Verletzte Palästinenser

»Insel der Normalität«

»Insel der Normalität«

Verletzte Palästinenser werden in Israel kostenlos behandelt

von Sabine Brandes

Ahmad ist erst Mitte 20. Doch fast wäre sein Leben schon zu Ende gewesen. Vor etwa zwei Wochen geriet der junge Palästinenser während der Kämpfe im Gasastreifen zwischen Hamas und Fatah in die Schusslinien. Kugeln zerfetzen sein Bein. In Gasa konnte ihm niemand helfen, die medizinische Versorgung ist am Rande des völligen Zusammenbruchs. Ahmads Zustand war kritisch – es waren die Israelis, die sein Leben retteten. Zwar musste sein Bein amputiert werden, doch Ahmad lebt.
In den letzten Tagen sind immer wieder verletzte Palästinenser in israelische Kliniken transportiert worden. Palästinensische Krankenwagen bringen sie bis zum Grenzübergang Erez, wo sie zunächst notdürftig von den Freiwilligen der »Ärzte für Menschenrechte« versorgt werden. Die schweren Fälle werden in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. »Ein rein humanitärer Akt«, sagt Lea Malul, Pressesprecherin des Medizinischen Zentrums Barzilai in Aschkelon, wo derzeit neun Palästinenser versorgt werden. Weitere liegen im Soroka-Hospital von Tel Aviv. Ständig kommen mehr.
Seit Beginn der zweiten Intifada besteht keine Verbindung mehr zwischen dem israelischen und palästinensischen Gesundheitswesen. Davor habe es eine teilweise sehr gute Zusammenarbeit gegeben, so Malul. »Immerhin haben wir das Al-Schifa-Krankenhaus in Gasa mit aufgebaut.« Derzeit besteht die einzige Kommunikation über die Patienten. Die meisten von ihnen kommen mit Schusswunden. Außerdem sind sie allgemein in schlechtem gesundheitlichen Zustand, weil die Verletzungen zu Anfang nicht ordentlich versorgt wurden. Viele leiden unter Infektionen. Und sie kommen ohne Geld. Da das Barzilai ein öffentliches Krankenhaus ist, zahlt der Staat Israel am Ende die Kosten für die Behandlung der Palästinenser. Ohne genau zu wissen, um wen es sich eigentlich handelt. Vielleicht ist jemand dabei, der ein Attentat gegen Juden plant?
Ja, das könne sein, gibt Malul zu bedenken, »doch hier im Krankenhaus sind es für uns nur Menschen«. Fast alle werden von Angehörigen begleitet, die Israel ebenfalls ins Land lässt. Das Barzilai organisiert für sie Unterkunft und Verpflegung in Hotels sowie zweimal täglich den Transport vom Krankenhaus hin und zurück. Auch das auf Kosten des israelischen Staates. Zudem schickt er fast täglich Tonnen von Hilfsgütern in den Gasastreifen.
Nicht nur, dass sich Israel um die Schwerverletzen und ihre Angehörigen kümmert, der Staat sorgt sich auch darum, was mit ihnen geschieht, wenn sie das Krankenbett verlassen. Malul: »Wir können die Fatah-Leute nicht nach Gasa zurückschicken, es wäre ihr Todesurteil. Also arbeiten wir mit der Armee zusammen, die ihnen Einreisevisa für Ramallah im Westjordanland ausstellt. Dort sind sie sicher.« Die Sprecherin ist stolz auf die Belegschaft: »Für uns geht es um die Patienten, die Politik bleibt draußen.« Im Barzilai liegen Menschen aus Sderot, die von palästinensischen Kassam-Raketen verletzt wurden, Seite an Seite mit Palästinensern. Verrückt findet Malul das nicht: »Unser Krankenhaus ist eine Insel der Normalität.«

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026