EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 47 Sitze

Herford-Detmold

Es geht voran

von Alexander Kröger

Eine leichte Brise weht den Geruch von frischem Mörtel über die Baustelle. In der Herforder Komturstraße stehen auf einem Gerüst drei Maurer und schichten Stein auf Stein. Ein vierter Arbeiter bedient den Kran und der fünfte packt weitere Steine auf eine Palette, die der Kran aufs Gerüst hievt. »Die Männer sind fleißig, wir liegen sehr gut in der Zeit«, sagt Harry Rothe, der zufrieden das Geschehen beobachtet.
Die jüdische Gemeinde Herford-Detmold lässt in der ostwestfälischen Stadt eine neue Synagoge errichten – an der gleichen Stelle, an der bis zum Novemberpogrom 1938 eine stand. Rund 1,7 Millionen Euro wird das Projekt voraussichtlich kosten. »Die Finanzierung ist gesichert«, betont Gemeindevorsitzender Rothe. Ein Drittel der Kosten übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen, ein weiteres Drittel die Städte Herford und Detmold gemeinsam mit den Kreisen Herford und Lippe. Rund 390.000 Euro spendeten Gewerbetreibende, Industrielle und Privatpersonen. Hinzu kommt ein Eigenanteil von 175.000 Euro, finanziert vom jüdischen Gemeindefonds und dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe.
Der offizielle Spatenstich war Ende Mai. Seitdem ging es zielstrebig voran. Bislang gab es nur zu Beginn ein kniffliges Problem, das jedoch schnell behoben werden konnte: Der Bauplatz ist nicht geeignet für einfache Fundamente, deswegen musste eine Spezialfirma 41 Stahlbetonpfähle in den Untergrund bohren. Auf diesem Untergrund ruhen jetzt sicher das Keller- und Erdgeschoss. Im Moment errichten die Arbeiter gerade die oberste Etage. Jedes Stockwerk hat etwa 140 Quadratmeter. Im Keller ist unter anderem die koschere Küche geplant; das Erdgeschoss soll später ein Kulturzentrum beherbergen, in dem Platz genug ist für Tische und 140 Stühle. »Wir wol- len keine fremden Räume mehr anmieten«, begründet Rothe die großzügige Planung. Ins Obergeschoss kommt der Betsaal mit einem Tonnengewölbe als Decke. Dort soll der Himmel von Jerusalem mit 248 Sternen nachgebildet werden. Die Sitzbänke lassen die Bauherren aus Zedernholz schreinern, das aus dem Libanon importiert wird. Die Fenster, gebildet aus zahlreichen blauen und weißen Tränen, eingerahmt von einer Bleiverglasung und ummantelt von Sicherheitsglas – sollen die Millionen vergossenen Tränen symbolisieren. Alle drei Stockwerke verbindet nicht nur ein Treppenhaus, sondern behindertengerecht auch ein Fahrstuhl. Über dem Eingang des im neugotischen Stil errichteten Gebäudes wird künf- tig wieder der Davidstern thronen. Der vermeintlich architektonisch »alte« Baustil sorgte zunächst für Irritationen im städtischen Bauausschuss. Warum denn nichts Modernes geplant sei, hätten Ausschussmitglieder gefragt, berichtet Rothe. »Wir wollen die Synagoge an der gleichen Stelle und im gleichen Stil wie früher bauen«, lautete die Antwort. Dafür gab’s dann eine städtebauliche Sondergenehmigung.
Für den 12. Dezember ist das Richtfest geplant, gleichzeitig wird die offizielle Grundsteinlegung nachgeholt. In den vergangenen Monaten fand man dafür keine Zeit. Anfang 2009 geht’s weiter mit dem Innenausbau. »Wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt, kann die Gemeinde ihre neue Synagoge im Spätherbst einweihen«, kündigt Architekt Paul-Gerhard Dahlmeier an, der das Bauprojekt gemeinsam mit seinen Kollegen Marc und Rolf Recksiek leitet. Das hört der 71-jährige Harry Rothe gerne. Seit 27 Jahren gehört er dem Gemeindevorstand an, vor neun Jahren übernahm er den Vorsitz. Gemeinsam mit Ruben Heinemann, der seitens der jüdischen Gemeinde das Projekt koordiniert, steckt Rothe sehr viel Zeit und Herzblut in die neue Synagoge.
Bis um 1306 lassen sich die jüdischen Spuren in der ehemaligen Hansestadt zurückverfolgen. Nach dem Naziterror kehrten nur wenige Überlebende zurück. Deswegen vereinten sich die westfälischen Her- forder mit den lippischen Detmoldern zu einer Gemeinde. Im historischen jüdischen Gemeindehaus an der Komturstraße errichteten sie einen Betraum und feierten gemeinsam mit Juden aus den umliegenden Orten Gottesdienste. Seit Langem war ein Wiederaufbau der von Nazis zerstörten alten Synagoge im Gespräch. Sie stand schräg neben dem Gemeindehaus und gegenüber der katholischen Kirche in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums. Doch erst Anfang der 90er-Jahre nahm die Diskussion Fahrt auf. Durch den Zuzug von Kontingentflüchtlingen wuchs die Gemeinde auf heute 106 Mitglieder. Rund 92 Prozent von ihnen stammen aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Die Zusammenarbeit zwischen neuen und alten Gemeindemitgliedern sei erfreulich gut. Es gebe in Herford überhaupt keine Spannungen, erzählt Harry Rothe.
Allerdings stieß mit dem Mitgliederzuwachs das Gemeindehaus schnell an seine Grenzen, im derzeitigen Synagogenraum haben nur 28 Gläubige Platz. Das Problem wird durch den Neubau bald gelöst sein. Vielleicht entsteht dann unter anderem auch ein jüdischer Freizeittreff.

Regierungsbildung

Berliner Linke berät erneut über Vanessa Emde

Kurz vor dem geplanten Beginn von Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD diskutiert die Berliner Linke über Antisemitismus - einmal mehr

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026