Bella Zchwiraschwili

»Können Sie den Namen bitte buchstabieren?«

von Christine Schmitt

Dieser Name. »Kaum einer kann meinen Nachnamen auf Anhieb richtig aussprechen«, lacht Bella Zchwiraschwili, »und schreiben ist noch viel schwieriger«. Sie hingegen könne ihn im Schlaf buchstabieren – so oft musste sie ihn immer wieder bei ihrem Dienst in der Gemeindeverwaltung wiederholen. Doch nun gehört das ihrer Vergangenheit an – nicht das Namenbuchstabieren, sondern die Arbeit in der Gemeinde. Sie hat ihren Schreibtisch in der Fasanenstraße geräumt. »Ich mache mich selbstständig und möchte jüdische Veranstaltungen, Gedenkfeiern und Events organisieren«, sagt die 31-Jährige.
14 Jahre lang saß sie im Sekretariat des jeweiligen Vorsitzenden, in den letzten Monaten kümmerte sie sich vorwiegend um das Kulturmanagement der Gemeinde.
Ihre Begeisterung für Organisation und Schreibtischarbeit fing eigentlich schon früh an, denn schon ihr Kinderzimmer hatte sie bereits als Büro eingerichtet. Als Dreijährige war sie mit ihrer Familie aus Israel, Beer Schewa, nach Berlin gekommen. Ihr Vater stammt ursprünglich aus Georgien, ihre Mutter aus der Ukraine. »Ich bin ein Kind der Gemeinde«, sagt Bella Zchwiraschwili. Da ihre Eltern beide ar-
beiteten, war sie stets im Jugendzentrum und den Machanot mit dabei. Ihre Ausbildung als Bürokauffrau begann sie in der Gemeindeverwaltung als 16-Jährige und durfte gleich nach kurzer Zeit im Büro des damaligen Vorsitzenden Andreas Nachama mitarbeiten. Auch mit seinen Nachfolgern Alexander Brenner, Albert Meyer und Gideon Joffe habe sie sich »immer super« verstanden. Zu ihren Aufgaben gehörte
unter anderem die Organisation von Fes-ten wie dem Chanukka-Ball und Gedenkveranstaltungen wie der am 9. November. Auch um die Feiern anlässlich der jährlichen Verleihung des Heinz-Galinski-Preises musste sie sich kümmern. Ob Einladungskarten verschicken, Techniker ein-
weisen, Laudatoren betreuen, Sitzordnung entwerfen oder für Aschenbecher sorgen – Bella Zchwiraschwili hatte alles im Griff. Etliche Persönlichkeiten habe sie so bei ihrer Arbeit kennengelernt. An ihren erste VIP erinnert sie sich besonders gerne, das war Steven Spielberg, der zu einer Gedenkveranstaltung nach Berlin gekommen war. Sie war damals erst ein paar Wochen in der Ausbildung – und durfte den berühmten Regisseur schon betreuen. »Ihre« größte Veranstaltung sei die Eröffnung des Chabad-Bildungszentrums in der Münsterschen Straße vor einigen Wochen gewesen, bei der sie noch als ehrenamtliche Helferin das Straßenfest auf die Beine stellte und die Ehrengäste mit betreute. Zum Straßenfest seien immerhin mehr als 4.500 Menschen gekommen und allein über 25 Botschafter waren beim offiziellen Festakt anwesend.
Ihr Arbeitsplatz liegt nun im Coffee- Shop, wohin sie ihre ganzen Unterlagen und ihr Handy immer mitschleppt. »Ich mag es, dort zu denken und zu planen.« Aber nun hofft sie, bald ein richtiges Büro zu finden. Sie ist sich sicher, das Richtige gemacht zu haben. Vier Aufträge habe sie bereits in der Tasche, davon eine Hochzeit und eine Barmizwa. Bei ILI, »I like Israel«, werde sie sich weiter engagieren und auch ihre ehemaligen Kollegen gerne unterstützen, wenn Hilfe gebraucht wird.
In ihrem neuen Firmenlogo (bellaZ.-events) ist nur noch der Anfangsbuchstabe ihres Nachnamens, das Z, übrig geblieben. »Aber weil früher etliche Anrufer sich den Namen buchstabieren lassen mussten und wir auf diesem Weg auch ins Gespräch kamen, sind viele Kontakte entstanden. Mittlerweile sind es meine Auftraggeber«, sagt sie.

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026

Reisen

Lufthansa setzt weiterhin viele Nahost-Flüge aus

Flüge nach Tel Aviv, Teheran und in andere Städte bleiben ausgesetzt. Lufthansa reagiert weiter auf die Lage im Nahen Osten – Charterflüge für Rückholaktionen laufen jedoch weiter.

 09.03.2026

Südlibanon

Zwei israelische Soldaten bei Hisbollah-Angriff getötet

Nach einer vorläufigen Untersuchung der israelischen Armee begann der Vorfall, als ein Panzer während eines Einsatzes stecken blieb

 08.03.2026

Washington

USA intervenieren gegen mögliche Russland-Hilfe für den Iran

Sondergesandter Steve Witkoff kritisiert Moskau dafür, dass es Teheran im Krieg zu unterstützen scheint

 08.03.2026

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026