Günter Morsch

»Nicht aus der Verpflichtung entlassen«

Herr Morsch, am 27. Januar wird wie jedes Jahr an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert. Ist dieser Tag auch ein besonderer für NS-Gedenkstätten?
morsch: Unbedingt. Ich habe den Eindruck, dass an diesem Tag engagiert und auf vielfältige Weise an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird. Es gab ja die Befürchtung, dieser Gedenktag werde rasch in Ritualen erstarren. Das scheint zumindest gegenwärtig nicht der Fall zu sein.

An diesem Tag wird gerne die Bedeutung der authentischen Orte als wichtiger Pfeiler der Erinnerung betont. Was ist mit den übrigen 364 Tagen im Jahr?
morsch: Die Wirklichkeit der authentischen Orte kann und darf sich nicht in einem Tag der Erinnerung erschöpfen. Im Gegenteil. Die Arbeit der Gedenkstätten ist im Alltag geprägt von Einzel- und Gruppenbesuchern, pädagogischen Projekttagen, Diskussionen, Lesungen und Ausstellungen. Diese Orte haben sich zu zeithistorischen Museen mit einem besonderen Bildungsauftrag weiterentwickelt. Mit Erfolg. Jedes Jahr besuchen Millionen Menschen die Gedenkstätten. Und die Zahl steigt.

Immer wieder ist zu hören, dass die Gedenkstätten finanziell ungenügend ausgestattet sind. Wo hapert es denn?
morsch: Wir haben von Anfang an gesagt, dass Gedenkstätten zu vergleichbaren Institutionen, zum Beispiel Museen, »aufschließen« müssen. Vieles hat sich verbessert. Aber die Gedenkstätten sind weiterhin »unterprivilegiert«, was etwa die Personal- und Sachausstattung betrifft. Das heißt, die meisten, vor allem die kleinen Gedenkstätten, arbeiten nach wie vor auf einem beklagenswert niedrigen finanziellen Niveau.

Könnten nicht private Spender die Lücke füllen, die durch klamme öffentliche Haushalte entstehen?
morsch: Wir erhalten seit Jahren Spenden. In der Regel sind es einfache Privatleute, die zehn, 20 oder auch mal 100 Euro zur Verfügung stellen. Großspender gibt es nur ganz vereinzelt. Wie auch? Wir haben es mit einer negativ besetzten Geschichte zu tun. Mit dieser Geschichte kann man nicht werben. Aber wichtig ist ohnehin etwas ganz anderes: Wir dürfen den Staat und die Gesellschaft nicht aus ihrer Verpflichtung für diese Orte entlassen. Diese Orte sind das Ergebnis von Staatsverbrechen. Und die Verbrechen sind das Produkt eines Großteils der Gesellschaft.

Mit dem Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten sprach Christian Böhme.

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026

Desinformation

Was steckt hinter dem International Burke Institute?

Die KI-Firma OpenAI hat nach eigenen Angaben eine verdeckte russische Beeinflussungskampagne aufgedeckt, die sich als israelisch inszeniert haben soll

 26.08.2026

Würdigung

Hamburg ehrt Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini

In der Hansestadt gibt es künftig eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina-Mahsa-Amini-Park

 24.08.2026

Schweden

Im Wahlkampf mit dem Davidstern

Simona Mohamsson ist Schwedens Bildungs- und Integrationsministerin und Vorsitzende der Liberalen. Jetzt überraschte die Tochter muslimischer Einwanderer mit einer deutlichen Geste

von Michael Thaidigsmann  19.08.2026

Nahost

Israel soll Militärflugplatz in Nordsyrien attackiert haben

Israel hat seit dem Umsturz wiederholt auch Ziele in Syrien ins Visier genommen. Nun wird ein erneuter Angriff gemeldet. Der US-Sondergesandte für Syrien übt deutliche Kritik

 18.08.2026

Vandalismus

Deportationsmahnmal in Berlin beschmiert

Das Denkmal an der Putlitzbrücke soll an die über 30.000 Juden erinnern, die zu NS-Zeiten vom benachbarten Moabiter Güterbahnhof aus in Konzentrationslager deportiert wurden

 18.08.2026

Sachsen-Anhalt

Gericht: AfD-Mitgliedern kann Waffenbesitzkarte entzogen werden

Mitglieder und Unterstützer der AfD in Sachsen-Anhalt haben gegen den Entzug ihrer Waffenbesitzkarte geklagt. Das Verwaltungsgericht Magdeburg wies die Klage ab. Nun entschied das Oberverwaltungsgericht.

 10.08.2026

Potsdam

Jüdische Gelehrsamkeit in berühmter Schlösserlandschaft - Rabbinerseminare im Wandel

Vor fünf Jahren wurde das Europäische Zentrum Jüdischer Gelehrsamkeit eröffnet - mit Rabbinerseminaren und einer Synagoge. Seitdem hat sich in der Rabbinerausbildung viel verändert. Wie geht es weiter?

von Leticia Witte  10.08.2026

Islamismus

Tagesspiegel-Vorwürfe gegen Karoline Preisler: Nun antwortet die FDP-Politikerin

Hatte sie einen jungen Mann wegen einer Vornamensgleichheit zu Unrecht als CSD-Attentäter verdächtigt? Preisler widerspricht und beklagt, die Zeitung habe sie nicht zu Wort kommen lassen

 30.07.2026 Aktualisiert