Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)
Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26) Foto: picture alliance / AP Photo/Leo Correa

Im Westjordanland ist es erneut zu massiver Gewalt radikaler israelischer Siedler gekommen. Mehr als 100 Extremisten waren nach Medienberichten an Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt.

Die israelischen Streitkräfte teilten mit, Soldaten und Polizisten seien an einem Einsatz gegen die Randalierer beteiligt gewesen. Diese versuchten demnach, die Rückkehr einer palästinensischen Familie in ihr Haus zu verhindern. Laut der Mitteilung des Militärs war die Rückkehr der Familie vorab koordiniert gewesen. 

Drei Polizisten verletzt

Die radikalen Siedler blockierten laut Militärangaben Straßen, setzten Gebäude und Fahrzeuge in Brand und warfen Steine auf die Sicherheitskräfte. Dabei seien drei Polizisten verletzt worden. Zwei der Randalierer seien festgenommen worden. 

Nach palästinensischen Medienberichten setzten die Angreifer auch das Haus der palästinensischen Familie in Brand, die zurückkehren wollte. Ein Gericht hatte demnach zuvor der Klage der Familie stattgegeben und Siedler angewiesen, das von ihnen besetzte Haus zu verlassen. Die Extremisten hatten die Familie zuvor den Berichten zufolge über längere Zeit hinweg bedrängt. Die Zeitung »Times of Israel« berichtete, der neue Angriff habe die Rückkehr der Familie verhindert.

Israels Führung verurteilt Siedlergewalt

Der israelische Staatspräsident Izchak Herzog verurteilte die Angriffe und sprach von schwerwiegenden Gewalttaten. Diese seien ein »moralischer Makel und ein Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit«. Sie müssten mit der vollen Härte des Gesetzes geahndet werden, forderte er. 

Auch der israelische Außenminister Gideon Saar verurteilte den Vorfall als »schwerwiegend und verabscheuungswürdig«. Es seien Untersuchungen eingeleitet worden und er bestärke die Ermittler darin, die Randalierer vor Gericht zu bringen. 

Lesen Sie auch

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er forderte eine Bestrafung der Randalierer mit der »vollen Härte des Gesetzes«. Gleichzeitig sprach er von einer kleinen Gruppe von Unruhestiftern, die nicht »die gesetzestreuen Siedler« im Westjordanland repräsentierten und diesen großen Schaden zufügten. 

Auch der ehemalige IDF-Generalstabschef und Vorsitzende der Oppositionspartei Jaschar, Gadi Eisenkot, reagierte mit einem Beitrag auf X: »Die schwerwiegenden Vorfälle, die sich heute Nacht im Dorf Dschalud ereignet haben, lösen Abscheu aus. Ich verurteile sie aufs Schärfste.«

»So sehen Anarchie und Kontrollverlust aus, die unter der aktuellen Regierung ein neues Ausmaß erreicht haben.« Gadi Eisenkot, Netanjahu-Herausforderer und ehemaliger Generalstabschef

Diese Kampagne aus »Terror und Gewalt – einschließlich Steinwürfen, Brandstiftung und Übergriffen – ist weder moralisch noch jüdisch; sie schadet der Sicherheit aller Bewohner sowie der Arbeit der Sicherheitskräfte«, schrieb er weiter.

Eisenkot kritisierte auch die Regierung scharf für ihr politisches Versagen: »So sehen Anarchie und Kontrollverlust aus, die unter der aktuellen Regierung ein neues Ausmaß erreicht haben. Diese Realität, in der jeder tut, was er für richtig hält, ist kein bloßer Fehler oder Versehen, sondern die direkte Folge einer gefährlichen Politik. Einer Politik, die die Region in Brand setzt, den Bewohnern schadet und die Einsatzkräfte der Sicherheitsorgane bei der Ausübung ihrer Pflichten gefährdet.«

Lage weiter verschärft

Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg weiter verschärft. Immer wieder kam es zu Angriffen palästinensischer Terroristen, bei denen Israelis ermordet oder verletzt wurden. Nach Angaben des Außenministeriums in Jerusalem waren es seit dem 7. Oktober 2023 Hunderte Terroranschläge.

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet. Auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat deutlich zugenommen. ja/dpa

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026