Hochkonjunktur

Patriotismus plakativ

Patriotismus
plakativ

Aufkleber und
Fähnchen haben Hochkonjunktur

Daß Israelis mit ihrer Meinung nur selten hinter dem Berg halten, ist bekannt. Sie sind berühmt dafür, offen und direkt zu sein und teilen auch ihre politische Haltung gern mit. Am liebsten unumwunden und für jeden sichtbar an der Kofferraumhaube ihres Subarus, Mazdas oder Toyotas. Damit der Hintermann an der Ampel gleich weiß, mit wem er es zu tun hat.
Die Sticker-Manie ist nicht neu. Nach der Ermordung Yitzhak Rabins waren es Aufkleber wie »Schalom, Chawer« oder »Du wirst uns fehlen«. Bei der letzten Parlamentswahl wollte man den damaligen Ministerpräsidenten mit »Sharon Kadima« anfeuern. Manchmal bedarf es noch nicht einmal vieler Worte. Dann sagt schon die Farbwahl alles. So befestigten vor einem Jahr die Gegner des Gasa-Abzuges orangefarbene Bändchen an den Autoantennen oder orange Aufkleber auf dem Lack, während sich die Befürworter mit schlichten blauen Quadraten schmückten.
In diesen Tagen werden offensichtlich wieder Worte benötigt. Kraftvolle Worte. »Anachnu nenazeach – wir werden siegen« oder »Israel ist stark« zieren die Autos von Kirijat Schmona bis nach Eilat. Gänzlich in den Nationalfarben blau und weiß.
Auch die Nationalflaggen und -fahnen, mit denen Häuserwände, Balkonbalustraden und Autofenster an jedem Unabhängigkeitstag geschmückt werden, sind wieder aus den Kisten geholt worden. »Außer-
gewöhnliche Zeiten fordern außergewöhnliche Maßnahmen«, meint Eli Schuali, Taxifahrer in Tel Aviv, während er sein blau-weißes Fähnchen festmacht. Damit will er seine Unterstützung für den Kampf gegen die Hisbollah ausdrücken. »Ich stehe hinter dem Staat, und das soll jeder sehen.« Sabine Brandes

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