Baden

Im Ausnahmezustand

0von Peter Bollag

Nichts geht mehr in Baden-Baden. In der eher beschaulichen, aber mondänen Kurstadt mit gerade mal 55.000 Einwohnern steht am kommenden Wochenende der Verkehr still. Das nordatlantische Verteidungsbündnis (NATO) feiert sein 60-jähriges Bestehen und bis zu 60 Ministerpräsidenten, allen voran Amerikas Präsident Barak Obama, kommen. In der Stadt herrscht höchste Sicherheitsstufe. 14.000 Polizisten bewachen das Treffen rund um das Kurhaus, denn auch die NATO-Gegner haben aufgerüstet. Auf drei Baden-Badener Einwohner kommt dann ein Polizist.
Gut bewacht ist damit auch die kleine Israelitische Kultusgemeinde von Baden-Baden. Denn das Bethaus der Gemeinde liegt nur wenige Meter entfernt vom Kurhaus, also dort, wo sich die Oberhäupter der Welt am Samstag vormitttag zur ei- gentlichen Jubiläumstagung versammeln werden. Zu gut bewacht, als dass sie einen üblichen Schabbatgottesdienst abhalten könnten. Über das Gebiet legt sich für mehrere Stunden eine Art Sicherheits-Käseglocke. »Wir haben schon vor Monaten entschieden, den Freitagabend- und Schabbatmorgen-Gottesdienst ausfallen zu lassen«, sagt dazu die Gemeindepräsidentin, Astrid Pöschke.
Die Mitglieder, die zur Synagoge kommen möchten, hätten auch gar keine Chance, ihr Ziel zu erreichen. Die Zufahrtswege sind weitgehend blockiert – und nicht alle Mitglieder erreichen die Synagoge wie vorgeschrieben nur zu Fuß. Dazu komme, dass man die Mitglieder nicht irgendeiner Gefährdung aussetzen möchte, so Astrid Pöschke weiter: »Immerhin hat unter anderen auch die rechtsextreme NPD im Vorfeld des Gipfels zu Demonstrationen aufgerufen.«
Eine Verlegung an einen anderen Ort, so die Gemeindevorsitzende, wäre viel zu aufwendig gewesen. Und dann sei es auch unsicher, ob man alle russischsprachigen Mitglieder hätte erreichen können.
Aber ganz verzichten mag man bei der Kultusgemeinde auf den gewohnten Schabbat-Gottesdienst auch während des NATO-Gipfels doch nicht – immerhin handelt es sich um Schabbat Hagadol, den letzten Schabbat vor Pessach.
Deshalb versammelt sich die Kultusgemeinde ausnahmsweise am Schabbat- nachmittag zum Mincha-Gebet – also dann wenn Obama und Co. die Kurstadt schon längst wieder verlassen haben. Hoffentlich sind dann auch alle Absperrgitter beseitigt.

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026