Schicksale

Schwabing von innen

von Miryam Gümbel

Schwabing ist nicht nur ein Stadtteil, sondern für viele Münchner ein Mythos von Kunst, Kultur, Bohème. Der Ruhm des alten Schwabing aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist bis heute lebendig. »Es gibt aber beides, das schöne und das hässliche Gesicht Schwabings«, betonte Ilse Macek von der Münchner Volkshochschule in der Seidl-Villa bei der Vorstellung des Buches »Ausgegrenzt – entrechtet – deportiert. Schwabing und Schwabinger Schicksale 1933 bis 1945«.
Mit diesem Buch, unterstreicht Herausgeberin Macek, wollten die vielen engagierten Autoren aus dem Stadtteil ein »Schwabing von innen« zeigen, zum Teil mit einem Bild, das zum Wegschauen verleite. Weggesehen hätten in der NS-Zeit auch viele Nachbarn, zum Beispiel in der Jakob-Klar-Straße oder in der Bauerstraße, Zwangsadressen zahlreicher jüdischer Münchner. In Schwabing liegt auch die Antonienstraße. Hier befand sich das jüdische Kinderheim der Israelitischen Jugendhilfe. Einige wenige überlebten, unter ihnen Werner Grube, der gemeinsam mit Ilse Macek das Kapitel über die Schicksale in diesem Haus schrieb. Er war ebenso anwesend wie die vielen anderen Mitarbeiter an dem 640 Seiten starken Werk – »Ein Buch zu diesem Thema kann nicht dick genug sein«, sagte Macek bei der Begrüßung aller dabei Engagierten, einschließlich des Verlegers Michael Volk. Als weitere Zeitzeugin konnte die Herausgeberin die Präsidentin des Zentralrats und der IKG München, Charlotte Knobloch, begrüßen, ebenfalls eine gebürtige Münchnerin. Ein weiterer Schwabinger, der noch heute in diesem Stadtteil wohnt, hielt die Festrede: Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der zu diesem Zeitpunkt gerade wieder in seinem Amt bestätigt wurde. Er betonte, dass der Tag der Buchpräsentation, der 13. März, der Jahrestag sei, an dem 1943, vor 65 Jahren, zum dritten Mal eine Deportation von Juden in den Osten stattfand. Er werde oft gefragt, wie viele Gedenkveranstaltungen denn noch stattfinden sollten. Die klare Antwort Udes darauf ist, dass es weder ein Vergessen noch ein Verdrängen geben darf. Dazu komme, dass viele Kapitel aus dieser Zeit noch zu wenig oder gar nicht bekannt sind. Zudem hätten noch lange nicht alle gesellschaftlichen Bereiche Rechenschaft über ihre Rolle während der NS-Zeit abgelegt. Als einen wichtigen Beitrag der Stadt zur Bewusstseinsbildung über diesen Abschnitt der Stadtgeschichte nannte er die Dauerausstellung im Stadtmuseum »Chiffren der Erinnerung«. Auch Schwabing sei nicht nur ein Ort der Opfer, sondern auch ein Ort der Täter gewesen. Wie nahe beide hier zusammenlagen, unterstreicht ein Kapitel des Buches über Schwabing als Klinikviertel mit einer »Medizin ohne Menschlichkeit« und Zwangssterilisationen. Ebenso wird die These widerlegt, dass man nichts tun konnte für die Verfolgten: Einem Arzt gelang es zum Beispiel, eine jüdische Kollegin in der Psychiatrie zu verstecken. Mitgewirkt haben an dem Buch auch Schwabinger, die heute in Israel leben. Durch die Vielfalt der Autoren und aufgezeigten Einzelschicksale ist es dem Team gelungen, »auch die hässlichen und traurigen Seiten dieses schönen Stadtteils zu zeigen«, wie Macek betonte: »Wir haben Stellung bezogen und wollen Stellungnahme provozieren.« Der besondere Dank von Ilse Macek galt den Überlebenden, die bereit waren, »uns bei der Suche nach der Wahrheit zur Seite zu stehen, uns zu unterstützen bei dem Versuch, einen Zugang zu ihrer, zu unserer Geschichte zu finden«.
Das Projekt entstand gemeinsam mit dem Seidl-Volla-Verein, unterstützt vonden beiden Schwabinger Bezirksausschüssen, dem Förderverein der Münchner Volkshochschule und dem Kulturreferat der Stadt München.

7. Oktober

Steinmeier: Antisemitische Hetze unerträglich aufgeflammt

Der schlimmste Anschlag auf Jüdinnen und Juden seit der Schoa: Der Bundespräsident verurteilt den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Und blickt auch auf die Lage im Gazastreifen

 08.10.2026

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026