Schweiz

Eine sichere Bank

von Peter Bollag

Bekanntlich gehört die Schweiz zu den Lieblingsreisezielen der Israelis. Eine Zeit lang schien es so, als könnten sich die Touristen bald nicht nur am Basler Rheinknie, wo einst Herzl und andere zionistische Gründerväter logierten, wie zu Hause fühlen, sondern auch mitten auf der weltbekannten Zürcher Bahnhofstraße: Denn das dort im Zentrum gelegene größte Warenhaus der Schweiz, Jelmoli, sollte an israelische Investoren verkauft werden.
Am Vorabend des Schweizer Nationalfeiertags am 1. August gab Jelmoli Holding bekannt, man habe seine Schweizer Immobilien, darunter das Zürcher Warenhaus (gleichzeitig der Schweizer Stammsitz) zu gleichen Teilen an die israelischen Gesellschaften Delek Global Real Estate und Blenheim verkauft. Auch die anderen Filetstücke der Jelmoli-Immobilien, die insgesamt rund 530.000 Quadratmeter Fläche aufweisen, können sich sehen lassen: Neben zwei Warenhauskomplexen in Genf und Lausanne gehört in der Rhônestadt auch das Einkaufszentrum neben dem Fußballstadion dazu – und Genf ist eine der Gastgeberstädte bei der WM 2008.
Die Israelis bezahlten rund 3,4 Milliarden Franken für das Geschäft. Dieses sei zu 84 Prozent fremdfinanziert, so ein Sprecher von Delek Global, die im Energie-, Auto- und Finanzbereich operiert. Hinter Blenheim verbirgt sich der Israeli Igal Ahouvi, der seit einiger Zeit auf dem Schweizer Grundstücksmarkt tätig ist. Ahouvi gehört, so rechnete die NZZ nach dem Jelmoli-Deal vor, in der Schweiz mittlerweile zu den Großen der Branche. Nach Einschätzungen von Experten hat der 54-jährige Tel Aviver in den letzten zwei Jahren rund eine Milliarde Franken in Helvetien investiert. Sein Geld steckt zum Beispiel in Räumen der Universität Zürich, in einem Gebäude der Großbank Credit Suisse und in Bern sogar in Immobilien, die den Schweizer Bundesbehörden gehören. Sein vorletzter Coup war der Kauf des World Trade Centers in Lausanne.
Vertreten wird Ahouvi in der Schweiz von einer kleinen Firma in Zug. Ein Mitarbeiter der Firma erklärte kürzlich, das Geld Ahouvis stamme zum Teil aus dessen eigener Tasche, zum Teil aus israelischen Pensionskassen und von institutionellen Anlegern. Dabei sieht Ahouvis Strategie so aus, wie verschiedentlich zu lesen ist, zuerst auf eigene Rechnung zu kaufen und erst dann weitere Investoren zu interessieren.
Was die Schweiz für Ahouvi so attraktiv macht, lockt inzwischen auch weitere Investoren aus dem Land zwischen Mittelmeer und Jordan an: Neben der politischen Stabilität und der blendend gelaunten Wirtschaft ist es auch die Differenz zwischen Rendite und Hypothekenzinsen – im europäischen Vergleich neben Schweden die höchste.
Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, dass diese Großinvestitionen zugleich eine »Abstimmung mit den Füßen« zuungunsten des jüdischen Staates sind: 2006 flossen nach Schätzungen der israelischen Zentralbank rund 36 Milliarden an privaten Geldern ins Ausland.
Erstaunlicher- und erfreulicherweise hat diese Spielart des »Ausverkaufs der Heimat« – so eine Parole der Rechtsaußenparteien aus den 70er- und 80er-Jahren – in der Schweizer Öffentlichkeit und den Medien aber kein negatives Echo hervorgerufen. Dabei ist Israels Image seit dem Libanonkrieg von 2006 auch in der Schweiz noch nicht wieder völlig hergestellt.
Allerdings ist der Jelmoli-Deal inzwischen geplatzt: Die potenziellen israelischen Käufer verlangen nämlich einen massiven Preisnachlass, denn die Immobilienkrise in den USA, so ihre Argumentation, habe hier für veränderte Reali- täten gesorgt. Weil Jelmoli darauf aber nicht eingehen wollte, wurde der Kaufvertrag rückgängig gemacht.

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