Belarus

»Schande für Woloschin«

von Lev Krichevsky

Jetzt kann nur noch ein Wunder helfen. Das Gebäude der berühmten Woloschiner Jeschiwa, das der jüdischen Gemeinde Weißrusslands vor sieben Jahren zurückgegeben wurde, könnte wieder konfisziert werden – falls es den Juden vor Ort nicht gelingt, 20.000 US-Dollar für die Renovierung des Gebäudes aufzutreiben. In der vergangenen Woche setzten die Behörden der Gemeinde eine Frist bis zum 10. Mai, um das Geld aufzubringen. Andernfalls kommt es zu einem Gerichtsverfahren über die Rückgabe des Gebäudes an die Stadt.
Das Gebäude der ehemaligen jüdischen Religionsschule wurde 1806 errichtet. Woloschin, 90 Kilometer von der weißrussischen Hauptstadt Minsk entfernt, ist eine ehemals überwiegend jüdische Kleinstadt. Heute leben hier 5.500 Menschen, darunter nur noch elf Juden.
»Wenn wir das Gebäude verlieren, müssen wir uns von einem großen Teil unseres Erbes verabschieden«, sagt Yuri Dorn, Vorsitzender der Jüdischen Religiösen Union von Belarus. Im Jahr 2000 gaben die Woloschiner Behörden das Gebäude an Dorns Organisation zurück. Dorn sagt, er habe sich verzweifelt bemüht, die Mittel zu beschaffen, um das Gebäude zu renovieren, das in baufälligem Zustand zurückgegeben worden war. In den vergangenen Jahren hatte sich ein Delikatessengeschäft in das Gebäude eingemietet. 1803 gegründet, wurde die Woloschiner Jewschiwa – bekannt auch unter dem Namen »Etz Chaim« – rasch zum spirituellen Zentrum des litauischen Judentums.
Allen Kriegen, zaristischen Dekreten und der Revolution zum Trotz blieb die Schule in ihrem historischen Gebäude geöffnet – bis zum Zweiten Weltkrieg, als die Deutschen Weißrussland besetzten. Die Nazis ermordeten 800.000 weißrussische Juden, darunter etwa 3.500 Juden aus Woloschin und Umgebung.
In den vergangenen sieben Jahren, sagt Dorn, habe seine Organisation von ausländischen Spendern 22.000 US-Dollar erhalten, um Teile der Fassade neu zu tünchen und den Müll vom Grundstück zu entfernen. Das Gebäude beherbergt eine provisorische Ausstellung zur Geschichte der Jeschiwa, die im Jahr etwa 300 ausländische Besucher anlockt. »Es gibt Originalpläne, nach denen die Jeschiwa wieder aufgebaut werden sollte«, sagt Dorn.
Einige Jeschiwot in Israel und den Vereinigten Staaten zeigten Interesse an der Neubelebung der Schule. Sie hätten gern Schüler nach Woloschin geschickt, um in den Sommermonaten an der Jeschiwa zu lernen. Doch das Projekt hätte 400.000 US-Dollar gekostet und das Budget der jüdischen Gemeinde Weißrusslands weit überschritten.
Anfang April ging bei der Jüdischen Religiösen Union von Belarus ein Brief der Stadtverwaltung von Woloschin ein. Darin heißt es, dass die Eigentumsrechte des Gebäudes an die Stadt zurückgehen, falls bis zum Gerichtstermin am 26. April nicht mit den Renovierungsarbeiten begonnen werde. Die Frist wurde später um zwei Wochen verlängert.
Was die städtischen Beamten laut Dorn in Rage bringt, ist die scheinbare Unfähigkeit der jüdischen Gemeinde, das Gebäude im historischen Stadtzentrum Woloschins zügig zu renovieren und instand- zuhalten. »Leider ist es so, dass das Gebäude, das man von den Fenstern des Bürgermeisters aus sehen kann, tatsächlich in einem sehr schlechten Zustand ist«, sagt Dorn.
In einem früheren Brief an die Gemeinde nannte die Stadt den gegenwärtigen Zustand des Gebäudes »eine Schande für Woloschin«. Besucher behielten ein negatives Bild der Stadt zurück. Dorn sagt, es gebe keine Anzeichen, dass der Entscheidung der Stadt Antisemitismus zugrunde liege, kommerzielle Erwägungen stünden eindeutig im Vordergrund.
Wenn es der jüdischen Gemeinschaft des Landes nicht gelingt, das Gebäude zu renovieren, ergreift die Stadt möglicherweise die Gelegenheit, es an ein Unternehmen zu verkaufen, das es in eine kommerzielle Immobilie verwandelt. Aber vielleicht gelingt es den Juden in letzter Minute doch noch, das Geld für die Instandsetzung aufzubringen.

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026