Dani Goldstein

Hinter der Bande

von Elke Wittich

Wenn der Eishockeyklub »Eisbären Berlin« seine Deutschen Meisterschaften zelebriert – in den vergangenen fünf Jahren vier Mal –, dann ist unter den Feiernden auch der Enkel des bekannten jüdischen Widerstandskämpfers Kurt Julius Goldstein (1914–2007). Doch Daniel Goldstein jubelt nicht nur als Fan. Er ist Pressesprecher des Vereins, der in der DDR unter dem Namen »Dynamo« Serienmeister war und seit der Wende in der höchsten Eishockeyliga des Landes mitspielt.
Seine Liebe zum Eishockey entdeckte der heute 32-Jährige schon als Junge. 1985 nahm ihn seine Mutter mit zu einem Europapokalspiel der Dynamos. »Obwohl es eigentlich viel zu schnell für unsere Augen war, sind wir immer aufgesprungen und haben gejubelt, auch wenn der Puck gar nicht im Tor war«, erinnert sich Dani, wie ihn Freunde nennen, und lacht. »Es dauert einfach, bis man sich an die Geschwindigkeit des Eishockeys gewöhnt hat.«
Bis zum Pressesprecher war es dann aber noch ein weiter Weg, der erst einmal in der Fankurve begann. Goldstein fing als Jugendlicher an, auf einer Internet-Fanpage Spielberichte zu schreiben, übernahm dann die Betreuung der Internetseite der Eisbären und machte kurze Liveberichte für den Berliner Rundfunk. 2004 kamen Spielübertragungen im Internet dazu, und als dann vor zwei Jahren ein neuer Pressesprecher gesucht wurde, fiel die Wahl auf das mediale Multitalent. Sein Sport- und Politikstudium hatte Goldstein da schon abgebrochen. Aus Zeitmangel, denn »der Einsatz ist schon sehr hoch«, gibt Goldstein zu. »Durch die Doppelspieltage ist man in der Saison auch an den Wochenenden ständig unterwegs.« Freundin Anne sei zwar »sehr verständnisvoll, aber ich möchte natürlich auch gern Zeit mit der Familie, vor allem mit meiner kleinen Tochter Lilith verbringen.« Mit Blick auf Job und Familie sagt Goldstein: »Ich glaube schon, dass Opa stolz auf mich wäre. Wir haben zwar nie viel über die Arbeit gesprochen, aber er hat doch interessiert meine Eishockeytexte gelesen. Und er war durchaus glücklich, wenn ihm jemand erzählte, dass er mich im Radio gehört hat.«
Wie aber war es, als Enkel eines prominenten jüdischen Kämpfers gegen die Nazis aufzuwachsen? Das Engagement des Großvaters, der Ehrenvorsitzender des Internationalen Auschwitz-Komitees und des Verbandes der Verfolgten des Naziregimes war, gehörte für Goldstein immer dazu. »Ich kann mich erinnern, wie ich als Dreijähriger mit Opa am Ostseestrand entlang spaziert bin und wir dabei gemeinsam ‚Spaniens Himmel‘ gesungen haben«, berichtet der Enkel. »Auch die tätowierte Nummer hatte man natürlich immer vor Augen.«
Dass Kurt Goldstein Jude war, spielte keine Rolle. »In der DDR-Öffentlichkeit stand die Tatsache, dass er Widerstandskämpfer war, im Vordergrund. Und er sagte von sich selbst ja auch, er sei Kommunist und deutscher Jude, in dieser Reihen- folge.« Die Feiertage hätten nie eine Rolle gespielt, »in der DDR nicht, in der Familie nicht.« Für ihn selbst gilt das auch. »Ich bin Atheist und einfach nicht religiös.« An eine Konversion denke er nicht.
Allerdings erfuhr Dani in einem Uni-Seminar über »Juden und Staatsbürgerschaft«, dass er das Recht hätte, nach Israel einzuwandern. Dieser Gedanke gefällt ihm. »Ich habe schon eine sehr hohe Affinität zu Israel, allein schon sportlich, die israelische Fußballnationalmannschaft ist die einzige, die ich wirklich vorbehaltlos anfeuern kann.« Und ein bisschen Hebräisch kann Dani Goldstein auch. »Ich habe von meiner Exfreundin einmal zum Geburtstag einen Kurs in der Jüdischen Volkshochschule geschenkt bekommen.« In Israel lebt ein Teil der Familie. »Ich war schon wieder viel zu lange nicht mehr da«, bedauert der Eisbären-Sprecher, »dabei sauge ich alles geradezu in mich auf, wenn ich dort bin.«
Und wie wäre es, mit dem erworbenen Know-How dem israelischen Eishockey zu helfen? Goldstein lacht und sagt: »Kein Witz, ich hatte mal Kontakt zum israelischen Nationaltrainer, durch unseren ehemaligen Coach Piaget. Über ihn hatte ich dann auch Verbindung zum Verband, aber der Kontakt ist leider eingeschlafen, auch weil meine Hebräischkenntnisse nicht so gut sind.«
Aber Eishockey ist ja auch nicht alles im Leben von Dani Goldstein: »Im politischen Engagement folge ich meinem Großvater nicht so nach, er war da konsequenter, als ich es sein kann«, bedauert er. Gemeinsam mit seinem Vater sucht er jetzt allerdings nach Möglichkeiten, das Engagement von Kurt Goldstein fortzusetzen: »Mein Opa hat viele Schulbesuche gemacht, um mit den Kindern über seine Erlebnisse zu sprechen. Einmal war er sogar in meiner Klasse, und das, was er zu sagen hatte, beeindruckte alle sehr. Die Leute, die als Zeitzeugen berichten können, werden ja nun immer weniger – die Arbeit, die sie nicht mehr machen können, möchte ich gern fortsetzen.«

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