Wie die »Bild«-Zeitung berichtet, hat der jüdische Bildungsverein Hillel alle Termine für seine auf dem Balkon des Rathauses Neukölln geplante Chanukka-Zeremonie abgesagt. Der jüdische Bildungsverein, nach eigenen Angaben die weltweit größte jüdisch-universitäre Studentenorganisation, wurde 2012 auch in Deutschland gegründet. Das jüdische Lichterfest Chanukka beginnt in diesem Jahr am 5. Dezember.
Dem Bericht zufolge ist die Entscheidung eine unmittelbare Folge der Berlin-Wahl vom 20. September. Die hatte die Partei »Die Linke« nicht nur auf Landesebene gewonnen. Auch im Bezirk wurde die Partei stärkste Kraft.
Jeder Dritte wählte am 20. September in Neukölln die Linkspartei, während es berlinweit nur jeder Vierte war. Die Linke hat damit Anspruch auf den Bürgermeisterposten.
Ihr Kandidat Ahmed Abed (45) war im vergangenen Oktober überregional bekannt geworden, als er Tzvika Brot, den Bürgermeister der Neuköllner Partnerstadt Bat Yam in Israel bei dessen Besuch in Berlin als »Völkermörder« beschimpfte. Der 46-Jährige Brot ist Enkel eines Schoa-Überlebenden.
Eine Vertreterin von Hillel teilte nun dem noch amtierenden Bürgermeister Martin Hikel (SPD) mit: »Nachdem nun die Wahlergebnisse vorliegen, möchte ich einen Termin vereinbaren, um die Chanukkia aus den Räumlichkeiten des Rathauses zu entfernen. Wir wollen sie an einem neutralen Ort öffentlich anzünden.«
Hikel trat nicht noch einmal an
Das jüdische Chanukka-Fest war in den vergangenen Jahren dem Bericht zufolge die größte Veranstaltung im Neuköllner Rathaus mit rund 250 Besuchern auch anderer Religionen. Hikel sagte der »Bild«: »Der Schock, dass unsere Chanukkia das Rathaus verlässt, sitzt tief. Mit ihr verlässt das Symbol dafür, dass jüdisches Leben in Neukölln wieder stattfindet, den Bezirk.«
Der SPD-Politiker war bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung nicht noch einmal angetreten, da er nach eigenen Angaben nicht genug Rückhalt in seiner eigenen Partei gespürt hatte.
Hikel hatte in der Vergangenheit immer wieder bedauert, dass Jüdinnen und Juden in Neukölln Probleme hätten, ihren Glauben offen zu zeigen. Mit Kippa müsse eine Person im schlimmsten Fall damit rechnen, angegriffen zu werden – sie könne dabei nicht unbedingt Hilfe von Umstehenden erwarten. Nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 wurden auf der Neuköllner Sonnenallee arabische Süßigkeiten verteilt. ja