Soldaten

»Friedenssicherung ist kein Abenteuerurlaub«

Herr Kramer, Sie waren vor Kurzem im Kosovo und haben dort auch Bundeswehrsoldaten besucht. Was macht der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Prizren?
kramer: Ich bin Mitglied des »Beirats Innere Führung« beim Bundesminister der Verteidigung. Staatssekretär Christian Schmidt hat mich in dieser Funktion gebeten, an einem Besuch des Bundeswehrkontingents mit Abgeordneten teilzunehmen. Ziel war es, politische Gespräche in Pristina zu führen und sich ein realistisches Bild vom Einsatz unserer Soldaten zu machen. Dies ist gelungen. Ich bin tief beeindruckt.

Welche Rolle spielen deutsche Soldaten als Teil der multinationalen NATO-Friedenstruppe KFOR?
kramer: Die Bundeswehr stellt mit etwa 2.700 Soldaten den größten Verband der NATO-Operation. Sie genießen als Streitkräfte mit militärischem Auftrag und als »Entwicklungshelfer« in Uniform hohes Ansehen, sowohl in der Bevölkerung als auch bei den befreundeten NATO-Partnern.

Das Kosovo gilt auch nach dem Krieg von 1999 als religiös-ethnischer Konfliktherd. Wie beurteilen Sie die Lage?
kramer: Der Friedenssicherungseinsatz im Kosovo ist kein Abenteuerurlaub, wie manch einer in der Heimat denken mag. Eine Ahnung davon, welches Gewaltpotenzial nach wie vor besteht, haben wir erst 2004 bekommen. Die historischen Wurzeln dafür sind vielfältig. Die heutige Anwesenheit der KFOR verschafft eine Atempause und sorgt gegenwärtig für einen kalten Frieden. Angesichts einer Jugendarbeitslosenquote von 75 Prozent und eines fehlenden Gesundheitssystems gibt es noch viel zu tun.

Was kann die jüdische Gemeinschaft dazu beitragen, dass sich das Verhältnis zwischen den ethnischen und religiösen Gruppen verbessert?
kramer: Es gibt im Kosovo keine jüdischen Gemeinden mehr, sehr wohl aber in den übrigen Staaten auf dem Balkan. Ich treffe regelmäßig Besuchergruppen aus Mazedonien oder Bosnien, die sich ein Bild davon machen wollen, wie hier in Deutschland unterschiedliche Religionen zusammenleben und -arbeiten können. Man kann zwar die hiesigen Verhältnisse nicht einfach übertragen. Aber im Bereich der politischen Bildung und gewaltfreien Erziehung können wir mit anderen Partnern wie beispielsweise den Kirchen Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Mit dem Generalsekretär des Zentralrats der Juden sprach Christian Böhme.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Nach der Wahl

Grüne und SPD in Berlin stellen Bedingung für Sondierungen

Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt wollen an diesem Donnerstag erstmals über eine Regierungsbildung sprechen. Es soll sich aber noch nicht um formelle Sondierungsgespräche handeln

 28.09.2026

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026