Leipzig

Für jeden etwas

»Schalom.« Mit diesem Friedensgruß heißt Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig, die Gäste zur Eröffnung der Jüdischen Woche am Sonntag willkommen. Einander näher- bringen, so sagt Kaufmann, das sei das Ziel des neuen Ariowitsch-Hauses. Und während der Jüdischen Woche gibt es allerlei Gelegenheiten dazu.
Die Leipzigerin Lieselotte Frantzius nutzt gleich die erste Möglichkeit: die Eröffnungsveranstaltung. Sie sei 72 Jahre alt, ihr sei viel Schlimmes über die Juden erzählt worden. Damals! »Jetzt möchte ich ganz unvoreingenommen mit den Leuten ins Gespräch kommen.« Sie sei oft in Bu-
chenwald gewesen, habe sich die Gedenkstätte angeschaut. »Ich finde es toll, dass es hier ein jüdisches Begegnungszentrum gibt«, meinte sie. Zu DDR-Zeiten sei das ein Altersheim gewesen.
Seit acht Jahren ist Zanna Tomko Mitglied der Religionsgemeinschaft. Das Ariowitsch-Haus sei wunderschön. »Ich komme aus Kiew«, sagt sie. Gern komme sie mit Nichtjuden ins Gespräch, erzähle ih-
nen von der Kultur, der Religion,und fügt lachend hinzu: »Ich habe einen langen Atem.«
»Das Ariowitsch-Haus ist ein lebendiges Zentrum der Begegnung, des Austausches und des Miteinanderlernens«, sagt Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung zur Eröffnung vor 250 Gästen. Und es sei ein sichtbares Zeichen der Renaissance des jüdischen Lebens in der Stadt. Gemeinsam habe er mit Küf Kaufmann für dieses Haus gekämpft. Am 15. Mai wurde es eröffnet.
Julien Chabanne stammt aus Frankreich und ist Architekt in Leipzig. Mit Freundin Jaqueline Zeng besuchte er die Jüdische Woche. »Wir haben zufällig davon erfahren«, erzählt Zeng. »Und jetzt wollen wir so viele Veranstaltungen wie möglich mitnehmen.« Schließlich erhoffe sie sich, mehr über das jüdische Leben in Leipzig heute und über die Vergangenheit zu erfahren.
Im Inneren des Ariowitsch-Hauses können Besucher der Zukunft, aber auch der Vergangenheit begegnen. Der Geschichte von Helga Beer beispielsweise. Sie hatte ihr Elternhaus in der Gustav-Adolf-Straße, nur ein paar Meter entfernt von hier. 1939 wurde sie von ihren Eltern über Holland mit der Fähre nach England geschickt. Erst im November 1948 kehrte sie zurück. Sie habe als Kind nie draußen gespielt, steht auf der Erläuterungstafel. Es sei besser gewesen, nicht gesehen zu werden. Linda Polenz

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026