

Haben Sie die Entscheidung je bereut?
Ich weiß nicht, ob es wirklich richtig war zu
gehen. Aber, doch! Ich denke für mich persönlich
war es richtig. Meine Kollegen in Israel
sahen das allerdings ganz anders. Als
wir uns nach Jahren wiedergesehen haben,
sagten sie, ich sei damals sehr egoistisch gewesen.
Vor allem meine Kollegin Hanna Maron.
Sie hatte nicht ganz unrecht.
Sie spielen einen Aschkenasen unter Sefarden.

War das eine Herausforderung?
Ein bisschen, aber Sefardim waren ja nicht
nur orientalische Juden, Marokkaner oder
Jemeniten, sondern auch Spanier. Wenn sie
eine gewisse intellektuelle Stufe erreicht
hatten, waren sie viel gebildeter, viel interessanter
als die Aschkenasim. Die haben sich
ins Prollige entwickelt. Aber die Sefarden,
waren eine poetische Gemeinschaft. Sie
haben ja auch die größten Dichter, wie Ibn
Esra oder Jehuda Ben Halevi. Selbst Goethe
hat sie im West‐Östlichen Divan erwähnt.

Fußball

»Wusste nicht, was Nazi-Gruß ist«

Torwart des Premiere-League-Clubs Crystal Palace entgeht mit einer sehr besonderen Begründung einer Strafe

 16.04.2019

Ferdinand von Schirach

Die zweite Schuld

Der Autor stellt Studie über Raubkunst in seiner Familie vor – und fordert Nazi-Nachkommen zu Transparenz auf

 12.04.2019

USA

Polizeihund darf nicht »Rommel« heißen

Mit den Worten »Willkommen an Bord, Rommel!« hatte das Sheriff-Büro den Neuzugang stolz vorgestellt

 08.04.2019