Israelbild

Palästinenser, Zaun, Gewehr

von Martin Krauss

»Ein Soldat mit Maschinengewehr wacht über den Zaun.« So beginnt die Geschichte »Israel – Schulweg mit Hindernissen« in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Praxis Grundschule. Mit ihr sollen Sechs- bis Zehnjährige lernen, Sachtexte besser zu verstehen. »Wenn die Grundschulkinder aus Jbarah zu spät dran sind und den Durchlass um 6.30 Uhr verpassen«, heißt es über die Situation palästinensischer Kinder im Westjordanland, »müssen sie zum Haupttor gehen – das ist ein Fußmarsch von gut zwei Stunden!«
Praxis Grundschule erscheint im Westermann-Verlag und wendet sich mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren vor allem an Lehrer. In der Handreichung steht, was die Kinder notieren sollten, um den Text zu verstehen: »Soldat, Maschinengewehr, Zaun«. Hinweise auf den Terror gegen Israel als Grund des Zauns finden sich nicht. Nicht mal, dass sich die Schule der Kinder in Israel befindet, weil auf der palästinensischen Seite des Zaunes für sie kein Unterricht angeboten wird, ist eine Information wert.
»Mir ist das sehr unangenehm«, sagt die Autorin des Beitrags, die Publizistin und Pädagogin Christine Kretschmer. »In meiner Naivität habe ich den Text einfach aus einem Bildband genommen. Das tut mir sehr leid.« Der verantwortlichen Redakteurin Katrin Bokemeyer ist wichtig, dass der Text nicht von Praxis Grundschule stammt. Zuerst erschien er in dem 2004 veröffentlichten Bildband »Kinder unterwegs« aus der Geolino-Reihe von Gruner+Jahr. »Wir vertrauen Geolino«, sagt Bokemeyer. »Und es kommt ja nicht auf die Inhalte an.« Die Geschichte sei ein bloßes Beispiel fürs Verstehen von Sachtexten. »Das ist natürlich naiv«, sagt Micha Brumlik, Erziehungswissenschaftler an der Universität Frankfurt. »Die Begriffe stehen ja drin: Israel, Palästinenser, Zaun, Maschinengewehr.« Von etwa 30 Protestschreiben berichtet Bernd Bredemeyer vom Westermann-Verlag, etliche von Lesern und aus dem wissenschaftlichen Beirat des Blattes.
»Der Text alleine ist ja nicht inkorrekt«, sagt Micha Brumlik. »Aber es kommt auf den Kontext an.« In dem Geolino-Bildband wird derselbe Text anders präsentiert: Dort sind auch ein Müll sammelnder Junge in Kambodscha, eine zehnjährige Russin, die raucht und über Dächer klettert, und sogar ein Kindersoldat aus Liberia zu sehen. Hier wird die Welt konsequent aus der subjektiven Sicht von Kindern gezeigt. In Praxis Grundschule wird die Geschichte als bloßes Lehrbeispiel genommen.

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026