Berlin

Israel würdigt Hans Söhnker und Heinz Gützlaff

Israels Botschafter Jeremy Issacharoff (r.) überreichte den Familienangehörigen von Heinz Gützlaff und Hans Söhnker die Urkunden und Medaillen. Foto: Uwe Steinert

Am Mittwoch hat der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff den Juristen Heinz Gützlaff (1905–1961) und den Schauspieler Hans Söhnker (1903–1981) posthum als »Gerechte unter den Völkern« geehrt. Der Gerettete war Kurt Hirschfeldt (1898–1971), ein Cousin von Walter Frankenstein.

Hirschfeldt musste seine Orthopädie-Praxis bereits 1936 in Königsberg aufgeben und nach Berlin ziehen, wo er als sogenannter Judenbehandler nur noch Juden medizinisch versorgen durfte.

HILFE Als er 1942 von seiner bevorstehenden Deportation erfuhr, tauchte er unter und überlebte, dank der Hilfe seiner späteren Ehefrau Edith Berlow sowie durch die Hilfe von Hans Söhnker und Heinz Gützlaff. Söhnker, der Schauspieler war, ließ ihn in seinem Wochenendhaus am Wünsdorfer See wohnen.

Walter Frankenstein erinnert sich gerne an Söhnker. Als er – ebenfalls untergetaucht – keine Schuhe mehr hatte, ging Frankenstein zu ihm und hoffte auf Hilfe. Söhnker gab ihm den Abholschein und sagte, er solle seine Schuhe vom Schuster abholen – was Frankenstein auch tat. Später stellte er fest, dass der Name des Schauspielers unter der Sohle stand.

Heinz Gützlaff hatte Kurt Hirschfeldt seine Kennkarte überlassen, die mit seinem Foto versehen war. Gützlaff gab sie als verloren an und ging damit ein großes Risiko ein, erzählte Sandra Witte, Mitarbeiterin der Israelischen Botschaft.

zwangsarbeit Gützlaffs Tochter, Kathrin Reiher, berichtete von ihren Eltern. Ihre Mutter wurde als sogenannte Halbjüdin eingestuft und musste Zwangsarbeit leisten. Nach einem kleinen Unfall, ging sie zu Hirschfeldt, ließ sich behandeln und erzählte ihm, dass sie schwanger von einem »Arier« sei, nämlich Heinz Gützlaff. Da es unmöglich war, in dieser Zeit den Namen des »arischen« Vaters anzugeben, bot ihr der Arzt an, dass sie seinen Namen nutzen könne.

Die Schauspielerin Anneke Kim Sarnau konnte vor Rührung kaum sprechen, nachdem sie die Urkunde für Hans Söhnker entgegengenommen hatte. »Ich habe ja nichts getan, außer einen tollen Menschen in meiner Familie zu haben.« Ihr Urgroßonkel hätte gezeigt, dass es wichtig sei, Haltung zu haben, und dass bestimmte Dinge nicht gehen. Sie richtet einen Appell an die Schüler der Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule, die auch zur Zeremonie eingeladen waren. »Überlegt, wie ihr leben möchtet. Passt auf und haut den Älteren eines auf die Mütze, wenn sie Mist bauen.«

HELFER Die Gedenkstätte Yad Vashem erinnert an die Schicksale von sechs Millionen Juden, und sie würdigt mit dem Programm »Gerechte unter den Völkern« die Helfer. Mehr als 1700 Juden hatten während der Schoa untergetaucht in Berlin überlebt, was nur durch die Helfer möglich war.

Hans Söhnker habe gesagt, dass er nicht gerne über seine guten Werke rede, »aber man muss sie aus der großen Masse der Täter herausheben«, so Sandra Witte. Er war eine Person des öffentlichen Lebens, stand im Scheinwerferlicht und drehte Unterhaltungsfilme. Und: Er versteckte Juden.

Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, betonte, dass diese Tage alle im Zeichen des Novemberpogroms stehen, aber dass es auch Deutsche gab, die Juden geholfen haben. Und dass es wichtig sei, dies auch zu zeigen.

Walter Frankenstein wird nicht müde, in Yad Vashem Anträge für »Gerechte unter den Völkern« einzureichen, sodass die Schicksale von Helfern und jüdischen Überlebenden immer wieder aus der Vergessenheit an die Öffentlichkeit geholt werden. Mittlerweile ist Frankenstein 94 Jahre alt und recherchiert bereits für einen weiteren Antrag. »Aber ich habe keine Zeit mehr«, gibt er zu bedenken.

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026