trauer

»Inbegriff eines Menschen«

Ein liebenswerter, seelenvoller, ein guter Mensch ist von uns gegangen.» Dies waren die Worte von hunderten Gemeindemitgliedern, die um Nathan Kalmanowicz sel. A. trauern. Verehrte Frau Kalmanowicz, liebe Cilly, lieber Sigi, lieber Sammy, lieber Harry, lieber Benjamin, liebe Melanie – Prinzessin hat Dich dein g’ttseliger Vater liebevoll genannt. Von allen Grenzen, die dem Menschen gesetzt sind, ist der Tod die endgültige. Wenn unser Verstand auch in der Lage ist, vieles zu erfassen, diese Grenze vermag er nicht zu überschreiten.
Wenn ich die Empfindungen wiedergeben soll, die uns hier erfüllen, dann ist dies die tiefe Trauer um den Tod von Nathan Kalmanowicz sel. A. Das ganze Ausmaß werden wir erst dann begreifen, wenn sich die Bestürzung über sein plötzliches Ableben gelegt haben wird und uns bewusst wird, dass er nicht mehr in unserer Mitte ist. Wir alle sind zutiefst erschüttert.

Tapfer Es kam für einige leider nicht unverhofft, aber für viele von uns unerwartet und plötzlich. Nathan trug den Schicksalsschlag seiner schweren Erkrankung tapfer und mit viel Würde, vor der wir nur höchste Ehrerbietung haben können. Nathan ist vor seiner Zeit aus unserer Mitte herausgerissen worden. Er ist für uns der Inbegriff eines Menschen, der abberufen wurde, bevor er all die Möglichkeiten, die noch in seinem Leben verborgen lagen, verwirklichen und zu Ende leben durfte. Wie viele Möglichkeiten tragen wir zu Grabe in Erez Israel! Eine Zukunft, ein noch nicht zum Abschluss gelangtes Leben ist von uns gerissen worden. Ein Leben, das noch eingebunden war in eine Familie, eingebunden in die Ausbildung der Kinder, eingebunden in eine Gemeinde und in Ehrenämter im Zentralrat der Juden in Deutschland, die alle voller Erwartung auf ihn und seine weitere Zukunft blickten. Es war Nathans großer Wunsch, die ihm zur Verfügung stehende Kraft zum Wohle aller zu verwenden, zum Nutzen derer, mit denen er sich verbunden fühlte, und vor allem auch für den Staat Israel. Wie viele Verdienste konnte er in seinem Leben erlangen. Wie reich hat er uns mit seinem offenen Wesen beschenkt. Seine Tätigkeit im Präsidium des Zentralrates, im Gemeindevorstand, in seinen Ehrenämtern war überzeugend und verantwortungsvoll. Trotz seiner schweren Erkrankung widmete sich Nathan mit größter Hingabe und Überzeugung seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Durch sein starkes Engagement insbesondere im Kultusbereich des Präsidiums des Zentralrates, im European Council of Jewish Communities und als Vertreter der Misrachi-Bewegung sind ihm Vermittlung und Erhalt religiöser Werte ein Herzensanliegen gewesen.

Tradition Nathan Kalmanowicz entstammte einer religiösen Familie. Er hatte eine profunde jüdische Bildung und ein – beinahe scheint es unerschöpfliches – Wissen um unseren Glauben und die Traditionen des jüdischen Volkes. Nur Nathan hatte die Gabe, 40 Rabbiner verschiedenster Richtungen im Zentralrat auf eine gemeinsame Linie zu bringen. Ihm ist es zu verdanken, dass die Orthodoxe Rabbinerkonferenz in Deutschland und die Allgemeine Rabbinerkonferenz existieren und hervorragend agieren. Im Erzeiehungs- und Bauwesen der Israelitischen Kultusgemeinde wurde er zu einer der tragenden Säulen unseres Gemeindevorstandes. Durch seine ausgleichende Wesensart wurde er von vielen, auch von mir, als Vizepräsident und als Kollege um Rat gefragt und er gewann das Vertrauen seiner Mitmenschen. Er war einer jener Menschen, die mit einer besonderen Begabung ausgezeichnet sind, nämlich jener, die Sympathie anderer zu finden und die Herzen anderer Menschen zu öffnen. Er verstand es, die Menschen direkt anzusprechen und den tiefsten Kern ihrer Seele zu berühren. Und diese Begabung hat er auch für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten eingesetzt. Er hat es verstanden auszugleichen. Er konnte Konflikte schlichten und er hat die Menschen miteinander ins Gespräch gebracht. Ihm gelang es, was viele übersehen, nämlich im Gegenüber den Wunsch zu erwecken, einen Dialog miteinander zu führen. Er wusste, wie wichtig es ist, zuhören zu können und wie wichtig es ist, mit einer direkten Offenheit miteinander zu diskutieren. In einer Zeit, in der so viele Menschen nur sich selbst reden hören wollen, in der so viele Menschen gerade nicht mehr zuhören wollen, ist dies ein unschätzbarer Verdienst.
Wir sind dankbar und glücklich, dass wir ihn als einen Freund und Vertrauten gewinnen durften und wir wissen, dass wir die Freude, die er uns so großzügig mit auf unseren Weg gab, nicht bemessen können. Wir werden seine intensiven Augen in der Menge suchen und wir werden sie nicht mehr finden. Nathan wird uns allen fehlen, im Präsidium des Zentralrates, in der Israelitischen Kultusgemeinde München. Bis zuletzt hat Nathan gekämpft und ist seiner Familie zur Seite gestanden. Beim Verabschieden dieses zu früh gegangenen Menschen blicken wir voller Mitgefühl auf Sie, liebe Cilly, auf Melanie, auf Harry, Sammy, Sigi und Benjamin und wollen Ihnen allen jede nur erdenkliche Anteilnahme zukommen lassen. Melanie, Harry, Sigi, Sammy und Benjamin, mit großem Stolz und viel Freude hat mir euer Vater von euren wirklich außergewöhnlichen Leistungen in eurem jungen Leben erzählt, zudem ich ja euren g’ttseeligen Vater schon in Eurem jetzigen Alter gut kannte.

Liebe Ich teilte mit ganzem Herzen seine Freude. Euer Vater sel. A. wird jetzt euren Lebensweg in einer anderen Weise begleiten wie bisher. Die Grundlagen seiner hervorragenden Erziehung und Liebe, die er euch gewährte, wird eure Mutter in seinem Sinne fortführen und ihr werdet weiterhin euren erfolgreichen Weg weitergehen. Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in euren und unseren Herzen. Es steht in den Herzen der Mitmenschen, die ihn kannten.
Wir verneigen uns tief vor einem beliebten Menschen, dem wir noch einmal nahe sein dürfen und den wir jetzt begleiten zu seiner letzten Reise nach Erez Israel zu der Grabstätte seiner Eltern in Jerusalem. Möge ihm nach einem Leben voller Energie, gemäß G’ttes Geboten, Frieden in der Ewigkeit vergönnt sein.
Die Seele von Nathan Kalmanowicz sel. A. soll eingebunden sein in das Bündel des ewigen Lebens.

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026