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Das Gedenkbuch für die ermordeten Juden ist erweitert worden

von Kerstin Eschrich

Als die erste Auflage des Gedenkbuches für die ermordeten deutschen Juden erschien, gab es noch die DDR. Der Kalte Krieg bestimmte die Politik. Auch das Gedenken an die ermordeten Juden blieb davon nicht verschont. Anfragen der Bundesregierung und der Gedenkstätte Yad Vashem Anfang der achtziger Jahre an die Regierung der DDR, Quellen zum Schicksal der Juden auf ihrem Staatsgebiet zugänglich zu machen, wurden abgelehnt.
20 Jahre später ist eine erweiterte Ausgabe des Gedenkbuches Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945 erschienen, ergänzt vor allem um Informationen aus Archiven der ehemaligen DDR . 149.625 Schicksale von Ermordeten enthalten die vier dicken Bände, alphabetisch nach Namen und Geburtsdatum geordnet, darunter mehr als 20.000 Namen, die in der ersten Auflage nicht enthalten waren.
Wenn möglich, wurden bereits vorhandene Angaben über Deportation, zu den Lagern und zu Todesdatum und -ort mit Hilfe neu zugänglicher Quellenbestände ergänzt. »Es ist ein besonderes Denkmal für jene deutschen Juden entstanden, die ermordet wurden, wie auch meine Familie«, sagte Hermann Simon, Direktor des Berliner Centrum Judaicum bei der Vorstellung des Buchs in seiner Einrichtung.
Als die erste Auflage in Yad Vashem hinterlegt wurde, hatte sich die Bundesregierung verpflichtet, in einer zweiten Auflage Fehler zu korrigieren und fehlende Angaben zu ergänzen. Entscheidend dafür war vor allem die Aufarbeitung des Zentralen Staatsarchivs der DDR. Dort lagerten etwa die »Ergänzungskarten für Angaben über Abstammung und Vorbildung aus der Volkszählung vom 17. Mai 1939«. Damit erfaßten die Nationalsozialisten erstmals in einer amtlichen Erhebung die Juden nach ihrer »Abstammung«. Für jeden der vier Großelternteile war auf einer gesonderten Ergänzungskarte verzeichnet, ob die Person der »Rasse« nach »Volljude« war.
1992 begann das nun für Gesamtdeutschland zuständige Bundesarchiv, das Herausgeber des Buches ist, mit der Erfassung der Ergänzungskarten. 80 Prozent sind überliefert. Auch die nach Polen abgeschobenen Juden wurden in der Neubearbeitung des Gedenkbuches berücksichtigt, ebenso Informationen über badische, pfälzische und saarländische Juden, die 1940 über die französische Grenze deportiert wurden. Der Internationale Suchdienst in Arolsen überprüfte 40.000 Namen aus dem Gebiet der ehemaligen preußischen Provinzen. Daneben wurden mehr als 300 Quellen einbezogen, wie regionale Gedenkbücher, Landesarchive und Forschungsinstitute.
Vollständig kann auch diese Ausgabe nicht sein. Korrekturen und Ergänzungen seien ausdrücklich erwünscht, sagte Hartmut Weber, der Präsident des Bundesarchivs. Sie können in die digitale Datenbank eingearbeitet werden. Offensichtli- che Lücken gibt es etwa für die Gebiete Ostpreußen und Schlesien. Auch über das Schicksal jüdischer Emigranten, die aus den besetzten deutschen Gebieten deportiert wurden, ist noch sehr wenig bekannt.

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