Im Westjordanland ist es erneut zu massiver Gewalt radikaler israelischer Siedler gekommen. Mehr als 100 Extremisten waren nach Medienberichten an Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt.
Die israelischen Streitkräfte teilten mit, Soldaten und Polizisten seien an einem Einsatz gegen die Randalierer beteiligt gewesen. Diese versuchten demnach, die Rückkehr einer palästinensischen Familie in ihr Haus zu verhindern. Laut der Mitteilung des Militärs war die Rückkehr der Familie vorab koordiniert gewesen.
Drei Polizisten verletzt
Die radikalen Siedler blockierten laut Militärangaben Straßen, setzten Gebäude und Fahrzeuge in Brand und warfen Steine auf die Sicherheitskräfte. Dabei seien drei Polizisten verletzt worden. Zwei der Randalierer seien festgenommen worden.
Nach palästinensischen Medienberichten setzten die Angreifer auch das Haus der palästinensischen Familie in Brand, die zurückkehren wollte. Ein Gericht hatte demnach zuvor der Klage der Familie stattgegeben und Siedler angewiesen, das von ihnen besetzte Haus zu verlassen. Die Extremisten hatten die Familie zuvor den Berichten zufolge über längere Zeit hinweg bedrängt. Die Zeitung »Times of Israel« berichtete, der neue Angriff habe die Rückkehr der Familie verhindert.
Israels Führung verurteilt Siedlergewalt
Der israelische Staatspräsident Izchak Herzog verurteilte die Angriffe und sprach von schwerwiegenden Gewalttaten. Diese seien ein »moralischer Makel und ein Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit«. Sie müssten mit der vollen Härte des Gesetzes geahndet werden, forderte er.
Auch der israelische Außenminister Gideon Saar verurteilte den Vorfall als »schwerwiegend und verabscheuungswürdig«. Es seien Untersuchungen eingeleitet worden und er bestärke die Ermittler darin, die Randalierer vor Gericht zu bringen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er forderte eine Bestrafung der Randalierer mit der »vollen Härte des Gesetzes«. Gleichzeitig sprach er von einer kleinen Gruppe von Unruhestiftern, die nicht »die gesetzestreuen Siedler« im Westjordanland repräsentierten und diesen großen Schaden zufügten.
Auch der ehemalige IDF-Generalstabschef und Vorsitzende der Oppositionspartei Jaschar, Gadi Eisenkot, reagierte mit einem Beitrag auf X: »Die schwerwiegenden Vorfälle, die sich heute Nacht im Dorf Dschalud ereignet haben, lösen Abscheu aus. Ich verurteile sie aufs Schärfste.«
»So sehen Anarchie und Kontrollverlust aus, die unter der aktuellen Regierung ein neues Ausmaß erreicht haben.« Gadi Eisenkot, Netanjahu-Herausforderer und ehemaliger Generalstabschef
Diese Kampagne aus »Terror und Gewalt – einschließlich Steinwürfen, Brandstiftung und Übergriffen – ist weder moralisch noch jüdisch; sie schadet der Sicherheit aller Bewohner sowie der Arbeit der Sicherheitskräfte«, schrieb er weiter.
Eisenkot kritisierte auch die Regierung scharf für ihr politisches Versagen: »So sehen Anarchie und Kontrollverlust aus, die unter der aktuellen Regierung ein neues Ausmaß erreicht haben. Diese Realität, in der jeder tut, was er für richtig hält, ist kein bloßer Fehler oder Versehen, sondern die direkte Folge einer gefährlichen Politik. Einer Politik, die die Region in Brand setzt, den Bewohnern schadet und die Einsatzkräfte der Sicherheitsorgane bei der Ausübung ihrer Pflichten gefährdet.«
Lage weiter verschärft
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg weiter verschärft. Immer wieder kam es zu Angriffen palästinensischer Terroristen, bei denen Israelis ermordet oder verletzt wurden. Nach Angaben des Außenministeriums in Jerusalem waren es seit dem 7. Oktober 2023 Hunderte Terroranschläge.
Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet. Auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat deutlich zugenommen. ja/dpa