Shirin Ebadi

»Im Iran gibt es ein großes Potenzial für Veränderung«

Frau Ebadi, US-Präsident Barack Obama hat vor Kurzem dem Regime Teheran das Gespräch angeboten. Wie sollte der Westen dem Iran begegnen?
ebadi: Im Iran lebt nicht nur Herr Ahmadinedschad. Das ist wichtig zu wissen, wenn der Präsident mal wieder den Holocaust leugnet. Wer die iranische Geschichte eingehend studiert, wird feststellen, dass das Land immer ein sicherer Ort für Juden gewesen ist. Es hat niemals Probleme zwischen Iranern und den Juden im Land gegeben. Das ist heute nicht anders. Das Judentum ist als offizielle Religion anerkannt. Wenn Sie hören, dass im Iran Gliedmaßen abgehackt werden, sollte Ihnen klar sein, dass das gesamte Volk gegen solche Strafen ist. Nehmen Sie nicht das, was der Staatschef sagt, als Grundlage dafür, wie der Iran beurteilt werden muss. Studieren Sie lieber die iranische Literatur und Geschichte. Das sollte Ihr Maßstab sein.

Was ist der Grund für die Schwierigkeiten zwischen Iran und Israel?
ebadi: Das Hauptproblem ist der Streit zwischen Israel und den Palästinensern. Es gab vor Jahren in Oslo Friedensgespräche zwischen beiden Völkern. Wenn man diese Verhandlungen auf eine Formel bringen wollte, könnte man sagen: Land gegen Frieden. Beide Seiten hatten akzeptiert, dass es zwei Staaten geben muss, die in Frieden nebeneinander leben. Es wurde vereinbart, dass bis dahin beide Seiten Ruhe bewahren. Leider wurde dieser Prozess unterbrochen und die Auseinandersetzungen wieder aufgenommen. Schuld waren extremistische Kräfte auf beiden Seiten. Sie wollten alles auf einmal. Die einzige Lösung für den Nahostkonflikt ist aber, dass der Vertrag von Oslo umgesetzt wird. Ich hoffe, dass die Extremisten auf beiden Seiten begreifen, dass es nun reicht mit Krieg und Blutvergießen.
Sie sind selbst praktizierende Muslima. Welche Bedeutung hat der Islam für Sie?
ebadi: Der Islam ist für mich etwas, woran ich glaube. Ich praktiziere ihn. Aber zugleich bin ich der Überzeugung, dass es jedem Menschen möglich sein muss, selbst zu entscheiden, welcher Religion er angehören will. Im Moment wird im Iran heftig über Verfahren gegen die Bahai debattiert. Sieben ihrer höchsten Vertreter sind in Haft, und ich verteidige sie. Alle Menschen sind gleich und haben dieselben Rechte, ungeachtet ihrer Religion.

Auf der Internetseite www.muslima.com waren Sie sowohl mit als auch ohne Kopftuch zu sehen. Ihnen wurde deshalb vorgeworfen, Sie seien »verkommen«. Trifft Sie so etwas?
ebadi: Ich glaube, eine der schlechtesten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann, ist, dass er fanatisch ist. Fanatismus bedeutet, dass man den Kopf zumauert und keine neuen Gedanken reinlässt. Fanatismus ist aber kein spezifisch islamisches Phänomen. Es gibt ihn zum Beispiel auch im Christentum. Sie erinnern sich vielleicht, dass der ehemalige US-Präsident George W. Bush vor einigen Jahren gesagt hat, er habe von Gott den Auftrag erhalten, die Demokratie in den Nahen Osten zu bringen. Fanatismus gibt es jedoch auch bei Juden. Israels Ministerpräsident Rabin, der die Verträge von Oslo unterschrieben hat, wurde von einem Extremisten ermordet. Und in Indien unterdrücken fundamentalistische Hindus andere Religionen.

Mitte des Jahres wird im Iran gewählt. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
ebadi: In Iran gib es ein großes Potenzial für Veränderung. Die Bevölkerung ist sehr jung. Etwa 70 Prozent der Menschen sind unter 30. Ich bin deshalb sicher, dass es grundlegende soziale Veränderungen geben wird. Wir werden eine Gesellschaft bekommen, in der jeder frei ist; in der die Religionszugehörigkeit keine Rolle spielt; in der sich jeder anziehen darf, wie er möchte; in der es keine Diskriminierung gibt. Es wird eine demokratische Gesellschaft sein.

Das Gespräch führte Philipp Engel.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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Müssen US-Unis Informationen über jüdische Mitarbeiter herausgeben?

Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

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