Bat Mizwa

Im Scheinwerferlicht

von Christine Schmitt

Ihr Lieblingsort ist die Bühne. Sängerin will sie werden, sagt Lea Gordin selbstbewusst. Das steht für sie fest. Und daran arbeitet sie auch neben der Schule hart. »Ich konnte als kleines Kind erst singen, dann sprechen«, meint sie und nimmt ein Foto vom Regal in ihrem Zimmer: »Da war ich drei Jahre alt und hatte meinen ersten Auftritt – im Jüdischen Gemeindehaus an der Fasanenstraße.«
Im Scheinwerferlicht stehen ist für sie nichts Außergewöhnliches mehr. Am Wo-
chenende feierte sie ihre Bat Mizwa in der Synagoge Pestalozzistraße und zog auch dort mit ihrer kräftigen und klaren Stimme die Zuhörer in ihren Bann. Ansonsten sind ihre Wochenenden mit Castingshows und Auftritten verplant. Erst kürzlich war sie bei einem Casting eines privaten Fernsehsenders. »Da fragte mich jemand, ob ich nicht die Lea von Kika sei«, berichtet sie stolz.
Denn sie war in diesem Jahr bei »Ki.Ka live – Beste Stimme 2008« dabei und schaffte auf Anhieb den vierten Platz. Mehr als 650 Mädchen und Jungen hatten sich mit einem Video beim Kinderkanal be-
worben – und Lea kam in die engere Auswahl. Mit sieben anderen Kandidatinnen wurde sie nach Erfurt eingeladen, wo der Fernsehsender seinen Sitz hat. »Das war toll«, so der kurze Kommentar der Zwölfjährigen, die zurückhaltend und ruhig wirkt. Über zwei Wochen flimmerte die Show über die Mattscheibe. Mehr als 11 Prozent der Zuschauer von 10 bis 13 Jahren verfolgten Abend für Abend den Contest, heißt es bei der Marketingabteilung des Kanals. Und beim Finale registrierte der Sender um die 40.000 Telefonanrufe, die über die beste Stimme abstimmten. »Ich war schon etwas aufgeregt«, meint die Zwölfjährige nüchtern. Zwei Proben gab es vor jeder Show, dann wurde es ernst und sie musste zeigen, wie gut sie die Songs interpretieren kann. Als sie dann das Finale knapp verpasste, war sie allerdings doch sehr enttäuscht. »Du bist ein Supertalent, mit einer warmen, großen Stimme«, tröstete das Musikerpaar Kate und Ben, die die Kandidatinnen betreuten und gleichzeitig der Jury angehörten.
In den zwei Wochen habe Lea viel gelernt – wie sie sich besser auf der Bühne bewegen kann, wo sie noch an der Stimme und der Interpretation feilen müsste und welche Klamotten ihr stehen und gut zusammenpassen. Dass sie für die Show herausgestylt wurde, hatte ihr mit am besten gefallen. Aber im Alltag zieht sie doch lieber Jeans und T-Shirt an. »Wir wurden total nett bei Kika betreut. Es waren überhaupt alle freundlich und lustig«, sagt sie. Die Kinder hatten zusammen in einem Hotel gewohnt. Mit der Gewinnerin des Wettbewerbs, der elfjährigen Kathrin, hat sie sich prompt angefreundet.
Als Kind lernte Lea bereits Klavier spielen – aber da sei die Begeisterung doch ge-
ring gewesen. »Ich will singen, nichts an-
deres«, sagt sie. Seit zweieinhalb Jahren nimmt sie deshalb mehrmals wöchentlich Gesangsunterricht. Ihr Schwerpunkt ist Soul und Popmusik. Den Klavierdeckel lässt sie hingegen verschlossen. Poster von Sarah Connor und Christina Aguilera hängen in ihrem rosa gestrichenen Zimmer an den Wänden und der Tür. Justin Timber-lake findet sie super und die Boygroup Asphalt ebenfalls. Ein eigenes Lied zu komponieren hatte sie auch schon mal angefangen, aber dann doch erst einmal auf Eis gelegt. Stattdessen gibt es einen Komponisten, Brendan Stone, der ihr einen Song geschenkt und das Nutzungsrecht eines weiteren Liedes überlassen hat.
»Lea ist sehr fleißig – nicht nur mit dem Singen – und ehrgeizig im guten Sinne«, sagt ihre Mutter Susanna Gordin über sie. Lea wolle immer alles genau und richtig machen. »Ich kann aber auch ganz schön zickig sein«, sagt die Zwölfjährige über sich, deren Verwandte überwiegend in den USA leben. Nur ihre Mutter zog es vor 20 Jahren nach Berlin, und sie ist die Einzige, die in Deutschland lebt. »Wenn wir auch in Amerika leben würden, hätte ich schon längst Karriere gemacht«, sagt Lea unzufrieden. Immerhin habe ihr Dieter Bohlen bei einem »Kiddy Contest« bescheinigt, dass sie eine gute Stimme habe.
Demnächst wird sie erst einmal bei einem russisch-deutschen Festival in Karlshorst auf der Bühne stehen und dann muss sie warten, ob sie zur Castingshow des privaten Fernsehsenders eingeladen wird. Und in vier Jahren, wenn sie dann endlich 16 Jahre alt ist, will sie bei »Deutschland sucht den Superstar« mitmachen. Das ist ihr nächstes großes Ziel – »wenn ich bis dahin nicht schon entdeckt worden bin«.

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